Junger Tölzer dreht durch

Bad Tölz - Ein 19-jähriger Tölzer drehte völlig durch, als ihm Polizisten helfen wollte. Dafür bekam er jetzt vom Jugendgericht die Quittung. 

 Der Richter fand deutliche Worte, als er dem Angeklagten am Ende der Verhandlung die Leviten las. „Sie haben sich tüchtig, tüchtig daneben benommen. Das war echt unter aller Sau, wie Sie sich aufgeführt haben“, hielt Urs Wäckerlin dem jungen Tölzer vor. Der 19-Jährige musste sich wegen Beleidigung in mehreren Fällen, Bedrohung und versuchter Sachbeschädigung verantworten. Unter anderem eine Woche körperlicher Arbeit beim Projekt Tagwerk und ein Jahr Alkoholverbot sollen ihn wieder in die Spur bringen.

Den massiven verbalen Attacken gegen einen Polizeibeamten und dessen Kollegin vorausgegangen war eine Prügelei, bei der dem Angeklagten das Nasenbein zertrümmert wurde. Betrunken und blutverschmiert fanden die Beamten den Heranwachsenden am 13. Dezember vorigen Jahres gegen zwei Uhr vor einer Diskothek am Moraltpark vor. Der Verletzte ließ sich von den Polizisten zum Auto bringen. „Wir wollten ihm nur helfen, aber auf einmal fing er an rumzuplärren, beschimpfte meine Kollegin. Im Auto ist er dann völlig durchgedreht“, schilderte ein Polizist den unrühmlichen Auftritt des Angeklagten, der verbal „ein richtiges Feuerwerk abgefackelt“ hatte. „Halt’s Maul, Du Hure. Schlampe, Wichser, Opfer, Scheißbullen“ – der junge Mann schöpfte aus einem reichhaltigen Vokabular von Beleidigungen, Schimpfwörtern und Kraftausdrücken. „So wie der drauf war, kommt das selten vor“, sagte der Polizist. „Beleidigungen gehören bei uns dazu, das ist Berufsrisiko. Aber das war extrem zu viel.“

Während der Fahrt habe der 19-Jährige zudem versucht, die Autoscheiben einzutreten. Die Schimpftiraden endeten damit, dass er den Beamten empfahl: „Passt lieber gut auf euch auf. Ihr werdet Weihnachten nicht mehr erleben.“ Der Gipfel: Er spuckte den Polizisten seinen blutigen Speichel auf die Uniformjacke. „Total widerlich“ fanden das die Staatsanwältin und der Richter.

„Ich war nicht mehr ich selbst und sturzbetrunken. Ich hab’ davor endlang nix mehr getrunken, dann hat’s richtig reingehauen“, suchte der Heranwachsende nach Entschuldigungen.

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Vorschlag von Jugendgerichtshelferin Josephin Bettzüge, die eine Teilnahme am Projekt Tagwerk empfahl. Die Strafe umfasst 200 Stunden, „mit einer Woche körperlich harter Arbeit“ als Höhepunkt.

„Für das, was sie abgeliefert haben, reichen Sozialstunden nicht aus. Das Tagwerk rettet sie vor dem Arrest“, machte Richter Wäckerlin deutlich. „Aber das setzt ernsthafte Teilnahme und Engagement voraus.“  

rst

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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