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Symbolbild

40 Tage ohne

Fastenzeit mit Kinofilmen und ohne Plastik

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Der Fasching ist vorbei, jetzt beginnt die Fastenzeit. Diese dient im kirchlichen Sinn der Vorbereitung auf Ostern, dem Fest der Auferstehung. 40 Tage „ohne“, als Zeichen für Buße und Besinnung. Doch worauf kommt es dabei wirklich an?

„Großes Herz – Sieben Wochen ohne Enge“ heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche dieses Jahr. „Wir sollen über die Enge des Herzens hinwegkommen“, erklärt der Tölzer Pfarrer Dr. Urs Espeel das Motto. Es gehe beim Fasten eben nicht nur um Askese und den äußeren Verzicht auf etwas, sondern darum, die Wahrnehmung zu stärken und sich zu fragen, wo man die Prioritäten setzt. Statt Diät geht es also um den Verzicht aufs ständige „Weiterkommen. „Wenn man zulässt, etwas nicht unter dem Aspekt der Effizienz zu betrachten – was würde sichtbar werden?“ fragt Espeel.

In eine ähnliche Richtung geht es in punkto Fasten auch für den Gaißacher Pfarrer Ludwig Scheiel. „Fastenzeit ist eine Zeit des Nachdenkens und Überlegens: Was sind meine Grundwerte, was ist mir wichtig?“ Man solle schließlich Gott näher kommen, um dann an Ostern die Auferstehung Jesu zu feiern. Über reine Äußerlichkeiten sei dies nicht zu erreichen. „Viele wollen abnehmen, weil der Sommerurlaub naht oder weniger rauchen wegen der Gesundheit.“ Dennoch sei für viele Menschen der Verzicht auf Liebgewonnenes ein probates Mittel, die Fastenzeit zu gestalten: „Äußerer Verzicht verändert und bewegt die Lebensabläufe, regt zum Nachdenken an.“

Einen äußeren Verzicht für sinnvoll hält auch der Tölzer Kaplan Andreas Spöttl, denn „wir sind ja alle keine vergeistigten Engelchen“. Es solle für den ganzen Menschen nachvollziehbar sein, was es bedeutet zu fasten, und da gehöre für ihn beides zusammen. Sich von eingefahrenen Gewohnheiten zu befreien, öffne den Blick auf das Wesentliche. Spöttl bietet außerdem sogenannte Filmexerzitien an. Ab 20. Februar gibt es jeden Samstag im alten Pfarrsaal Filme zur „Barmherzigkeit“, dem Motto der katholischen Kirche in diesem Jahr. Interessanterweise wird auch der Tarantino-Klassiker „Pulp Fiction“ gezeigt, ein Film, in dem es um zwei Auftragskiller geht. Einer davon bemüht gerne Bibelzitate, die allerdings mit Rache und Vergeltung zu tun haben. „Hier könnnen wir uns die Frage stellen: Was tun wir mit den Bibelstellen, wo Gott nicht barmherzig ist?“ erklärt Spöttl.

Schwester Josefa Thusbaß von den Missionsdominikanerinnen in Schlehdorf hält äußeren Verzicht in der Fastenzeit für unabdingbar: „Ich muss äußerlich gestalten, sonst geht innerlich nichts voran.“ Man müsse sich bewusst werden, „dass man sich immer verändern kann“. Das sei der wichtigste Bestandteil der Fastenzeit. „Ich selbst will versuchen, weniger zu essen. Es geht mir aber nicht um das Hungern, sondern darum, sich nicht zu übersättigen, was in unserer heutigen Gesellschaft ja viel zu oft der Fall ist. Ein Zurückschrauben bringt da oft Prozesse in Gang.“

Eine etwas andere Art des Fastens bietet heuer das Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern an: Die „Aktion Plastik-Fasten“. Den Gedanken dahinter erklärt Doris Linke von der ZUK- Umweltjugendbildung: „Wir wollen ein Auge auf unser Konsumverhalten werfen und versuchen, in der Fastenzeit so wenig Plastik wie möglich zu verschwenden.“

Dieses ungewöhnliche Gemeinschaftsfasten ist gedacht für Familien, aber natürlich auch für andere Interessierte. Nicht immer so einfach, gerade beim Einkauf. „Oft muss man sich gegen das selbstverständliche Einpacken geradezu wehren.“

Plastik-Fasten

Tipps zum Plastiksparen gibt es bei der Auftaktveranstaltung der ZUK-Aktion am Samstag, 13. Februar, um 15 Uhr im Maierhof. Wer mitmachen möchte, sollte sich bis 12. Februar unter der Telefonnummer 0 88 57/8 87 59 anmelden.  

Ines Gokus

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