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So schaut der mobile Blitzanhänger aus. Zweckverbands-Geschäftsführer Michael Braun und Polizeidirektor Peter Böttinger stellten das Gerät gestern in Bad Tölz vor.

Verkehrsüberwacher testen neue Methoden

Jetzt wird aus einem Anhänger geblitzt

Bad Tölz - Die Polizei in Oberbayern will Raser künftig mit so genannten Blitz-Anhängern ausbremsen. Die gute Nachricht dabei: In den ersten sechs Wochen wird das Gerät nur zur Probe aufgestellt – Bußgelder gibt es erst später.

Es ist eigentlich nur ein unscheinbarer, kleiner grauer Anhänger. Aber aus dem wird geschossen – scharf: Mit zwei sogenannten „Blitzanhängern“ wollen das Polizeipräsidium Oberbayern Süd und der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland Jagd auf Verkehrssünder machen. Vor allem Stellen mit vielen Unfällen werden kontrolliert, etwa Baustellen auf Autobahnen.

Praktisch für die Polizei: Die „Blitzanhänger“ müssen nur abgestellt, eingerichtet und wieder abgeholt werden. Die Akkus halten zirka fünf Tage lang. Bei den herkömmlichen mobilen Radarfallen hingegen muss ständig ein Messtechniker oder ein Polizeibeamter vor Ort sein. „Die Gefahr, dabei von einem Fahrzeug erfasst zu werden, ist relativ hoch“, sagte Zweckverbands-Geschäftsführer Michael Braun bei der Vorstellung des neuen Blitzers in Bad Tölz.

Der Blitzer ist in einen Kfz-Anhänger integriert, mit dem die 1300 Kilogramm schwere, gepanzerte Anlage zu einer der 34 Mess-Stellen gebracht werden kann (siehe Grafik). Kontrollen wird es an der B 2 (zwischen dem Ende der A 95 bei Eschenlohe und dem südlichen Ortsende von Mittenwald) und zum Beispiel auch auf der A 93 bei der Baustelle im Inntaldreieck geben.

Mit einem Bußgeldbescheid muss in den kommenden Wochen niemand rechnen: „In der Testphase werden Verstöße noch nicht geahndet“, sagte Braun. Nach gut sechs Wochen unterrichten Polizei und Zweckverband das bayerische Innenministerium über den Verlauf der Testreihe, dann erst werden Strafen verhängt. „Diese Erprobungs-Phase wird zirka ein Jahr lang dauern“, sagt Braun. In dieser Zeit wollen Polizei und Zweckverband herausfinden, wie sich die „teilstationären Geschwindigkeitsmessanlagen“ in der Praxis bewähren und wie sich eine durchgängige Überwachung über eine oder mehrere Wochen auf das Verhalten der Auto- und Motorradfahrer auswirkt. Nach einer erneuten Überprüfung entscheidet das Innenministerium, ob die „Blitzanhänger“ wie in Frankreich oder der Schweiz auch in Bayern dauerhaft eingesetzt werden oder nicht. In Deutschland ist deren Verbreitung noch gering, was auch am Preis liegen könnte: zwischen 120 000 und 200 000 Euro kostet eine Station.

Diesen Zahlen gegenüber stehen allein im vergangenen Jahr mehr als 2000 Geschwindigkeitsunfälle mit 26 Todesopfern im Gebiet des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Gerade bei schwereren Unfällen ist Rasen laut Polizei nach wie vor die Unfallursache Nummer eins. Aber: „Regelmäßige Kontrollen reduzieren das Geschwindigkeitsniveau nachweislich“, betont Braun. Dabei sei es egal, ob der Blitzer gerade wirklich in Betrieb sei oder einfach nur am Straßenrand stehe: „Das Gerät alleine wirkt.“

Deshalb wollen sich Polizei und Zweckverband auch keine Mühe geben, die beiden „Blitzanhänger“ versteckt zu positionieren. „Wir wollen, dass die Geräte gesehen werden“, sagt Braun und gibt auch gleich ein konkretes Beispiel, warum: „Wenn ein Fußgänger mit einem Auto kollidiert, das mit 65 Stundenkilometern unterwegs war, sterben acht von zehn Menschen. Wenn das Auto nur 50 km/h gefahren ist, überleben acht von zehn Fußgängern.“

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