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Holztransport vom Gipfel: Max Nichtl (li.) und Paul Schenk vom Alpenverein brachten am Mittwoch den Stumpf des zerstörten Kreuzes von Scharfreiter ins Tal.

Scharfreiter

Große Einsatzbereitschaft fürs neue Gipfelkreuz

Lenggries/Bad Tölz - Die Vorbereitungen für die Errichtung eines neuen Gipfelkreuzes auf dem Scharfreiter machen Fortschritte. Dazu gehörte jetzt auch ein erster schweißtreibender Holztransport – zu Fuß und bei zunehmender Dunkelheit in Richtung Tal.

Bevor das neue Kreuz hinaufkommt, muss erst ein Teil des alten wieder hinunter. Am Mittwochabend wanderten Paul Schenk und Max Nichtl von der Tölzer Sektion des Alpenvereins auf den Scharfreiter und holten den etwa 1,50 Meter langen Stumpf des zerstörten Gipfelkreuzes ab. Benötigt wird das Holzstück, um daran Maß zu nehmen. „So lässt sich am einfachsten genau feststellen, wo Löcher für die Befestigung an der Halterung gebohrt werden müssen“, erklärt Schenk. Auch sonst laufen die Vorbereitungen für die Errichtung des neuen Gipfelkreuzes laut Schenker „super“.

Am Mittwoch nach Feierabend machte sich der 51-jährige Tölzer, hauptberuflich Referent bei der Bergwacht Bayen, zusammen mit Max Nichtl (34), gelernter Motorradmechaniker und Serviceberater bei BMW, auf den Weg auf den Scharfreiter. Etwa bei Sonnenuntergang kamen sie auf dem Gipfel an. Wie berichtet hatte dort ein Unbekannter in der Nacht zum 28. August das Gipfelkreuz mit einer Axt so schwer beschädigt, dass es danach umgelegt werden musste. Am Mittwoch nun trug Nichtl den rund 20 bis 30 Kilo schweren Holzstumpf bis zur Moosenalm. Von hier transportierten es die beiden AV-Vorstandsmitglieder mit dem Auto ins Tal. „Ein-, zweimal hat’s mich geschmissen“, sagt Nichtl über seinen Weg mit der Last auf dem Rücken, den er bei zunehmender Dunkelheit mit Stirnlampe zurücklegte.

Derzeit steht noch ein provisorisches Fichtenholzkreuz von etwa drei Meter Höhe in der Halterung. Anhänger der rechtsradikalen Identitären Bewegung haben es vergangenen Sonntag dort aufgestellt. Die Aktion war offenbar als politische Manifestation der Bewegung gedacht, die sich mit rassistischer Argumentation gegen Zuwanderung stark macht: An einem Parkplatz nahe der Moosenalm hatten sie ein großes Transparent mit der Aufschrift „Respektiert unsere Werte“ und dem Symbol der Identitären, einem Kreis mit dem griechischen Buchstaben Lambda, entrollt. Wegen des aufkommenden Windes hielt das Transparent nur bis zum Sonntagabend vor Ort stand.

Für die Pläne des Alpenvereins spielt die Aktion der Burschen keine Rolle. Für das nötige Holz ist gesorgt. Denn da Tölzer Ehepaar Ingrid und Johann Dostthaler hat sich bereit erklärt, die Eichenstämme zu stiften. „Wir haben beim Frühstück von der Zerstörung des Kreuzes gelesen und spontan gesagt, dass man nicht nur mit Empörung reagieren sollte, sondern auch etwas tun sollte“, sagt der 58-Jährige, der in Valley einen Holzgroßhandel betreibt – und somit weiß, „woher man das richtige Holz kriegt“, wie er sagt. In diesem Fall aus dem Raum Chiemsee.

Kommende Woche will er das Holz zur Tölzer Berufsschule bringen. Denn dort stehen die nächsten Helfer Gewehr bei Fuß. „Uns verbindet seit Jahren eine Partnerschaft mit dem Alpenverein“, sagt Schulleiter Josef Bichler. So habe die Zimmererklasse bei Ausbau und Modernisierung der Tölzer Hütte geholfen. Für Bichler und Hans Haslinger, den Fachbereichsleiter Bautechnik, sei es „Ehrensache“, den Zusammenbau des Gipfelkreuzes zuzusagen. Fünf Meter hoch und 2,77 Meter breit soll es werden. „Das wird voraussichtlich nach Schulschluss am späten Nachmittag gemacht“, sagt Bichler. An Arbeitskräften, Fachleuten und „Profimaschinen“ herrsche an der Schule kein Mangel. Sobald die Ferien vorbei sind, werde man weiterplanen.

Etwas Zeitdruuck herrscht bei dem Projekt. Denn die AV-Sektion hat sich zum Ziel gesetzt, dass das Gipfelkreuz bis zur Bergmesse am Sonntag, 9. Oktober, steht. „Mir schwebt vor, dass es am Tag davor eingeweiht wird“, sagt Schenk. Dies werde als Geistlicher wohl Bruder Thomas übernehmen, der traditionell mit dem Alpenverein zusammenarbeitet.

Damit das Kreuz rechtzeitig oben ist, muss das Wetter mitspielen. „Wenn es schneit, haben wir ein Problem“, sagt Schenk. Geklärt werden muss noch, ob das Kreuz per Hubschrauber nach oben geflogen oder mit reiner Muskelkraft hinaufgetragen wird. Denkbar ist auch eine Kombination aus beidem.

Scharfreiter: Stumpf des Gipfelkreuzes wird ins Tal getragen

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