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Der Kalvarienberg war das Ziel der Wallfahrer zu Ehren des heiligen Leonhard.

Wallfahrt in Bad Tölz

Leonhardi: Ruhig und herzerwärmend

Bad Tölz - Kein Gedränge am Berg, ein gut aufgelegter Pfarrer, sechs Jubiläen: Die Leonhardifahrt ging in einem angenehm entspannten Rahmen über die Bühne.

Vroni Sappls Worte hallen um 8.30 Uhr durch die Merzstraße im Tölzer Badeteil. Sie zieht ihr Smartphone heraus und flötet laut hinein: „Seit drei Wochen manage ich, dass das heute alles klappt. Und jetzt ist noch nicht mal der Wagen da.“

Ein Grund zur Beunruhigung? Nicht für Sappl. Schließlich fährt sie bei Leonhardi mit, seit sie fünf Jahre alt ist. Ihr Morgenprogramm diesmal: Aufstehen um halb sechs, die Tochter frisieren, dann rein in den Schalk, der am Vortag in Benediktbeuern zum Glück trocken geblieben ist. „Ich hatte einen Mantel drüber, sonst wäre das nicht gegangen“, sagt Sappl und läuft davon. Wagen 35 biegt um die Ecke, sie und die anderen Schaftlacher Bäuerinnen reihen sich pünktlich ein. Die 161. Tölzer Leonhardifahrt beginnt.

Die Vorreiter Lukas Stauffert, Peter Stockner und Julian Holzapfel führen den Zug an. Um 9.15 Uhr werden sie an der Isarbrücke von den Besuchern in Empfang genommen. Edith Reuter hat sich einen guten Stehplatz in der unteren Marktstraße gesichert. Das mächtige Geläut der Kirchenglocken, das dröhnende Vibrieren des Kopfsteinpflasters, die gestickten Details der Kleider: Die visuellen und akustischen Reize überfluten die 58-Jährige. „Das geht unter die Haut“, sagt Reuter. Mit ihrem Mann ist sie aus dem unterfränkischen Rieneck angereist. In ihrem Heimatlandkreis Main-Spessart beteiligt sie sich seit 40 Jahren am Zug zur Wallfahrtskirche „Maria im Grünen Tal“. Traditionelle Verbindungen kann auch Agnes Zihlmann vorweisen, die gleich daneben steht. In der „Fahrgruppe Innerschweiz“ pflegt sie das Gespannfahren. „Wie hier die Jugend einbezogen wird“, gefällt der Frau aus Luzern.

Auch oben am Kalvarienberg trifft man viele, deren Besuch nicht vom Wetter oder Wochentag abhängt. „Schnee ist besser als Regen“, findet Veronika Niedermaier. Die Tochter des Landrats sitzt in Wagen 21, trägt alte Tölzer Bürgertracht und das sogenannte „Kranl“ – als Kopfschmuck der unverheirateten Frau. „Heute ist es sehr entspannt, viel weniger Gedränge“, sagt die 27-Jährige. Es ist auch ruhiger an diesem kalten Montagvormittag, so ruhig, dass Niedermaier fernab von der Leonhardikapelle über die Boxen den Gottesdienst mitbekommt.

Stadtpfarrer Peter Demmelmair erinnert an St. Leonhard, den Schutzpatron der Pferde und Landwirte, der „im Stillen wirkte“. Wie es jeder tun sollte: Das ist seine Botschaft. „Es kommt auf dich an, du bist einmalig.“ Gottvertrauen sei wichtig – gerade in dieser „dramatischen Stunde der Weltgeschichte“, in der „viele im Denken Richtung Nationalismus abdriften“, sagt der Pfarrer, der auch für die flotten Sprüche verantwortlich ist. Erst beendet er seine Predigt mit den Worten „Mir ist kalt, euch ist kalt: Amen“, dann bringt er beim Empfang in der Franzmühle auch die Ehrengäste zum Lachen. „Was ist der Unterschied zwischen Pilgern und Wallfahren?“, fragt er. „Nach dem Pilgern jammern alle, nach der Wallfahrt geht’s allen gut.“

Bei den nach Polizeischätzung 10 000 Besuchern dürfte die Leonhardifahrt ein wohliges Gefühl hinterlassen. Wenig Trubel, Fokus auf das Wesentliche – zum Beispiel auf Martin Mayers Familie („Pfisterfranzl“), die zum 110. Mal teilnimmt. Bürgermeister Josef Janker hebt sie und fünf weitere Jubiläumsgespanne in der Franzmühle hervor.

Siegfried Brunner ist mit seinen filigranen Fjordpferden zum 32. Mal dabei. Eifrig erklärt der Fuhrmann, dass sein Wagen 1917 gebaut worden war – und dann zum Heuausfahren diente. In der Truhe aus dem Jahr 2000 sitzt Ingrid Schaffner. In Handarbeit hat sie Rosen aus Wachs als Wagenschmuck kreiert. Dann schenkt sie einen selbstgemachten Eierlikör ein, der schmeckt, wie diese 161. Leonhardifahrt: herzerwärmend.

Die schönsten Bilder von der 161. Tölzer Leonhardifahrt

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