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Fünf geniale Musiker, die kein „Genre und kein Konzept“ haben: Die Südtiroler Formation „Opas Diandl“ trat am Samstag in der „Lust“ auf. foto: 

Kulturhaus Alte Madlschule

„Opas Diandl" schafft magische Momente

Bad Tölz - Was Volksmusik jenseits des Musikantenstadls alles sein kann, bewiesen fünf virtuose Musiker aus Südtirol in der „Lust“.

Moderne Volksmusik? Nein, weit mehr: Das Konzert der Südtiroler Kult-Formation „Opas Diandl“ am Samstag in der „Lust“ war ein beinahe magisches Erlebnis, das seinesgleichen suchte, und bei dem die vielzitierten musikalischen Schubladen einfach alle gleichzeitig aufgemacht wurden. Volksmusik wird hier völlig neu definiert, ohne dass vergessen wird, wo sie ihren Ursprung hat. Bei diesen fünf virtuosen Musikern darf einfach alles nebeneinander existieren, alles in Frage gestellt werden, alles durcheinandergeworfen und von hinten aufgezäumt werden. Und das Beste daran ist, dass es klingt, als hätte es nie anders sein dürfen.

Markus Prieth, Veronika Egger, Daniel Faranna, Thomas Lamprecht und Jan Lagner beherschen obendrein das Kunststück, als fünf musikalische Indivuen präsent zu sein und gleichzeitig als „Opas-Diandl“-Einheit eine nochmal übergeordnete Welt zu erschaffen. Ähnlich wie ihre Lieder übrigens. Jedes für sich ist eine hochkomplexe, aberwitzige, eigensinnige und dennoch harmoniesüchtige Angelegenheit, die mit Brüchen und Veränderungen kokettiert, aber immer im Thema bleibt.

Wie ein feiner und manchmal ferner Sirenengesang schweben die Melodien mit, werden zum Thema und zur Konstante der jeweiligen Stücke, die von zart bis wild reichen, manchmal sogar alles miteinander. So wird Schicht für Schicht ein gewaltiger Klangteppich gewebt, bei dem jeder einzelne Faden deutlich sichtbar, oder besser, hörbar bleibt. Ausgehend von den Traditionen der alpenländischen Volksmusik werden hier alte Weisen, Tänze, Jodler und Instrumentalstücke neu arrangiert und auch neu geschrieben. Dabei bedienen sich die Musiker bei Klassik, Klezmer, Jazz, Punk, Rock, Barock und sogar Hip Hop meint man herauszuhören.

Ebenso eigenwillig wie die Musik sind auch die die Bandmitglieder. Sie haben kein Schema F für ihren Auftritt, es kommt eben, wie es kommt. Allen voran ist hier Sänger und „Raffele“-Spieler Markus Prieth präsent, quasi der einzige, der spricht. Mit wunderlich ulkigen Ansagen verzückte er das Publikum genauso wie mit seinen Blümchensocken, die unter der Hochwasserhose hervorspitzten. Ein „Raffele“ ist übrigens eine Art Zither, und natürlich ist es nicht das einzige Instrument, das er beherrscht. Vroni Braun, weiblicher Mittelpunkt der Combo, ist eine Meisterin an der Geige und der „Viola da Gamba“, und wenn sie spielt, ist sie so bei sich, dass sich die Atmosphäre auf der Bühne beinahe verdichtet.

Doch das könnte man so oder so ähnlich von allen anderen auch sagen. Die Dynamik und der oft schiebende Rhythmus reißt sie mit und die Zuhörer auch. Man kann irgendwie nicht genug hören von ihrer Musik, es ist immer spannend, neu und doch auf irgendeine wohltuende Art bekannt. Auch die Texte lassen Außerwöhnliches vermuten, dem Südtiroler Dialekt allerdings ist nicht leicht zu folgen. Selbst gedichtet oder aus alten oder gar uralten Epochen genommen, kommen sie daher, wie aus der Zeit gefallen: „Du flaxhorads Madl, wegen dir kannt i zum Spinnradl wern“ als feines Liebeswerben oder gewaltig wie „Unter Toar Leit“, das die Ungerechtigkeiten des Lebens hinaushämmert.

Diese Konzert ist ein echtes Erlebnis. Wer Sinn für Schräges und Abseitiges hat, wer sich darüber freut, nicht immer die ewig gleichen abgenudelten Harmonien zu hören sollte die nächste Gelegenheit nutzen, „Opas Diandl“ live zu sehen. Jodeln, Polka, Zwiefacher, Dialekt macht sich ohne Musikantenstadl einfach besser.

Ines Gokus

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