ARCHIV - Eine Douglasie steht in einem Wald bei Eberbach im Neckar-Odenwald-Kreis in Eberbach (Baden-Württemberg). Bis zur letzten Eiszeit waren die Vorfahren der Douglasie auch in Europas Wäldern heimisch, starben dann aber aus. Mitte des 18. Jahrhunderts holten Förster die Baumart aus Amerika zurück. Dem Klimawandel trotzt sie besser als die Fichte. Foto: Ronald Wittek dpa (zu lth "Douglasien für Thüringens Walder - 74 000 Jungpflanzen im Beet" vom 05.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Symbolbild

Wie geht es dem Wald?

Warmer Winter schwächt den Käfer

Bad Tölz – Sturm, Hitze, Trockenheit: Der Wald hat ein hartes Jahr hinter sich. Aber in Bad Tölz ist er noch gut in Schuss.

Das Jahr 2015 war für den Wald eine ganz schöne Zumutung: Sturm „Niklas“ im Frühjahr, der heiße und trockene Sommer, die darauf folgende Borkenkäferplage und der viel zu warme, ebenfalls viel zu trockene Herbst gefolgt von einem milden Winter. Der Waldzustandsbericht der bayerischen Forstverwaltung besagt, dass der Wald aufgrund der Trockenheit bereits gehörig Stress hat. Ist in den Landkreiswäldern noch alles im grünen Bereich?

„Am Alpenrand haben wir Glück“, sagt Matthias Kroiß, Förster bei der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. „Wir haben relativ viel Niederschlag.“ Kritisch, so sagt er, sei es eher Richtung München, da der sandigere Boden deutlich weniger Feuchtigkeit speichern könne. Ist der Wald langer Trockenheit ausgesetzt, sind die Bäume geschwächt und werfen frühzeitig Blätter oder Nadeln ab, um Wasser zu sparen. Am empfindlichsten ist die Fichte, hier die Hauptbaumart.

„Auf längere Zeit wird sich der Fichtenbestand reduzieren müssen“, prognostiziert Wolfgang Neuerburg, Bereichsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen. Die Fichte braucht sehr viel Wasser und ist die Leibspeise von Buchdrucker und Kupferstecher, sprich des Borkenkäfers. Tannen und Laubbäume seien wesentlich robuster und weniger anfällig für Befall.

Mit Sorge beobachtete Neuerburg die Massenvermehrung der Borkenkäfer im vergangenen Jahr. „Dabei war die Ausgangsdichte eher gering. Es wurde erst sehr spät im Jahr bemerkt, dass es Befall gibt, dadurch konnten drei Generationen angelegt werden.“

Doch die derzeit milden Temperaturen arbeiten in dieser Angelegenheit deutlich für den Baum: „Der warme Winter schwächt den Käfer“, erklärt Gerhard Penniger von der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen. „Er kommt nicht zur Ruhe und das macht ihn fertig.“ Käme jetzt ein nasses Frühjahr, wäre das ideal. Der Baumparasit würde verpilzen und der Bestand deutlich reduziert.

Ein Pluspunkt sei auch, dass sehr viele Käfer im Baum statt im Boden überwintern. Ein befallener Baum wird geschnitten, aus dem Wald transportiert und rasch zum Sägewerk gebracht, wo er verarbeitet wird. Vorher kommt er in eine Entrindungsmaschine, die dem Borkenkäfer den Garaus macht.

Im Altlandkreis Tölz sei das meiste noch gut in Schuss, wenn man von den Problemfichten mal absieht. Ähnlich sieht das Neuerburg. „Je höher man kommt, desto robuster sind die Bäume. Ein Bergwald ist solche Verhältnisse gewohnt. Gebirgsbäume sind viel kleiner als in der Ebene und brauchen nicht so viel Wasser. Außerdem ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit größer.“

Allerdings, räumt er ein, sei den Waldbesitzern tatsächlich schon wirtschaftlicher Schaden entstanden. „Trockenheit bedeutet geringeren Wuchs. Das wirkt sich schon aus.“ Der finanzielle Schaden macht auch dem Forstministerium Sorge. In der neuesten Pressemitteilung ist von landesweit rund 500 Millionen Euro die Rede.

Reine Fichtenwälder, die den besten Ertrag bringen, gibt es hier wenige. Man setzt auf natürliche Verjüngung und Vermischung des Waldes. Eine Prävention gegen den Borkenkäfer gibt es nicht, allerdings kann durch die Waldpflege schon viel erreicht werden. Den Waldbesitzern wird zu erhöhter Wachsamkeit geraten, sogar jetzt im Winter. Altholz und andere Brutstätten müssten unverzüglich entfernt werden.

Und was passiert, wenn es wieder einen trockenen Sommer gibt? „Dann würde ich sagen, ist das bei uns noch leichter zu verkraften als anderswo“, sagt Penninger, „aber gut wäre es natürlich nicht.“ Ideal wäre ein nasses Frühjahr und ein warmer, aber durchaus durchwachsener Sommer – und natürlich kein weiterer „Niklas“. „Mir persönlich würde es zwar nicht gefallen, wenn es heuer viel regnet, aber dem Wald würde es sehr gut tun. “ 

Ines Gokus  

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