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Die Tölzer Marktstraße  sei die "meistbefahrene Fußgängerzone Deutschlands", sagt Stadtrat Michael Lindmair.

Diskussion im Bauausschuss

Radeln durch Tölz wird nicht einfacher

Bad Tölz - Radeln wird immer attraktiver. Klar, dass die Stadt im neuen Verkehrskonzept ein besonderes Augenmerk auf den nichtmotorisierten Verkehr legte. Fünf Vorschläge für den Ost-West-Verkehr hat sich der Bauausschuss angeschaut. Alle fielen durch.

140.000 Euro hat die Stadt in das 300 Seiten starke Gutachten investiert, das konkret 53 Verbesserungsvorschläge bringt. Fünf davon betreffen den Radverkehr auf der Ost-West-Tangente in Tölz. Eines der Hauptprobleme ist die Marktstraße, die nach den Worten Michael Lindmairs (FWG) „die meistbefahrene Fußgängerzone Deutschlands“ ist. Erlaubt sind weder Autos noch Radlfahrer. Viele halten sich nicht daran. „Und mit E-Bikes“, spottete Lindmair, „kommen jetzt auch die hinauf, die es früher nicht geschafft haben.“

Als Lösung empfiehlt der Verkehrsentwicklungsplan (VEP), so der exakte Titel, dass parallel zur Marktstraße im Schulgraben ein Radweg angelegt wird. Leider wäre dann hinter dem Kaufhaus Rid ein Radlaufzug nötig. Das sei, so Fürstberger, technisch aufwändig und teuer. Und schieben müsste man trotzdem – wie in der Marktstraße auch. Also keine Verbesserung. Tatsächlich könne man, wenn man einige Stufen überwinde, eigentlich über den Bürgergarten hinauf zum Schloßplatz radeln. „Das geht ganz gut“, sagte Vize-Bürgermeister Andreas Wiedemann.

Auch der Alternativ-Vorschlag im VEP fiel glatt durch bei den Räten. Ein abgetrennte Radspur in der Nockhergasse mit Ampel an der Engstelle Irlbeck-Haus – das sei aus vielen Gründen nicht realistisch, meinte Fürstberger. Eine Ampel würde den Verkehr von oben nach unten unverhältnismäßig blockieren und die Nockhergasse erheblich belasten. Statt der Ampel sei eine Radler-Passage im Irlbeck-Haus auch kaum machbar. Erstens handle es sich ein denkmalgeschütztes Haus. Zweitens ziehe der Eigentümer nicht mit.

Auch eine Teilöffnung der Marktstraße wird im VEP erwogen. Allerdings nur zu den Lieferzeiten. Dann würde sich aber das Problem stellen, so Fürstberger, ob man das Radfahren auch nachts zulässt. „Das ist dem Radler ja nicht klarzumachen, dass er ab 20 Uhr nicht mehr darf.“ Das alles werde zu einem Schilderwald führen, den gar keiner mehr beachtet. Immerhin vier Räte (Plöckl, Paintinger, Steigenberger und Grundhuber) hätten sich trotzdem damit anfreunden können – zu wenig.

Verbesserungsvorschlag 4: In der oberen Marktstraße und in der inneren Gaißacher Straße eine eigene Radspur ausweisen. „Bringt nicht viel“, meint das Bauamt, weil viele Autos dann auf den Markierungen parken und sie verdecken. Außerdem, so Fürstberger, „kommen die Radler jetzt auch durch“.

Überhaupt keine Zustimmung findet auch die Idee, die Peter-Freisl-Straße für den Radverkehr vollständig freizugeben. Während der Schule „ist da die Hölle los“, meinte der Bauamtsleiter. „Der Vorschlag ist nicht sachgerecht“.

Damit waren alle VEP-Vorschläge durchgefallen. Andrea Grundhuber (Grüne) fand das „ernüchternd“ und hätte sich mehr Offensive bei der Förderung des Radverkehrs gewünscht. „Wir können nicht zaubern“, antwortete Fürstberger, der einräumte, „dass wir keine funktionierende Ost-West-Verbindung für Radler haben“.

Immerhin das Problem der meistbefahrenen Fußgängerzone will die Stadt angehen. Mehr Kontrollen, wie sie Margot Kirste (FWG) anregte, sind zwar nicht möglich. Das dürfe nur die Polizei. Aber man könne sich mal die rund 150 Sondergenehmigungen für den Autoverkehr vornehmen, schlug Fürstberger vor. Die Apotheken-Lieferfahrten hielt er zum Beispiel für entbehrlich. „Wir werden Ihnen eine Liste machen.“

Christoph Schnitzer

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