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Alle Konfessionen beten gemeinsam in der Marktstraße: Dieses Ritual hat sich in Tölz etabliert.

Gläubige halten zusammen

Gegen den Krieg der Worte

Bad Tölz - Es ist ein Zeichen der Gemeinsamkeit in Zeiten, in denen allzu oft das Gegeneinander die Oberhand zu behalten scheint: Vertreter von vier Tölzer Religionsgemeinschaften kommen am Dienstag wieder zum ökumenischen Friedensgebet in der Marktstraße zusammen.

In Zeitungen, Internetkommentaren und persönlichen Gesprächen: Es sei ein „Krieg der Worte“, der heute allzu oft tobe, sagt der evangelische Dekan Martin Steinbach. „Doch Worte wie ,Volksverräter‘, ,Sozialschmarotzer‘, ,Umvolkung‘ und ,Islamisierung Europas‘ werden der gegenwärtigen Situation in unserem Land nicht gerecht“, fasst der Tölzer Geistliche die Auffassung der Veranstalter des ökumenischen Friedensgebets zusammen. Solche militanten Begriffe würden lediglich polemisieren und die vielen Kriegsflüchtlinge und ihre Helfer stigmatisieren. Vier Tölzer Religionsgemeinschaften wollen mit dem ökumenischen Friedensgebet auch sprachlich ein gegenteiliges Zeichen setzen. Beteiligt sind die katholische, die evangelische, die altkatholische und die muslimische Gemeinde.

Schon zum vierten Mal treffen sich die Gläubigen religionsübergreifend zum Beten in der Marktstraße. Entstanden war die Idee in einer gemeinsamen Sitzung desevangelischen Kirchevorstands und des katholischen Pfarrgemeinderats, maßgeblich durch die Initiative von Angelika Lindmair aus der Pfarrei Maria Himmelfahrt. „Mittlerweile hat sich das etabliert, und wir wollen dabei bleiben, es zweimal im Jahr abzuhalten“, sagt Steinbach.

Durch das Friedensgebet haben sich auch Kontakte der christlichen Gemeinde zum muslimischen Mevlana-Moscheeverein entwickelt. „Vorher haben wir eigentlich eher aneinander vorbeigelebt“, sagt dessen Vorsitzender Menduh Killik. Für das Friedensgebet und die Vorbereitung komme man jetzt aber zumindest vier- bis fünfmal im Jahr zusammen. „Und ich kann mir durchaus vortstellen, dass sich daraus noch mehr entwickelt.“

Dass sich die einzelnen Gruppierungen in bad Tölz zu einer gemeinsamen Aktion zusammenschließen, findet Killik „toll“. Noch wichtiger wäre es ihm aber, dass dieses Zeichen langfristig einen Erfolg zeigt und auf das Bewusstsein der Menschen einwirkt. „Wir wollen zeigen, dass Krieg und Vorurteile nicht der richtige Weg sind“, so der Vorsitzende des Moscheevereins. Man soll sehen, dass alle Religionen gleichermaßen für den Frieden eintreten. Es sei ein Vorurteil, wenn Gesellschaft und Medien nach Terroranschlägen gleich den ganzen Islam in einem negativen Licht betrachten. „Wir wollen vor Ort zeigen, dass das nicht so ist.“

Am Friedensgebet beteiligt sich laut Killik auch eine Gruppe von Asylbewerbern. Dem Imam Sadettin Karci sei es besonders wichtig, sein Gebet auf Deutsch zu sprechen. In die Tölzer Gemeinde kommt jeweils für drei Monate ein anderer Imam aus der Türkei. Karci ist zum wiederholten Mal in Bad Tölz – und es traf sich so, dass er bei bisher allen Friedensgebeten dabei war.

Musikalisch wird das Gebet von Ingo Jahn (Keyboard) und einer Percussion-Gruppe unter Leitung von Marcus Ottschofski gestaltet. 

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