Schnelle Leitungen: In sogenannten „Speedpipes“ werden die Glasfaserkabel eingezogen. kn

Breitbandausbau

Rasches Internet: Warum’s so langsam geht

Bad Tölz - Warum tut die Stadt nichts, damit das Internet in Tölz schneller wird? Einfache Frage, sehr schwierige Antwort. Der Versuch einer Erklärung.

In der Tölzer Bürgerversammlung forderte jüngst Helmut Schwarz „ein schnelleres Internet in Tölz“ und fragte nach, ob die Stadt in Sachen Glasfaserkabel mal was unternommen habe.

Hat man. Die Sache ist nur nicht so, dass man einfach aufgraben und eine schnelle Leitung verlegen kann, wie sich das Otto Normalverbraucher vorstellt. Solange es einen Wettbewerb gibt, verbietet das die EU. Das funktioniert, wie der City-Manager Falko Wiesenhütter am Donnerstag erneut im Kur- und Tourismusausschuss erläuterte, in Großstädten ganz gut. In der Fläche versagt der freie Markt aber, weil kein Netzbetreiber mehr tut, als er unbedingt muss.

Tölz ist ein Mischgebiet: Hier gibt’s sowohl die Telekom als auch „Vodafone Kabel Deutschland“, die eigene Netze verlegt haben und selbst betreiben oder weitervermieten. Beide benutzen unterschiedliche Techniken. Die Telekom ist mit ihrem bestehenden Telefonnetz wohl der unbestrittene Marktführer und bietet im Stadtgebiet Geschwindigkeiten zwischen 2 und 50 Megabit/Sekunde. Abhängig ist das vor allem von der Entfernung zum Tölzer Hauptverteiler-Punkt im ehemaligen Fernmeldeamt an der Kreuzung Hindenburg- und Wachterstraße. Grobe Faustregel: Je weiter man weg ist, desto langsamer wird das Internet.

„Vodafone Kabel Deutschland“ setzt auf eine vom Fernsehen kommende Netztechnik, die deutlich höhere Geschwindigkeiten zulässt, nämlich über 100 Mbit/s. „Die Mehrheit der Tölzer könnte, wenn sie wollte, wechseln“, sagt Wiesenhütter und spricht von „einer gewissen Trägheit“ der Kunden, die nicht so gerne den Netzanbieter wechseln. Auch spielten neben Schnelligkeit auch Preise, Service und Qualität eine Rolle. Außerdem ist „Vodafone“ nicht in jedem Straßenzug in Tölz vertreten. Im jungen Wohngebiet Akeleistraße (Griesfeld) hat der Konzern beim Bau kein Potenzial erkannt und deshalb keine Leitungen verlegt. Einziger Anbieter, wenn man nicht auf satellitengestützte Systeme ausweichen will: die Telekom.

Wie kann man das immer wichtiger werdende Internet in einer Stadt wie Tölz verbessern? Der Staat bietet das Instrument eines Förderverfahrens an. Aber nur dort, wo die 30 Mbit/s nicht erreicht werden und keine Konkurrenz herrscht, darf die Kommune nach einem komplizierten Antragsverfahren einsteigen. Das tut Tölz, etwa in den Ortsteilen Farchet und in Ellbach. In Ellbach hat die Telekom mit Landesmitteln und städtischen Zuschüssen ein Glasfaserkabel bis zum Dorf gelegt. Von dort aus geht’s mit konventionellen Kabeln weiter. Rund 30 Mbit/s dürften damit erreichbar sein.

Im Farchet ging die Stadt noch einen Schritt weiter. Dort wurde Glasfaserkabel bis in die Gebäude von 52 Unternehmen gelegt. Das ist ein Sprung von 5 auf 100 Mbit/s und „zukunftssicher“, freut sich Wiesenhütter. Im Herbst ist der Ausbau abgeschlossen.

Dass acht Parzellen im Südosten des Gewerbegebiets keine Topleitungen bekamen, zeigt die Schwäche des Systems überdeutlich. Auch dort, wo ein konkurrenzloser Netzanbieter auch nur beabsichtigt, etwas zu tun, darf eine Kommune nicht einschreiten. Leider ist am Friedhof ein Kabelverzweiger, der ins Farchet ausstrahlt. Dort darf deshalb die Stadt – das ist Gesetzeslage – nicht tätig werden.

Und doch geht was. Seit der bayerische Finanzminister Markus Söder die 50 Mbit/s als Ziel ausgerufen hat, hat sich das Instrument des Förderverfahrens tatsächlich vereinfacht. Auch Wohngebieten darf nun mit kommunaler Hilfe zu schnellerem Internet verholfen werden. Die Stadt hat deshalb gleich wieder ein Förderverfahren beantragt. Ziel: Wohngebieten wie der Akeleistraße, wo keinerlei Wettbewerb herrscht, zu schnelleren Internet-Leitungen zu verhelfen. Die Stadt wartet, so wurde es im Ausschuss vorgestellt, auf die Antworten der Telekom.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Meistgelesene Artikel

Gute Hinweise zu Überfall auf 85-Jährige

Lenggries – Die Kriminalpolizei Weilheim hat zum Überfall auf eine 85-jährige Frau in Lenggries einige Hinweise auf die Täter erhalten – „darunter ein, zwei gute“, …
Gute Hinweise zu Überfall auf 85-Jährige

Schneeflocken aus Licht: Heute wieder Illumination der Marktstraße

Schneeflocken aus Licht: Heute wieder Illumination der Marktstraße

Kommentare