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Ein Schalke-Fan in Tölz: Bernd Schonlau (Mitte) ist einer von drei Geschäftsführern des Familienunternehmens SWL aus Langenberg in Nordrhein-Westfalen. Mindestens einmal im Monat ist er in Tölz und oft auch in der Produktion zu finden. Hier an der Schälmaschine mit Logistik-Chef Lorenz Riesch (li.) und Produktionsleiter Herbert Köhler.

Pachtvertrag verlängert

Die Firma SWL Tölz soll auf eigenen Füßen stehen

Bad Tölz – Große Erleichterung bei den rund 50 Mitarbeitern der Schonlau Werke Langenberg, in Tölz besser bekannt als SWL. Bei der Betriebsversammlung des Tischlerplatten-Spezialisten hat Geschäftsführer Bernd Schonlau am Mittwoch offiziell bekannt gegeben, dass man für den Standort Tölz einen zehnjährigen Pachtvertrag mit Grundeigner Hans Wehrmann von der Certina Holding in München abgeschlossen habe.

Der Vertrag gilt ab 1. Oktober. Nach Ablauf gibt es eine Option für zweimal fünf Jahre Verlängerung. „Endlich Klarheit über die Zukunft“, fasst Produktionsleiter Herbert Köhler die Meinung der Belegschaft zusammen. Das Durchschnittsalter ist 53 Jahre. Viele seien noch alte Moralt’ler. Für die bedeute der Pachtvertrag nach schweren Jahren mit viel Hin und Her ein Stück Zukunftssicherheit. Auch für die Stadt ist das gut, sagt Bürgermeister Josef Janker. SWL sei ein „wichtiges Unternehmen für Tölz“. Leider habe sich der frühere SWL-Partner Moralt nicht mit dem Grundeigner einigen können. Der tradiotionsreiche Türenhersteller ist wie berichtet inzwischen nach Hausham umgezogen.

Es seien indes „gute Verhandlungen“ mit Wehrmann gewesen, sagt Bernd Schonlau als Vertreter des westfälischen Familienbetriebs. Der Tischlerplatten-Spezialist SWL hat vier Werke in Deutschland, ein Tochterunternehmen in Rumänien und pflegt Kooperationen mit Partnerbetrieben etwa in Bulgarien, in der Ukraine und in Indonesien. Jahresumsatz: Rund 48 Millionen Euro.

Dass SWL noch ein echter Familienbetrieb ist, kann man auch am lockeren Betriebsklima und unkomplizierten Umgang der Mitarbeiter mit dem 36-jährigen Chef ablesen. Der Schalke-Fan muss sich auch in der Gesprächsrunde mit dem Tölzer Kurier einigen Spott seiner Führungsmannschaft anhören, beharrt aber gleichwohl stoisch darauf, dass sein Klub vergangenen Freitag gegen Bayern eine Chance gehabt hätte. Ernst werdend sagt Einkaufs- und Logistik-Chef Lorenz Riesch aber auch: „Ohne SWL gäbe es den Standort Tölz heute nicht mehr. Das ist Fakt.“

Der neue Pachtvertrag mit Wehrmanns Certina sieht vor, dass SWL sich aus dem Nordteil des insgesamt rund 8,6 Hektar großen Areals zurückzieht und komplett in den Süden geht. Das sind rund sechs Hektar. Zur Orientierung: Auf dem Nordteil ist der Eingangsbereich des einstigen Moraltgeländes mit dem alten Uhrenturm-Gebäude. SWL hat dort zum Beispiel noch Schlosserei, Elektrowerkstatt, Verwaltung und diverse Magazine. Bis Jahresbeginn 2018 soll der vollständige Umzug geschafft sein.

Durch die nun gegebene Planungssicherheit hat SWL ehrgeizige Ziele für den Standort Tölz. Bernd Schonlau: „Bisher ist Tölz nur Zulieferer für die Zentrale in Langenberg, wo die Produkte veredelt werden. Wir wollen den Standort aber in die Lage versetzen, dass er eigene Umsätze generiert.“

Damit Tölz auf eigenen Füßen stehen kann, wird investiert und maschinell aufgerüstet. Bereits gekauft, aber noch in Belgien lagernd ist eine 50 Meter lange Schälmaschine. Die kostet neu rund 2,5 Millionen Euro. Sie wurde gebraucht erworben, sei aber auf dem Stand der Technik, wie Schonlau versichert. Sie soll bis Mitte 2017 in Tölz aufgebaut sein und laufen. Mit ihr ist das Tölzer Werk in der Lage, auch Starkholz bis 1,20 Meter Durchmesser für die Furnierproduktion zu verarbeiten. „Ich glaube, dass wir mit dem Schälwerk ziemlich einzigartig in Deutschland dastehen werden“, sagt Schonlau, der gelernter Holz-Betriebswirt ist. Auch eine neue Entrindungsanlage sowie mittelfristig eine Trockenfurnier-Sortierlinie stehen auf der Agenda. Zudem soll das Süd-Gelände instandgesetzt werden.

Und was passiert mit den frei werdenden rund 2,6 Hektar Restflächen mit Gebäuden, die einst so authentisch und pittoresk wirkten, dass die legendäre TV-Kultserie „Irgendwie und sowieso“ bei Moralt gedreht wurde? Schonlau weiß keine Antwort und verweist auf Hans Wehrmann, den Chef der Certina Holding, die 2003 das komplette Areal für einen zweistelligen Millionenbetrag erworben hatte. „Wir können uns selbstverständlich Gewerbe vorstellen“, beantwortete Wehrmann gestern die Anfrage, ob hier, wie immer wieder mal zu hören ist, Wohnungen entstehen sollen oder man den Wünschen der Stadt nach Gewerbegrund entgegenkommt.

Bürgermeister Josef Janker bekräftigte das gestern noch einmal: „Das wird meines Erachtens ein Gewerbegebiet bleiben. Wir brauchen Gewerbeflächen.“Christoph Schnitzer

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