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1600 Liter Kies passen in die Schaufel dieses Baggers. Acht Ladungen davon transportiert ein Laster in die Leitzinger Au. Die Lkw rollen alle paar Minuten an – und nach 50 Sekunden wieder ab. 

Hochwasserschutz

Schaufel für Schaufel: So funktioniert die große Baggeraktion in der Isar

Bad Tölz - Die Verlagerung des Isarkieses in die Leitzinger Au ist eine mühsame Operation – und nicht ohne Komplikationen.

Weil der Patient nicht stillhielt, kam es zu Komplikationen. Franz Rest kosteten sie acht Stunden.

Rest ist der Chefarzt der großen Operation, die die Isar derzeit über sich ergehen lassen muss. Rund 30 000 Kubikmeter Kies werden von der Tölzer Stadtmitte in die Leitzinger Au verfrachtet. Der Eingriff begann Anfang Oktober und dauert, wenn alles gut läuft, bis Mitte Dezember. Dieser regenreichen Tage rauschte eine Extraportion Wasser unter der Isarbrücke durch. „Uns hat’s den Weg weggespült“, berichtet Rest. Der Benediktbeurer Unternehmer setzte sich in seinen Bagger und legte den verschwundenen Teil der Transporttrasse für die Kieslaster neu an. Ein Tag mehr im Freilicht-OP-Saal für Rest, dessen Firma den Auftrag für die Hochwasserschutzmaßnahme erhalten hat.

Weil in der Leitzinger Au eine Wasserleitung kaputt ging, konnten seine Männer zuletzt eine ganze Woche nicht weiterschaufeln. „Und Leonhardi hat uns einen Tag gekostet“, sagt Rest, der aber beruhigt: „Wir liegen schon im Zeitplan.“ Stadtwerke-Chef Walter Huber ergänzt: „Es ist egal, wenn wir ein paar Wochen später fertig werden.“ Erst im März, wenn die ersten Vögel und Enten wieder brüten, dürfe nicht mehr gegraben werden.

100 000 Euro kostet die Tölzer Stadtwerke die Kiesverlagerung, die sie in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim alle zwei bis drei Jahre durchführen lassen. Vor dem Stausee verliert die Isar deutlich an Tempo, viel Gestein bleibt liegen. So viel, dass sich der Fluss bei Hochwasser zurückstauen und schlimmstenfalls Innenstadt überfluten könnte.

Um das zu verhindern, baggert Michael Geiger derzeit täglich von 6.30 Uhr bis 17.30 Uhr – mit einer halben Stunde Mittagspause. „Zu tief darf ich nicht kommen. Sonst erwisch’ ich eine Wasser- oder Gasleitung“, ruft er durch sein Baggerfenster. Der 22-Jährige gräbt bis zu 80 Zentimeter tiefe sogenannte Profile. Als Orientierung gilt das Jahrhunderthochwasser an Pfingsten 1999. „Das muss durchpassen“, erklärt Huber. Ein weiteres Ziel ist, die Fließrinne so anzulegen, dass die Isar den Kies später wieder selbst mitnimmt. Rest: „Das kann funktionieren, aber so ein Fluss ist unberechenbar.

So sehr, dass seine Leute schon auf einen Autoreifen und einen Gartenstuhl stießen. Rests Mitarbeiter Geiger ist einer von sechs, die den Schotter nicht nur rausholen, sondern auch wegbringen. 1600 Liter passen in seine Schaufel, acht Ladungen auf einen Lastwagen. Wenn Geiger nach etwa 50 Sekunden die Hupe drückt, beschleunigt der Laster. Es vergehen keine fünf Minuten, bis der nächste anrollt. Geiger lagert den Kies zum Trocknen auf langgezogenen Haufen. „Sonst haben wir das ganze Wasser auf dem Laster – und auf der Straße.“ Die Transportstrecke soll schließlich nicht über Nacht gefrieren.

Fünf Fahrzeuge sind unterwegs, „mehr würden sich in die Quere kommen“, sagt Rest. „Wir fahren im Kreis, damit wir uns nicht im Weg umgehen“, ergänzt Geiger. Die Lkw holpern am Parkhaus auf die Trasse und auf Höhe Fährhaus über den Wohnmobilparkplatz wieder runter. 20 Minuten braucht einer für eine Fuhre: Aufladen, Abfahren, Abladen. In der Leitzinger Au wird der Kies am Isarufer in gleichmäßigen länglichen Haufen aufgeschüttet. Miete heißt diese Lagerungsform. Rest: „So kann die Isar den Kies bei mehr Wasser wieder abtransportieren.“

Das Gestein, das in Tölz überflüssig ist, wird in der Leitzinger Au gebraucht. „Sonst gräbt sich der Fluss dort immer tiefer ein und könnte Uferteile mitreißen“, sagt Rest. Man versuche mit der Maßnahme auch, natürliche Automatismen, die durch Begradigungen oder Kraftwerk-Bauten verhindert werden, wieder anzukurbeln.

Aber ist die Großoperation nicht auch eine Gefahr für die Natur, speziell für Vögel und Fische? „Wir achten darauf, keine Wasserwege abzuschneiden“, antwortet Rest, der genaue Vorgaben bekommen hat: Eine acht bis zwölf Meter breite Kiesfläche zum Beispiel dürfe auf Parkhaushöhe nicht angetastet werden, damit ein Lebensraum für Flussregenpfeifer und Enten bleibt.

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