Nach einem Besuch auf der Seite einer Flirt-Community wurde ein 71-Jährige um viel Geld betrogen. Foto: dpa

Isarwinkler um 18 000 Euro betrogen

Bad Tölz-Wolfratshausen - Nach dem Besuch einer Flirt-Community stellt ein 71-Jähriger rund 500 unberechtigte Abbuchungen auf seinem Konto fest.

Ein schwerer Fall von Internet-Kriminalität beschäftigt die Tölzer Polizei. Ein 71-jähriger Mann aus dem Isarwinkel wurde um 18 000 Euro betrogen, nachdem er in einer Flirt-Community ein paar Mal mit einer virtuellen Währung bezahlt hatte.

Diese sogenannten Coins (englisch für „Münze“) werden gebraucht, um bestimmte Funktionen des Online-Portals überhaupt nutzen zu können. „Ein paar Mal hat er sie wissentlich erworben“, sagt Polizeihauptkommissar Thomas Schuhbauer. Die meisten allerdings nicht: Beim Blick auf seine Kontoauszüge bemerkte der Mann, dass zwischen 1. September und 20. Oktober rund 500 unberechtigte Abbuchungen erfolgt waren. Er erstattete Anzeige.

Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. „Jeden zweiten Tag geht bei uns eine Anzeige wegen Internet-Kriminalität ein“, schätzt Schuhbauer. Dabei geht es laut dem Polizeihauptkommissar nicht nur um Daten-Missbrauch beim Online-Banking, sondern beispielsweise auch um Bestellungen im Internet, die dann nie ankommen. Eine derart hohe Schadenssumme wie im Falle des 71-Jährigen sei dagegen eher ungewöhnlich. „Viele Leute sind zu unvorsichtig, und die Ganoven auf dem neuesten Stand der Technik“, sagt Schuhbauer.

Erst vor einigen Tagen hatte die Polizei einen ausgefuchsten Internet-Betrug mit hohem Schaden gemeldet. Wie berichtet, hatte sich der bislang unbekannte Täter eine Ersatz-SIM-Karte für den Handy-Anschluss eines 67-jährigen Mannes aus Reichersbeuern zuteilen lassen. Anschließend tätigte der Betrüger problemlos 54 Überweisungen im Wert von rund 5000 Euro, denn die mobilen TAN-Nummern wurden auf die Ersatz-SIM-Karte übermittelt. Der Geschädigte widersprach sofort bei seiner Bank und konnte dadurch zumindest Überweisungen in Höhe von rund 2000 Euro wieder rückgängig machen.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, rät Sparkassen-Sprecher Willi Streicher unter anderem dazu, die Anti-Viren-Software auf dem Computer regelmäßig zu aktualisieren und neue Updates immer sofort zu installieren. Außerdem appelliert der Experte an den gesunden Menschenverstand: „Wenn einem der Absender einer E-Mail nicht vertrauenswürdig erscheint, sollte man sie nicht öffnen.“ Denn über die Anhänge können Viren und Trojaner auf den PC oder das Smartphone gelangen, die dann wiederum die Kontoverbindungsdaten ausspähen.

Allerdings sind diese sogenannten Phishing-Mails oft sehr geschickt getarnt, gibt Streicher zu. Dennoch sieht er keinen Grund für die Nutzer des Online-Bankings, sich angesichts der beiden aktuellen Betrugsfälle vermehrt Sorgen zu machen. „Die Systeme sind sehr sicher“, betont Streicher. Im Vergleich zu der Vielzahl an Transaktionen, die jeden Tag abgewickelt würden, gebe es nur bei einem „verschwindend kleinen Teil“ Probleme.

Besonders betrugsgefährdet sind nach Ansicht von Christoph Fuchs übrigens ältere Nutzer. Das liegt laut dem Senioren-Sicherheitsberater beim Weißen Ring daran, dass diese Personengruppe technisch oft nicht so versiert sei. „Sie lassen nicht die nötige Vorsicht walten“, sagt Fuchs mit Blick auf Anti-Viren-Programme. Außerdem seien viele Senioren schlicht zu gutgläubig: Wenn sie dazu aufgefordert würden, ihre Daten preiszugeben, dann täten sie das leider allzu oft.

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