Kreatives Trio der Puppenfreunde: Buchautor Walter Frei (Mitte) mit der neuen Chronik und den Leitern des Tölzer Marionettentheaters, Albert Maly-Motta (li., Co-Autor) und Karl-Heinz Bille (re.). Foto: mk

Neues Buch über das Tölzer Marionettentheater vorgestellt

Die Überlebenskünstler

Bad Tölz - „Das hab’ ich nicht gewusst: Es gibt nur fünf Marionettentheater in Deutschland und eines steht in Tölz“, staunte eine Besucherin am Rande der Buchvorstellung.

Die neue Chronik belegt, dass die Tölzer in 115 Jahren Marionettentheater oft erstaunlichen Mut beim Erhalt dieser „Institution“ bewiesen.

Im kleinen, aber feinen Theater am Schloßplatz trafen sich am Freitagabend Honoratioren, Förderer und Mitglieder ehemaliger Spieler-Dynastien, um die Herausgabe der neuen Chronik (siehe Kasten) von Walter Frei und Albert Maly-Motta zu feiern. Sogar ein Nachkomme von Georg Pacher, anno 1900 Motor und Urvater des ersten Theaters, war unter den Anwesenden.

Was macht in Zeiten von Smartphones und Social Media den Reiz des Marionettenspiels aus? Der Frage ging Albert Maly-Motta nach, der zusammen mit Karl-Heinz Bille seit 16 Jahren das Haus führt. Und es gibt nicht nur eine Antwort. Etwa die Tradition, merkte Maly-Motta augenzwinkernd an: „Alles, was in Bayern älter als drei Jahre ist, fällt da darunter.“ Oder die Lust des Bayern am Theaterspiel. Sowie die Tatsache, dass Marionettenspiel jeden Besucher fordert. „Da müssen wir die Fantasie einschalten und selbst aktiv werden.“ Die Künstlichkeit der hölzernen Figuren halte uns immer wieder auch den Spiegel vor und erinnere daran, dass wir Menschen sind. Maly-Motta verglich das Puppenspiel mit dem bekannten Warenhaus und seinem Namen „manufactum“: Alles sei von Anfang bis Ende „manufactum“, also handgemacht. Wertarbeit eben.

Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann lobte die „Weisheit“ seiner Vorgänger, die 1908 das Salettl im Bürgergarten als erste Heimat der Tölzer Bühne zur Verfügung stellten. Und er bezeichnete es als Glücksfall, dass man im Jahr 2000 Albert Maly-Motta und Karl-Heinz Bille als neue Leiter engagiert habe.

Ein damals durchaus umstrittener Glücksfall, wie sich Landrat Josef Niedermaier, damals Stadtoberhaupt, erinnerte. Es hatte „heiße Diskussionen“ um die Nachfolge Mirtan Teichmüllers gegeben, der alte Zöpfe abgeschnitten, das Ensemble aber nicht ausreichend mitgenommen hatte.

Das Tölzer Marionettentheater habe sich neu erfunden und müsse dies auch weiter tun, um zu überleben, sagte Niedermaier und merkte mit Blick auf Walter Frei an: „Die Halbwertzeit von Wissen ist gering. Darum ist es gut, dass wir die neue Chronik haben.“

Walter Frei, der ja schon einige Tölz-Bücher verfasst hat, erinnerte zunächst einmal an seinen Vorgänger Heinrich Rath. Der frühere Tölzer Kämmerer war ein großer Förderer und „Strippenzieher“in Sachen Marionettentheater gewesen und hatte eine lange schon vergriffene Chronik geschrieben.

Frei nahm das Wort Maly-Mottas vom Theater und den Puppen als „Überlebenskünstlers“ auf und erinnerte an viele Momente, als das Tölzer Marionettentheater vor dem Aus stand und es „kleinen Wundern“ glich, dass die Bühne weitermachen konnte. Und er wies auf das von den Tölzern viel zu wenig wahrgenommene Alleinstellungsmerkmal hin, dass es nur fünf Puppentheater in Deutschland gibt. „Die Chronik soll helfen, dass das ins Bewusstsein der Tölzer dringt.“ Er erinnerte an den großen, weltweit bekannten Puppenmacher und Theaterchef Oskar Paul und seine „Kinder“: Toni Post, der heute an der Oper in Hamburg als Leiter der künstlerischen Abteilung wirkt. Bernhard Leismüller, der das Marionettentheater Lindau leitet sowie Toni Bachleitner, Leiter der Düsseldorfer Bühne.

Letzterer kämpft ebenso wie der Chef der Salzburger Puppentheaters ums Überleben seines Haus, merkte Albert Maly-Motta an und dankte den aktuellen Stadtvätern für die ungebrochen positive Haltung zum Haus. „Tölz ist eben anders.“

Maly-Mottas Dank galt auch dem Ensemble, bei dem es trotz aller künstlerischen Reibungspunkte erstaunlich wenig Fluktuation in den vergangenen 16 Jahren gegeben habe. Das lasse für die Zukunft der Bühne hoffen. „Wir sind nur die Verwalter. Sie wird uns hoffentlich möglichst lange überleben.“

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