Blick in die Tölzer Pfarrkirche Mitte der 1860er-Jahre: Der Maler Gustav Seeberger hat die schöne steingraue Erstfassung des neuen Hochaltars im Gemälde festgehalten. Repro: cs

Tölzer Stadtpfarrkirche

Die Gotik hält Einzug

Bad Tölz - Städtischer wollte man werden, nicht mehr gar so provinziell wirken, als in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts die Tölzer Pfarrkirche grundlegend umgestaltet wurde. 

Einer der wichtigsten Schritte dabei war der Einbau des neugotischen Hochaltars, der fast auf den Tag genau vor 150 Jahren, am 11. November 1866, vom Leonhardi-Erneuerer Joseph Pfaffenberger geweiht wurde. Er gab dem Gotteshaus ein völlig neues Gesicht. Der Bayerische Kurier berichtete damals: „Von den Balustraden des Musikchors bis zum Hauptaltar ist die ganze Einrichtung neu und höchst geschmackvoll im gothischen Style ausgeführt.“

Ein eindrucksvolles Gemälde des Architekturmalers Gustav Seeberger vermittelt einen guten Eindruck des Kircheninneren um jene Zeit. Der Hochaltar war damals steinweiß gefasst. Bei der ersten Kirchenrenovierung 1906 wurde er rot bemalt. 1958 erhielt er eine ockerfarbene Fassung, die den Eindruck einer goldenen Monstranz erwecken sollte. Gelungen ist das nur teilweise. Erst bei der 2008 abgeschlossenen großen Innenrenovierung wurden die stark dämpfenden Lasuren entfernt und der glänzende und strahlende Charakter des 14 Meter hohen Hochaltars hergestellt.

Er weist zwei Besonderheiten auf: zum einen die Altarkrippe hinter dem aufklappbaren Himmelfahrtsbild von Max Huber. Die Figuren stammen zum Teil vom großen Tölzer Bildhauer Anton Fröhlich (1770-1841). Kein Geringerer als der Münchner Hoftheatermaler Simon Quaglio (1795-1878) arbeitete an den Kulissen. Eine Seltenheit ist zudem die Darstellung der Dreifaltigkeit in drei Personen in einer Nische ganz oben. Der Heilige Geist wird gewöhnlich nur als Taube dargestellt.

Neugotik wird heutzutage eher skeptisch beäugt. Das sagt auch Claus Janßen, der einer der besten Kenner der Tölzer Stadtpfarrkirche ist. Aber der Tölzer Hochaltar sei von der Qualität her so gut, dass ihm das Schicksal vieler anderer neugotischer Altäre erspart blieb. Auch Stadtpfarrer Peter Demmelmair hält den Altar für stimmig und schön. „Das ist gute Neugotik.“ Dieser Altar mache auch einen großen Teil des Charmes der Tölzer Stadtpfarrkirche aus.

Viel neugotisches Kircheninterieur wurde in der Sturm- und-Drang-Zeit der 1960er-Jahre kurzerhand wieder entfernt. Auch in Tölz wurde 1976 intensiv darüber diskutiert, ob der neugotische Turm – der zweite Meilenstein bei der Umgestaltung – wieder durch den früheren behäbigen Satteldachturm ersetzt werden soll. Das unterblieb glücklicherweise, sind sich die meisten Tölzer heute einig. In Freising, erzählt Claus Janßen, trauerte man dem zerstörten neugotischen Altar so hinterher, dass man schließlich ein Foto auf eine riesige Lamellenjalousie ätzte, die man dann in den allzu leeren Chorraum hängte. 

Christoph Schnitzer

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