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Temperamentvoller Kraftmensch: Pfarrer Rainer Maria Schießler.

Auftritt in Kirche Heilige Familie

Star-Pfarrer Schießler: „Sünden-Schablonen gibt es nicht“

Bad Tölz - Als Rainer Maria Schießler am Mittwochabend in Bad Tölz auftrat, war der Publikumsandrang so groß, dass die rund 300 Zuhörer aus Platzmangel vom Pfarrheim Heilige Familie ins Gotteshaus übersiedeln mussten.

Er ist Pfarrer in München, Bedienung auf dem Oktoberfest, 1860-Fan, Buchautor und Biker: Als Rainer Maria Schießler am Mittwochabend in Bad Tölz auftrat, war der Publikumsandrang so groß, dass die rund 300 Zuhörer aus Platzmangel vom Pfarrheim Heilige Familie ins Gotteshaus übersiedeln mussten.

„Der Titel meines Buchs – ,Himmel, Herrgott, Sakrament‘ – könnte falsch aufgefasst werden“, sagte Schießler. „Ein Sakrament ist eine gottesdienstliche Handlung und kein Fluch.“ Er berichtete, dass sein Vater mit 13 Jahren ins Gefängnis kam, weil er sich wegen seines katholischen Glaubens weigerte, in die Hitlerjugend einzutreten. Die Mutter, eine Nazi-Jüngerin, zeigte ihren Sohn damals an. „Und mit 15 Jahren musste er in den Krieg ziehen. Danach stand er mit nichts da. Solche Menschen fluchen nicht. Bei uns zu Hause wurde nie geflucht, und ich fluche auch nicht.“

Der 1960 Geborene lebte mit seinen Eltern und dem Bruder auf 56 Quadratmetern im Münchner Westen. „Werte wie Sparsamkeit und Fleiß, ehrliche Zufriedenheit und Achtsamkeit im Umgang mit den Gütern des Lebens, Hochachtung vor dem Leben waren die Mitgift meiner Eltern. Ihr einfacher und tiefer Glaube hat mich geprägt.“ In seinem feinen alten Stadtdialekt erklärt er weiter: „Sakramente muasst spürn, Liturgie derf ned wehdoa, und d’Leit muassd mögn.“

Der temperamentvolle Kraftmensch sprach viele Reizthemen an. Geschiedene, die seien für ihn per se keine Sünder. „Sünden-Schablonen gibt es nicht.“ Die Begründung fürs Zölibat, dass damit Zeit für die Gemeinde frei werde, entkräftete er. „Rufen Sie mal am Freitagnachmittag im Pfarrbüro an – da erreichst du niemanden, Zölibat hin oder her.“ Zunächst müsse man die Kirche füllen, dann könne man predigen. „Da darf man kein theologischer Fuzzi sein, der mit seiner liturgischen Sprache nicht verstanden wird.“

Zwischen harten Thesen, Erzählungen über den Seligen Otto Neurura, der im KZ zu Tode gefoltert wurde, folgte immer mal wieder ein saftiger Scherz, der an die Grenzen dessen stieß, was man außerhalb von Wirtshäusern gerne hört. Das ist das Stilmittel des Pfarrers: Schweres leicht zu verpacken.

Auch aus seiner Kirchengemeinde treten Menschen aus, wie der prominente Pfarrer einräumte. Denen rufe er dann persönlich an „Red’ ma drüber.“ 

Sandra Freudenberg

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