Interview zur Tölzer Geburtshilfe

„Belange der werdenden Mütter an vorderster Stelle“

Bad Tölz – Dr. Stephan Krone ist einer der beiden Belegärzte, die sich an der Tölzer Stadtklinik um Geburten kümmern. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier schildert er seine Sicht auf die aktuelle Lage der Geburtshilfe.

Herr Dr. Krone, Ihre Patientinnen werden Sie derzeit bestimmt mit Fragen zur Zukunft der Geburtshilfe überhäufen...

Dr. Stephan Krone: Es gibt keine wirklich kritischen Rückfragen. Die Frauen glauben es einfach nicht, dass es vielleicht keine Geburtshilfe-Abteilung in Bad Tölz mehr geben wird, sie halten es nicht für möglich. Sie haben Vertrauen, dass alles gut wird. Auch, dass die Petition so stark angenommen wird (bei Redaktionsschluss über 2800 Unterschriften) und die positive Präsenz der Hebammen geben ihnen diese Sicherheit.

Wie bewerten Sie die Entwicklungen der vergangenen Monate?

Krone: Ich bin seit 24 Jahren in der Geburtshilfe in Tölz tätig. Die längste Zeit war durch das System mit den Belegärzten ein gutes, sicheres Arbeiten möglich. Dann gab es zwei Knackpunkte: Der plötzliche Tod meines Kollegen Dr. Bernhard Schwaiger und die fehlende Bereitschaft, dass sich ein anderer Gynäkologe an der Geburtshilfe beteiligt. Ich habe dafür übrigens Verständnis: Es ist eine besondere Belastung, eine Praxis zu führen und als Belegarzt tätig zu sein. Dank des Rückhalts meiner Familie konnte ich das aber immer managen.

Dr. Stephan Krone, Gynäkologe aus Bad Tölz

Sie haben ein Jahr lang nur zu zweit die Geburtshilfe betreut.

Krone: Damals haben wir uns wochenweise die Schichten aufgeteilt, was schon hart war – zumal neben dem laufenden Praxisbetrieb. Das wäre so nicht weitergegangen. Die Klinik hat uns enorm unterstützt, indem sie Anfang April eine Gynäkologin eingestellt hat. Dann kam aber die Gesetzesnovelle zum Antikorruptionsgesetz. Die Besonderheiten des Belegarzt-Systems sind darin noch nicht geklärt. Zudem erschweren die unbezahlbaren Haftpflichtsummen für Neueinsteiger die Entwicklung. Hier muss man der Stadtklinik zu Gute halten, dass für Dr. Florina Rummel eine individuelle Lösung gefunden wurde.

Ganz groß wird stets das Stichwort „Qualitätssicherung“ geschrieben. Unter diesem Gesichtspunkt werden kleine Abteilungen geschlossen, um Krankenhäuser „effektiver“ zu machen.

Krone: Die Tendenz, kleinere Abteilungen zu schließen gab es schon vor 25 Jahren, als ich als Facharzt angefangen habe. Dabei sind kleine Abteilungen wichtig für die großen Kliniken, weil sie sie entlasten. Ich denke, dass die Qualität eines Krankenhauses nicht an einem Papier abzulesen ist, sondern an der Zufriedenheit der Patienten. Wir sind hier in Tölz alle gut abgestimmt: Gynäkologen, Hebammen, Anästhesisten, Kinderärzte... Das merken die Patienten. Wenn sie zufrieden sind, ist das gut für die Klinik.

Was wäre aus Ihrer Sicht die optimale Lösung für einen Standort wie Tölz?

Krone: Eine Hauptabteilung zu schaffen wäre wünschenswert, würde aber eine enorme Kraftanstrengung aller Beteiligten erfordern. Hier müsste die Verwaltung der Klinik durchrechnen, wie viele Ärzte so eine Abteilung haben müsste. Eine Hauptabteilung wäre ein rechtssicheres Modell. Da wäre ich auf jeden Fall dabei.

Sie haben noch Hoffnung für die Geburtshilfe in Bad Tölz?

Krone: Ja. Und ich bin gerne bereit, mich an einer tragfähigen Lösung zu beteiligen. Aber an vorderster Stelle stehen für mich die Belange der werdenden Mütter. Dafür werde ich mich einsetzen – egal wie.

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