ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Hinweisschild zum Jobcenter in Luckenwalde (Brandenburg), aufgenommen am 17.02.2014. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa "Jobvermittler rechnen vorerst mit sinkender Arbeitslosigkeit" vom 30.12.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Symbolbild

Jobcenter

Asylbewerber kaum Thema

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Jobcenter rechnet nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Fallzahlen: Warum Flüchtlinge keine Fälle fürs Tölzer Jobcenter werden.

Sobald Flüchtlinge ein Bleiberecht bekommen, werden sie in vielen Fällen erst einmal Hartz-IV-Empfänger. Trotzdem: Der Chef des Tölzer Jobcenters, Andreas Baumann, rechnet für 2016 nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Fallzahlen im Landkreis.

Im Dezember betreute das Jobcenter etwa 140 Menschen mit Fluchthintergrund. „Das ist praktisch nichts“, so Baumann. Diese Zahl sei im Lauf des Jahres 2015 auch weitgehend konstant geblieben – immer bei rund 100 sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Insgesamt lag die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Landkreis zuletzt bei 1530. Die Flüchtlinge, die dazukamen, wurden laut Baumann dadurch ausgeglichen, dass es etwa genauso viele Menschen schafften, aus Hartz IV herauszukommen. Sie fanden entweder einen Job – oder ihr Einkommen hatte sich verbessert, so dass sie nicht mehr auf Aufstocker-Leistungen vom Jobcenter angewiesen waren.

Der Jobcenter-Chef geht davon aus, dass das Muster 2016 ähnlich ist. Er kalkuliert, dass seine Behörde im Jahresschnitt etwa 150 Bedarfsgemeinschaften von Flüchtlingen betreuen wird, was in etwa 200 Personen entsprechen könnte. Gleichzeitig ist er zuversichtlich, dass sich die Zahl der „einheimischen“ Kunden abermals leicht reduziert. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gut, viele werden relativ schnell wieder Arbeit finden.“

Warum aber glaubt Baumann, dass in nächster Zeit nicht viel mehr Flüchtlinge im Landkreis Hartz IV beziehen werden? Er bezweifelt, dass sich der Bearbeitungsstau bei den Asylanträgen so schnell auflöst. Und von denen, die dann ein Bleiberecht bekommen, wandern die meisten wohl schnell ab, vermutet Baumann. „Der Erfahrung nach ziehen sie weg in Richtung München, Rhein-Main- und Ruhrgebiet und nach Berlin. Der Landkreis ist da sicherlich kein Brennpunkt, denn hier gibt es zwar Arbeit, aber es ist sehr schwer, eine Wohnung zu finden. Und die Menschen ziehen dorthin, wo schon Verwandte oder Bekannte aus ihrem Land leben.“

Die Vermittlung von Flüchtlingen in Jobs läuft laut Baumann „zäh“. Es gebe zwar auch immer wieder Positivbeispiele. Sehr häufig hapere es aber an der Verständigung. „Da hilft die größte Motivation nichts, wenn man die Anweisungen vom Chef nicht versteht.“ Die Bewerber müssten ihre eigenen Anforderungen zurückschrauben und mit einfachen Tätigkeiten anfangen, rät Baumann. Sei es Unkraut-Jäten oder ein Job in der Spülküche. Dadurch steige andererseits die Konkurrenz um die Stellen für Geringqualifizierte.

Für diverse Maßnahmen, um Menschen wieder in Arbeit zu bringen, steht dem Tölzer Jobcenter laut Baumann 2016 etwa eine Million Euro zur Verfügung. Dabei kommt der Behörde zugute, dass der Bund voraussichtlich 600 000 Euro an Sonderzuweisungen wegen der Flüchtlingsthematik überweist.

Unter anderem schweben Baumann Kurse vor, die eine berufliche Weiterbildung mit der Vermittlung fachspezifischer Deutsch-Kenntnisse verbinden. Zudem plant er ein „Vermittlungszentrum“ vor Ort, in dem Teilnehmer lernen, wie sie die Jobsuche am besten managen – vom Bewerbungsschreiben bis zum Verhalten im Bewerbungsgespräch.

Als Zielgruppe dafür sieht er in erster Linie „einheimische“ Klienten. Überhaupt betont er, dass wegen der Flüchtlinge die Mittel für die Arbeit mit anderen Hartz-IV-Empfängern nicht gekürzt werden.

Andreas Steppan

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