Prozess am Landgericht

Schwunghafter Handel mit Amphetaminen in Bad Tölz

Bad Tölz/München - Erster Prozesstag am Münchner Landgericht: Drei Männer sollen große Mengen an Drogen in Tölz gekauft und verkauft haben.

Bad Tölz/München – Es war ein wahrer Drogensumpf, der letztes Jahr in Bad Tölz ausgehoben wurde. Hauptperson ist ein berufsloser Tölzer (27), der in rauen Mengen Drogen aus Holland nach Bad Tölz brachte und verkaufte. Das Landgericht München II verurteilte ihn im April zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten – und ordnete seine Unterbringung in der Entziehungsanstalt an. Der Tölzer hat sieben weitere Verfahren losgetreten. Drei davon werden seit gestern verhandelt. Auf der Anklagebank sitzen ein Lagerarbeiter (27), ein Schweißer (28) und ein Medientechniker (42).

Dem Lagerarbeiter wird vorgeworfen, von Oktober 2014 bis Dezember 2015 im Raum Tölz einen schwunghaften Handel mit Betäubungsmitteln betrieben zu haben. Die Staatsanwaltschaft listet zehn detaillierte Punkte auf. So soll er bei dem bereits verurteilten 27-Jährigen zum Beispiel die stolze Menge von insgesamt 2,5 Kilo Amphetamin gekauft haben, um sie weiter zu verkaufen. Auch mit Marihuana, Haschisch, Kokain, Heroin und Ecstasy-Tabletten sei gedealt worden. Der Lagerarbeiter will sich laut Verteidiger erst im Oktober dazu äußern. Am selben Tag, an dem der bereits verurteilte Mann als Zeuge aussagen muss.

Der Medientechniker will prinzipiell auch zu den Vorwürfen aussagen, allerdings erst später, wenn ihn sein Wunsch-Verteidiger vertreten kann; derzeit hat er einen Pflichtverteidiger. Laut Anklage soll er dem bereits verurteilten Tölzer Marihuana und Ecstasy-Tabletten verkauft und bei ihm ein Kilo Amphetamingemisch zum Preis von 2500 Euro bestellt haben. Wegen der Festnahme seines Geschäftspartners sei es allerdings nicht zur Übergabe gekommen.

Der Schweißer dagegen, dem ein schwunghafter Handel zwischen September 2014 und Dezember 2015 angelastet wird, sagte bereits am ersten Prozesstag aus. Er legte ein Teilgeständnis ab. Mit dem Gericht ging er die vier detailliert beschriebenen Punkte der Anklage durch. Den berufslosen Tölzer kenne er „vom Furtgehen“, sagte er. „Tölz ist ein kleines Dorf.“

Den Vorwurf, er habe bei ihm vor zwei Jahren 100 Gramm Amphetamin gekauft, gab er teilweise zu. Es seien nur 60 Gramm gewesen. Davon habe er zehn selbst konsumiert und 50 an zwei Männer weiterverkauft, die er in einer Tölzer Disco kennengelernt habe. „Ich wollte eigentlich nur meinen Konsum finanzieren.“ Er habe wegen seines großen Drogenkonsums Geldprobleme gehabt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm auch vor, dass er dem Dealer, der vor zwei Jahren über zehn Kilo Amphetamin verfügte, seine Wohnung in Tölz als Bunker zur Verfügung gestellt habe. „Das stimmt nicht ganz“, erklärte der Schweißer. Der Bekannte sei mit einem Rucksack vorbei gekommen und fragte, ob er ihn dalassen könne. „Ich habe erst am nächsten Tag erfahren, dass Amphetamin drin war.“ Da habe er dem Bekannten gesagt, dass er nicht so große Mengen an Drogen in der Wohnung haben wolle.

Es sei richtig, dass er ihm dann 1,5 Kilo Amphetamin abgekauft habe. „Er sagte, er habe soviel. Ob ich nicht was haben wolle.“ Er räumte auch ein, Ende März 2015 seine Wohnung als Lager für 450 Gramm Amphetamin zur Verfügung gestellt zu haben. 50 Gramm davon erhielt er unentgeltlich.

Ebenfalls gab er zu, dass er von einem weiteren Spezl aus der Drogenszene vier Mal vier Gramm Marihuana für den Eigenkonsum kaufte. Er habe selbst gemerkt, dass ihm das Ganze über den Kopf wachse, sagte der Schweißer vor Gericht. Er sei nach München gezogen, „um wegzukommen“. Seit 1. Dezember 2015 sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess ist bis November anberaumt. 

Rubriklistenbild: © dpa

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