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Gute Überlebenschancen hat nach dem Einschreiten der Baumschutzkommission diese alte Linde.

Kohlstattstraße

Nachbarn kämpfen um alte Linde

Bad Tölz - Es könnte ein Erfolg für die Anwohner und die Tölzer Baumschutz-Kommission sein: Ihr Einsatz für den Erhalt einer über 100 Jahre alten Linde an der Kohlstattstraße zeigt Wirkung.

100 bis 120 Jahre hält sie schon die Stellung. Nun drohte einer altehrwürdigen Linde an der Kohlstattstraße die Fällung – zugunsten von zwei Stellplätzen. Aktuell sieht es allerdings so aus, als ob der Protest und das Engagement der Nachbarschaft Wirkung zeigen: Nach einer Begutachtung durch die Baumschutzkommission hatt der Baum wieder gute Überlebenschancen.

Zum Hintergrund: Die Stadt hat wie berichtet beschlossen, der Lenggrieser Baugenossenschaft ein Grundstück an der Kohlstattstraße, neben dem „Jägerwirt“, für den Bau von Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen. Ein Haus mit 14 bis 15 Wohneinheiten soll dort entstehen, wie Maria Haubner, Vorsitzende der Baugenossenschaft bestätigt. Die Stadt will der Baugenossenschaft das Grundstück verkaufen und 20 Jahre lang ein Belegungsrecht behalten.

Mit dem Bauprojekt in ihrer Nachbarschaft ist Anwohnerin Lucia Packhäuser auch durchaus einverstanden. Entsetzt war die Tölzerin aber, als sie erfuhr, dass für Parkplätze und einen Fahrradschuppen die alte Linde am Rand des Grundstücks gefällt werden sollte. „Das ist ein sehr schöner alter Baum“, sagt sie. „Er hat für die Bewohner aller angrenzenden Häuser eine große Bedeutung. Hier trifft man sich, grillt zusammen, und Schaukeln und Hängestühle werden am Baum befestigt. Der Baum hält viele Kinder aus“, fügt sie lachend hinzu. Anhand des Stamm-Durchmessers habe sie ermittelt, dass die Linde 100 bis 120 Jahre alt sein muss.

Packhäuser startete eine Online-Petition unter dem Motto „120 Jahre alte Linde retten“. Die Zahl der Unterzeichner ist mit 89 zwar relativ überschaubar. Aber die Unterstützung der Bewohner aller 16 umliegenden Häuser falle geschlossen aus, berichtet Packhäuser. „Alle wollen, dass der Baum bleibt.“ Keinen Erfolg hatte das Ansinnen mehrerer Nachbarn, den Grundstücksstreifen mit dem Baum zu kaufen: Die Stadt habe diese Anfrage abgelehnt, so Packhäuser.

Einen großen Fortschritt brachte es dagegen, dass sich die Anwohner an die Baumschutzkommission wandten. Dieses Gremium besteht aus Vertretern der vier Stadtratsfraktionen sowie (nicht stimmberechtigt) Stadtbaumeister Hannes Strunz, Peter Singer vom städtischen Bauhof und Achim Rücker vom Bund Naturschutz. Einmal im Jahr besichtigt das Gremium Bäume, die gefällt werden sollen und sucht gegebenenfalls nach Wegen, sie zu retten. Rechtlich sind ihre Möglichkeiten aber begrenzt, denn einem privaten Grundbesitzer kann in der Regel niemand verbieten, einen Baum zu fällen. „Leider gibt es in Tölz weiterhin keine Baumschutzverordnung“, bedauert Richard Hoch, der in der Baumschutzkommission die Grünen vertritt.

Mehr Einfluss kann die Kommission nun wohl bei der Linde an der Kohlstattstraße nehmen. „Wir waren einhellig der Meinung, dass sie erhalten werden sollte“, berichtet Hoch. „Es ist ein kerngesunder Baum – anders als viele andere große Bäume, die etwas angegriffen und von Pilz befallen sind.“ Zudem handele es sich bei der Linde um eine heimische Art. Sie stehe an einem schönen Platz und verbreite ein „gutes Flair“. Wenn für zwei Stellplätze wirklich keine andere Lösung gefunden werde, „dann haben wir vom Naturschutz gar nichts verstanden“, sagt Hoch.

Die Argumente stießen auch bei Stadtbaumeister Hannes Strunz auf offene Ohren. „Das ist schon ein schöner Baum, ich kann verstehen, dass man ihn erhalten will“, sagt er auf Anfrage des Tölzer Kurier. „Der Planer ist bereits verständigt, dass er sich bemühen sollte, den Baum zu erhalten.“ Weitere Optionen seien, dass die Stadt im Kaufvertrag den Erhalt der Linde verankert oder dass die Stadt für die Baugenossenschaft einen Teil der Stellplatzablöse übernimmt, die fällig wird, wenn bei einem Bauprojekt nicht die vorgeschriebene Zahl an Parkplätzen nachgewiesen werden kann. Das sei dann eine politische Entscheidung, die der Stadtrat zu treffen habe. Aus Sicht von Hoch wäre dies „ein sehr begrüßenswertes Zeichen“. Maria Haubner von der Baugenossenschaft sagt, vor dem Grundstücksverkauf lasse sich zu den Planungen noch nichts sagen.

Ein weiterer Fall, mit dem sich die Baumschutzkommission zuletzt beschäftigte, war eine Birke am Bruderhaus. Hier stand am Ende die Fällung des Baums. Mehr lesen Sie hier.

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