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Adrian Marcu aus Bad Tölz wird für seinen beherzten Einsatz am Mittwoch in München geehrt.

„Öffentliche Anerkennung für eine Rettungstat“

Dem Kollegen das Leben gerettet

Bad Tölz/München - Der Mann war klinisch tot. Dennoch hat Adrian Marcu aus Bad Tölz seinen Kollegen nicht aufgegeben und ihn unermüdlich weiter reanimiert. Mit Erfolg: Der Mann überlebte den Stromschlag von 380 Volt.

Es muss ein schrecklicher Anblick gewesen sein: Von den Augen des Mannes war nur noch das Weiße zu sehen. Das Gesicht war blau angelaufen, und die Haut fühlte sich bereits kalt an. Der 61-Jährige hatte bei Elektroarbeiten in den Münchner Riem-Arcaden einen Stromschlag bekommen, als er sich auf einem Gerüst an der Beleuchtung zu schaffen gemacht hatte.

Trotz des schlimmen Zustands des Verletzten hatte Adrian Marcu keine Berührungsängste: „Ich habe ihm die Hand in den Mund gesteckt und die Zunge nach vorne gezogen, damit er nicht daran erstickt“, berichtet der Tölzer. Zuvor musste er allerdings zusehen, dass er den Verletzten und sich selbst in Sicherheit brachte: Denn das Kabel, von dem der Mann einen Stromschlag von 380 Volt bekommen hatte, ragte noch immer aus der Wand des Einkaufszentrums, wo der 29-Jährige im März des vergangenen Jahres bei Montagearbeiten geholfen hat.

Auch Dariusz Kopka aus Ebersberg arbeitete dort und half Marcu. Ganz im Gegensatz zu den vielen Schaulustigen, die sich wegen des Kabels nicht trauten, mit anzupacken. Also rückten die beiden Männer allein das kleine Gerüst aus der Reichweite der Gefahrenquelle.

In zweieinhalb Metern Höhe kämpften sie anschließend auf dem schmalen Steg gut 20 Minuten um das Leben des Mannes, bis die Feuerwehr und der Notarzt eintrafen. Dank eines Erste-Hilfe-Kurses wusste Marcu genau, was zu tun war. Im Wechsel beatmeten er und Kopka den Verletzten und führten eine Herzdruckmassage durch. „Ich dachte, vielleicht haben wir Glück, vielleicht nicht.“

Mehrere Tage im künstlichen Koma

Sie hatten Glück: Dank seiner guten körperlichen Verfassung überlebte der Verletzte, obwohl er bereits klinisch tot war, wie ein Arzt Marcu später erzählt hat. Das war zum Zeitpunkt des Unglücks noch nicht abzusehen: „Der Mann lag noch eine oder zwei Wochen im künstlichen Koma“, sagt Marcu.

Als der Mann wieder bei Bewusstsein war, hat ihn der Tölzer im Krankenhaus besucht. Laut Marcu konnte er sich nicht daran erinnern, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Soweit der gebürtige Rumäne in Erfahrung bringen konnte, hat der 61-Jährige wohl angefangen zu arbeiten, ehe die Sicherung draußen war. Laut Marcu war es ein „ganz normales Gespräch“ ohne große Dankesworte.

Dafür wird Marcu, der etlichen Einheimischen als Handballspieler beim TV Bad Tölz ein Begriff sein dürfte, nun von Regierungspräsidentin Brigitta Brunner geehrt. Am Mittwoch bekommt er in München eine Urkunde als „öffentliche Anerkennung für eine Rettungstat“. Auch Dariusz Kopka wird für seinen beherzten Einsatz ausgezeichnet, ebenso wie 23 weitere verdiente Persönlichkeiten aus Oberbayern. In der Begründung heißt es, dass die beiden Männer sehr „besonnen“, „blitzschnell“ und „mutig“ gehandelt haben. Außerdem sei die Rettung unter erschwerten Umständen erfolgt, was sich auf die beengte Situation auf dem Gerüst bezieht.

Marcu freut sich über die Auszeichnung, hätte sie aber nicht erwartet. „Ich brauche keinen Dank“, sagt der junge Mann. „Wenn ich jemandem helfen kann, dann tue ich das. So habe ich es gelernt.“

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