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Keine letzte Ruhe: Hannelore Krauß wollte neben ihrem Mann auf dem Tölzer Waldfriedhof bestattet werden. Aufgrund eines Missverständnisses ist das jetzt nicht möglich. 

Am Waldfriedhof

„Ich kann meinen Mann ja nicht rausholen“

Bad Tölz - Tragisches Missverständnis: Eine Tölzerin (76) will den Urnenplatz neben ihrem verstorbenen Gatten reservieren und wird abgewiesen.

Hannelore Krauß ist verzweifelt: „Warum gönnt man nicht jedem sein eigenes kleines Urnengrab?“, schreibt sie an die Redaktion des Tölzer Kurier. Der Mann der 76-Jährigen starb am Pfingstsonntag, beerdigen ließ sie ihn am 7. August – ihrem Hochzeitstag.

Krauß berichtet in ihrem Schreiben von schönen Momenten mit ihrem Gatten: „Wir saßen immer wieder gerne auf den Bänken neben dem Rasenherz und wollten auch dort begraben sein.“ Bei dem „Rasenherz“ handelt es sich um eine sogenannte „Urnen-Ruhe-Gemeinschaft“, die Anfang 2013 im Tölzer Waldfriedhof geschaffen wurde. 25 Grabplatten mit Namen, Geburts- und Sterbejahr in sechs Reihen – für 50 Urnen. Momentan ist etwas mehr als ein Drittel belegt. Unter jeder Platte sind laut Friedhofssatzung genau zwei Urnen vorgesehen.

Und da beginnt der Ärger von Hannelore Krauß. Ihr Mann liege nun „zusammen mit einer völlig fremden Person“ unter der Erde, obwohl es noch viele freie Stellen gegeben habe. „Ich finde das pietätlos“, sagt die Frau, die 2007 von München nach Bad Tölz zog. Nach der Beerdigung ihres Mannes wollte sie das zweite Grab unter der Platte kaufen, das damals noch leer war. „Ich möchte ja irgendwann neben ihm liegen.“ Das Tölzer Friedhofsamt habe ihr diesen Wunsch mit Berufung auf die Satzung verweigert. „Da gab es überhaupt keine Diskussion“, ärgert sich Krauß.

Christine Held von der Friedhofsverwaltung kann die Emotionalität und Tragik des Falls nachvollziehen. Den Vorwurf der Pietätlosigkeit lässt sie sich aber nicht gefallen: „Die Dame wurde genau beraten, niemand hat sie zur Urnen-Ruhe-Gemeinschaft verpflichtet. Den Aufschrei hinterher verstehe ich nicht.“ Die Grabstätte sei aus dem Bedürfnis heraus entstanden, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die niemanden haben. „Sie müssen die Gräber nicht selbst pflegen, haben aber trotzdem eine Gedenkstätte.“

In der Satzung habe man festgehalten, dass die Grabstätten fortlaufend belegt werden und keine Plätze reserviert werden können. 1460 Euro koste ein Platz inklusive der Pflege. Laut Held habe Krauß erklärt, dass sie oder ihre Kinder sich nicht um ein klassisches Grab kümmern könnten. Auch eine Urnennische sei für sie keine Lösung. „Wir wollten nicht in die Wand“, sagt die 76-Jährige, die das offenkundige Missverständnis schwer belastet: „Was soll ich denn jetzt tun? Ich kann meinen Mann ja nicht wieder rausholen.“

In zehn Jahren wird die Urne ihres Gatten auf einen Münchner Friedhof umgebettet. So hat es Hannelore Krauß veranlasst.

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