Würdig vertreten: Die Tölzer Delegation nahm von Kunstminister Ludwig Spaenle (5. v. re.) die Urkunde entgegen, mit der die Leonhardifahrt ins Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Foto: Steffen leiprecht

Großer Auftritt in prachtvollem Rahmen

Leonhardifahrt als Kulturerbe: So war der Festakt

Bad Tölz/München - Eine Tölzer Delegation hat in  der Münchner Residenz die Auszeichnung der Leonhardifahrt als immaterielles Kulturerbe entgegengenommen.

Am Ende blieb dem bayerischen Kunstminister schier „die Luft weg“, wie Ludwig Spaenle selbst sagte. „So groß ist die Vielfalt im kulturellen Erbe Bayerns“. In der Tat: Enorm war die Bandbreite der Traditionen, Bräuche, Feste, Fertigkeiten und Tänze, die am Donnerstagabend in einem Festakt ins bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden. Mit dazu gehörte auch die Tölzer Leonhardifahrt. Die war mit einer knapp 20-köpfigen Delegation im prachtvollen Kaisersaal der Münchner Residenz würdig repräsentiert.

Das Programm war straff: Galt es in dem Festakt doch, zwölf verschiedene kulturelle Erscheinungsformen vorzustellen und zu würdigen – teils durch Aufnahme ins Kulturerbe-Verzeichnis, teils ins „Register guter Praxisbeispiele“. Ob Georgiritt und historischer Schwerttanz in Traunstein, die Osingverlosung im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, das Spitzenklöppeln im Bayerischen Wald, der Zwiefache oder das Feldgeschworenenwesen: All das wurde von Gruppierungen erläutert und oft mit Gesang, Tanz und anderen Darbietungen vorgestellt. Zwangsläufig etwas bescheidener fiel da die wenige Minuten lange Präsentation der Leonhardifahrt aus. „Wir hätten ja gerne ein Leonhardigespann mitgebracht, aber es wäre etwas schwierig geworden, mit den Rössern die Treppen hinaufzukommen“, sagte Leonhardilader Anton Heufelder auf der Bühne. „Dann ist es am besten, wir fahren alle selbst hin“, antwortete ihm Moderatorin Traudi Siferlinger, bekannt aus dem Bayerischen Fernsehen. Sie fragte Heufelder zudem, ob ihm „auch mal ein Schnapserl“ angeboten werde, wenn er als Leonhardilader zu den Bauern komme. „Es kann sein, dass man mal einen Kaffee angeboten bekommt“, sagte er unter dem Gelächter des Publikums.

Auch Leonhardifahrerin Julia Gierens stand als Interviewpartnerin auf der Bühne. Trotz ihres jugendlichen Alters sei sie heuer schon zum elften Mal mitgefahren, berichtete sie. „Es war wie jedes Jahr total schön“, sagte die Schülerin. „Ein bisserl zu kalt, aber das macht gar nichts.“

Besonderheiten der Tölzer Leonhardifahrt zählte schließlich Christof Botzenhart auf, 3. Bürgermeister und 2. Vorsitzender des Historischen Vereins. Er nannte etwa den „Zusammenhalt von sehr vielen Menschen in der Stadt und in der Region“. So betrieben „weit über 1000“ Teilnehmer der Wallfahrt einen großen Aufwand. Zudem habe nach wie vor nicht die Modernität Einzug gehalten bei der Leonhardifahrt. Die alten Regeln behielten ihre Gültigkeit.

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