Stimmungsvolle Stunde: Am interreligiösen Friedensgebet in der Tölzer Marktstraße nahmen am Dienstag rund 100 Besucher teil. Im Fackelschein wurde auf den „Krieg der Worte“ aufmerksam gemacht. Foto: Pröhl

Gebetsstunde in der Marktstraße

Kerzen und Fackeln für den Frieden

Bad Tölz - Es war eine eindrucksvolle Symbolik: Schlagworte wie Hass, Rassismus und Beleidigung, groß auf Papier gedruckt, wurden verbrannt. Das interreligiöse Friedensgebet am Dienstagabend in der Marktstraße machte damit auf den „Krieg der Worte“ aufmerksam, der in ganz Deutschland tobt.

Vertreter der religiösen Gemeinschaften der Stadt – katholische und evangelische Kirche, Mevlana-Moschee, Freikirche und Altkatholiken – lasen Zitate vor, die in den vergangenen Monaten fielen und verbreitet wurden: Man hätte den deutschen Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng, dessen Vater aus Ghana stammt, lieber nicht zum Nachbarn; das Schlimmste sei ein fußballspielender, ministrierender Senegalese; Kanzlerin Merkel sei eine Volksverräterin. Wer solle dem Einhalt gebieten, wurde gefragt. Die Antwort gab ein afrikanisches Sprichwort: Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten mit vielen kleinen Schritten. Jeder solle sich zweimal überlegen, was er sage und seinem Gegenüber mit Respekt begegnen.

Diese Worte hörten wie die vergangenen Male rund 100 Besucher, die zum Friedensgebet gekommen waren. Hoca Sadettin Karci, der muslimische Geistliche, trug seinen Friedenstext in Türkisch und Deutsch vor und verabschiedete sich spontan mit einem „Servus“. Die Lieder „Dona nobis pacem“ und „Hevenu shalom alechem“ begleiteten Marcus Ottschofski vom Musikzentrum „Trommelfell“ mit einer westafrikanischen Kora, einer Art Harfe, und Ingo Jahn von der Realschule mit einem E-Piano. Abschließend wurden Kerzen angezündet, die in allen Kirchen und Gebetsräumen aufgestellt werden. Sie zeigen eine Taube und ein Stück Stacheldraht. Die Friedenstaube könne Grenzen überwinden, so die Botschaft.

Neu war, dass Peter Frech sich mit Sicherheitsleuten am Rand aufhielt. „Das ist mit dem Landratsamt so abgesprochen gewesen, dass wir vorbeischauen“, erklärte er. Woanders könne eine solche Veranstaltung auch weniger friedlich ablaufen.

Birgit Botzenhart

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