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Ein Freiwilliges Soziales Jahr in den Gaißacher Oberland-Werkstätten haben (v. li.) Sebastian Grubner (20), Barbara Herl (17) und Antonio Carucci (17) begonnen. Betriebsleiterin Carolin König (re.) hätte auch mehr Bewerber eingestellt. Die Geretsrieder Oberland-Werkstätten haben niemanden gefunden.

Sozialdienste

Freiwillige sind rar, aber motiviert

Bad Tölz-Wolfratshausen - Zu wenige junge Leute melden sich für den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Daran hat sich auch heuer nichts geändert.

Die Analyse von Anton Gerner vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) ist unmissverständlich: „Nach wie vor ist es nicht einfach, Freiwillige zu finden, die sich engagieren wollen“, sagt er. Nach dem Wegfall der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes sollten eigentlich die so genannten Bufdis und FSJler einspringen. Aber das funktioniert nur bedingt. „Wir haben unsere fünf Plätze gerade so besetzen können“, sagt Gerner. Und das, obwohl das BRK heuer schon früh aktiv wurde: „Wenn wir nicht Anfang des Jahres in Zeitungen und auf Facebook intensiv Werbung gemacht hätten, hätten wir wohl gar keinen bekommen“, sagt Gerner.

Diejenigen, die sich auf das Freiwillige Soziale Jahr einlassen, profitieren laut Gerner in vielerlei Hinsicht. Zum einen menschlich, indem sie lernen, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Zum anderen finden sie oft Orientierung für ihre Berufswahl. „Und manchmal machen sie auch noch den Führerschein für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, wenn sie als Fahrer eingesetzt wurden“, sagt Gerner. Das koste das BRK dann schnell 4000 bis 5000 Euro pro Freiwilligem. „Es ist ein Nullsummenspiel.“ Gewinn dürfe das BRK aber ohnehin keinen machen.

In den Oberland-Werkstätten in Gaißach haben vier FSJler begonnen. Theoretisch wäre Platz für mehr gewesen, sagt Betriebsleiterin Carolin König. „Aber das Kontingent bei unserem Vertragspartner, dem Lebenshilfe-Landesverband, war erschöpft.“ Im vergangenen FSJ-Jahr sei nur eine Frau als Freiwillige tätig gewesen. „Wir mussten mit 450-Euro-Kräften kompensieren und nicht ganz so wichtige Tätigkeiten hintanstellen.“ Durch den Zivildienst habe es früher mehr Freiwillige gegeben, sagt König. Aber da sie verpflichtet waren, waren sie manchmal nicht recht motiviert.

Auch die Oberlandwerkstätten Geretsried hatten Plätze ausgeschrieben. „Wir haben dieses Jahr aber leider niemanden gefunden“, berichtet Betriebsleiterin Dietlinde Schorch. Bereits in den vergangenen Jahren hatte es immer weniger Bewerber gegeben. Schorch vermutet, dass viele Jugendliche lieber scheinbar attraktivere Angebote in Sportvereinen oder im Ausland wahrnehmen würden. Besonders, seit die Stellen für Zivildienstleistende abgeschafft wurden, seien die Bewerberzahlen rückläufig. Der Betrieb in den Werkstätten ist dadurch nicht gefährdet: „Die FSJ-Kräfte wären lediglich eine schöne Ergänzung.“

Die Geretsrieder Flüchtlingshilfe möchte ebenfalls bald einen FSJler engagieren. Laut Suzan Jarrar gibt es bereits Interessenten für den Posten. Genaueres könne die Asylhelfer-Koordinatorin momentan aber noch nicht sagen.

Eine, die jetzt in den Bundesfreiwilligendienst beim BRK startet, ist Veronika Jaud (18). „Ich habe gemerkt, dass ich gerne Menschen helfe“, sagt die Ellbacherin. „Ich möchte mir ein Jahr lang anschauen, ob mir das auch beruflich liegen würde.“ Jaud hat Erfahrung, sie engagiert sich in der örtlichen Feuerwehr. Im Juni hat sie ihr Fachabitur im technischen Zweig abgelegt. „Ich hab’ dann ein bisschen gepokert“, gibt sie zu. Hätte es mit der Bewerbung als Bufdi nicht geklappt, hätte sie ein Studium begonnen. Jaud weiß schon, was sie erwartet: „In der ersten Zeit werde ich Fahrdienste machen, also beispielsweise Leute zum Arzt bringen.“ Später gebe es die Option, in den Rettungsdienst reinzuschnuppern. Dafür möchte sie gerne auch den passenden Führerschein machen.

mel/dst

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