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Im Auftrag der Telekom waren Verkäufer in Ellbach unterwegs und verärgerten zahlreiche Anwohner.

Streit um Telekom-Kundenbetreung

Ärger an Ellbacher Haustüren

Bad Tölz - Internet-Verkäufer ziehen im Auftrag der Telekom in Ellbach von Haus zu Haus – und viel Ärger auf sich. Ein Tölzer Händler distanziert sich von den Vorfällen. Die Düsseldorfer Vertreter-Firma spricht von Rufschädigung.

Das schnelle Internet ist in Ellbach angekommen. Dank VDSL-Leitung können die Dorfbewohner nun mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde surfen. Wer bei der Telekom ist – wie die meisten in Ellbach – muss dafür den bestehenden Vertrag ändern lassen. Und genau hier beginnt der Ärger.

Als Thomas Hörmann neulich die Haustür öffnete, standen da eine Frau und ein Mann, Hörmann schätzt sie auf 25 Jahre. Ihr Angebot: Schnelleres Netz zum billigeren Preis. Für den Ellbacher steht fest: „Das ist eine Drückerkolonne, die alte Leute verunsichert.“ Zu diesem Schluss kommt Hörmann, weil es am Vortag nicht nur bei seinen Eltern an der Tür geklingelt hatte. Vertreter der „Ranger Marketing & Vertriebs GmbH“ grasten vor einigen Tagen alle Telekom-Haushalte in Ellbach ab. Die Düsseldorfer Firma agiert seit 2004 als bundesweiter Vertriebspartner im Auftrag der Telekom. Ihre Aufgabe: Bestandskundenbetreuung im Außendienst. Oder: Haustürgeschäfte auf Provisionsbasis.

Damit erklärt sich Michael Teltscher das seiner Meinung nach „aufdringliche Auftreten“ der Ranger-Mitarbeiter in seinem Heimatdorf. „Die machen Druck und werden schnell pampig“, sagt er. Teltscher erfuhr von den Haustürgeschäften zunächst am Telefon: „Ich wurde zigfach angerufen, ob ich diese Leute geschickt hätte, um die Anschlüsse umzustellen.“ Zusammen mit Bruder Markus bietet er in seinem Tölzer Geschäft Telekom-Produkte an. Im Sinne ihres Unternehmergeists bringen die Teltschers Telefonie und Internet in Michaels Wohnort, verteilen dort immer wieder mal Flyer.

Haustürgeschäfte sind ihnen als Händler mit eingetragenem Laden untersagt. Michael Teltscher hatte an den besagten Tagen trotzdem das Bedürfnis, bei seinen Nachbarn vorstellig zu werden. „Ich musste ja erklären, dass wir mit dieser Aktion überhaupt nichts zu tun haben. Wir distanzieren uns davon“, sagt er. Einer Frau hätte man gesagt, sie würde ihre Nummer verlieren, wenn sie den Vertrag nicht unterschreibe.

Als Teltscher in der Wohnung einer älteren Dame eine ihm zufolge „klare Falschberatung durch die Ranger“ aufklären wollte, kam es seiner Schilderung nach zum Eklat: Die Ranger-Mitarbeiter hätten ihm „aufgelauert, Sturm geläutet“ und ihn anschließend der illegalen Haustürgeschäfte bezichtigt. Daraufhin habe sich Teltscher am Telefon „aufs Übelste und in Fäkalsprache“ von einem Ranger-Vorgesetzten beschimpfen lassen müssen. So erklärt Teltscher die Geschehnisse auch in einem Beschwerdebrief, den er an seine direkten Telekom-Vorgesetzten in München schickte. Auf eine Antwort wartet er noch.

Bei dem Ranger-Vorgesetzten, der Teltscher angeblich beschimpfte, handelt es sich um den Inhaber der Handelsvertretung in Augsburg, Labinot Vllasaliu. „Die Probleme haben erst angefangen, als Herr Teltscher dort aufgetreten ist“, berichtet er. „Natürlich hat er als Einheimischer mehr Einfluss auf die Leute. Aber es gibt keinen Gebietsschutz, es geht um das Kundeninteresse und nicht um territoriale Ansprüche. Das gilt umgekehrt natürlich auch bei mir in Augsburg. Ich kann auch nicht sagen ,hier mache nur ich die Geschäfte‘.“ Seine Mitarbeiter würden niemanden zur Unterschrift zwingen, sie seien mit Ausweis, Reisegewerbekarte und Autorisierungsschreiben unterwegs – und so leicht als seriöser Vertrieb zu erkennen.

Der Ellbacher Thomas Hörmann hatte allerdings sogar eine Anzeige erwogen, weil die Vertriebsmitarbeiter vor Ort seiner 82-jährigen Mutter kein schnelleres Internet haben anbieten wollen. „Das ist diskriminierend.“ Vllasaliu sagt, seine Leute seien angewiesen, von Menschen über 80 Jahren keine Anträge an der Tür entgegenzunehmen, sondern diese an die Telekom oder ihre Händler zu verweisen. Dies sei zur reinen Sicherheit von älteren Kunden, die oft noch überlegen oder Rücksprache mit Verwandten halten möchten.

Die vielen Beschwerden über die Firma Ranger, die seit Jahren in den Internet-Foren kursieren, würden bei Vllasaliu nicht ankommen. „Wir führen nach jedem Abschluss zusätzlich Quality-Calls durch, um zu erfahren, ob alle Informationen bekannt sind und der Kunde mit Produkt und Beratung zufrieden war.“ Die Anrufe erreichen allerdings nur die, die einen Vertrag unterschrieben haben.

In der Telekom-Zentrale sieht man das Thema gelassener: „Der Direktvertrieb im Außendienst ist für uns wichtig. Viele Kunden begrüßen den für sie damit verbundenen geringeren Aufwand“, schreibt Pressesprecher Hubertus Kischkewitz auf Anfrage. Externe Partner wie Ranger würden das Image der Telekom prägen, weshalb man deren Arbeit genau beobachte und eigens Verhaltensregeln aufgestellt habe. Durch die Ausstattung mit „Original-Materialien“ wolle man sich „von den schwarzen Schafen in der Branche abgrenzen“. Konkreten Beschwerden gehe man sofort nach.     Tobias Gmach

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