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Das gemeinsame Friedensgebet – hier ein Foto aus dem vergangenen Jahr – verbindet in Tölz die Konfessionen. 

500 Jahre Reformation

Lichtgestalt und Kanzeltausch

Bad Tölz - 2017 werden 500 Jahre Reformation gefeiert. Auch die evangelischen Kirchengemeinden im Südlandkreis haben interessante Veranstaltungen geplant. Es gibt Vorträge, Konzerte und sogar einen Kanzeltausch. Die Ökumene-Bilanz fällt dagegen vorsichtig-zurückhaltend aus

Hat die Reformation vor 500 Jahren in Tölz eine Rolle gespielt? Hat sie durchaus. Eine Apollonia Heigl sollte 1576 verhaftet werden, weil sie bei ihrer „halsstärrig ungöttlichen Meinung“ blieb und dem lutherischen Glauben nicht abschwor. Die Witwe des ehemaligen Tölzer Bürgermeisters – auch er lutherisch – musste schließlich auswandern, um ihren Glauben leben zu können. Das ist lange her. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es in Isarwinkel und Loisachtal evangelisch-lutherische Gemeinden mit eigenen Gotteshäusern. In Tölz stiftete sogar ein leibhaftiger Kaiser (Wilhelm I.) 1000 Goldmark zum Bau des Gotteshauses. Das war 1880. 

Erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil trat die Ökumene in den Mittelpunkt, das Bemühen, die Gemeinsamkeiten, nicht das Trennende der Konfessionen zu betonen. In Tölz gibt es heute gemeinsame Friedensgebete, Silvestergottesdienste und Pfarrfeste. Diese Pflöcke wurden früher eingeschlagen. „Im Grunde geht’s aber nicht mehr recht vorwärts“, sagt Dekan Martin Steinbach, ohne anklagend zu sein. Die katholischen Kollegen hätten in ihren Pfarrverbänden einfach oft eine hohe Arbeitsbelastung. „Da steht das Thema Ökumene nicht obenan.“

Er erinnert sich aber gerne an katholische Pfarrer wie den 2013 verstorbenen Rainer Dorner, der mit vielen Zeichen und Gesten gezeigt habe, wie sehr ihm Ökumene am Herzen lag. Etwa, als er zum Reformationsfest die evangelischen Seelsorger mit Rosen überraschte. Steinbach hat das nie vergessen. Dorner sei eine „ökumenische Lichtgestalt“ gewesen. Aber, sagt Steinbach selbstkritisch, vielleicht müsse er sich, was ökumenische Initiativen betrifft, „auch bei der eigenen Nase packen“.

Der Tölzer Pfarrer Urs Espeel hat zwei Vortragsreihen zum Thema 500 Jahre Reformation konzipiert und sogar einen eigenen, im Pfarrhof erhältlichen Flyer herausgebracht. Er selbst wird sich am 21. Februar mit dem Phänomen des Politischen in der Reformation befassen. Was Reformation und Bier gemeinsam haben, Reinheit und Klarheit nämlich, untersucht Martin Steinbach in seinem auch humorvoll angelegten Referat am 20. März. Noch nicht terminiert, aber ausgemacht sind nach Espeels Worten Vorträge unter dem Motto „Der Blick von außen“ im zweiten Teil der Reihe. Etwa mit dem Tölzer Pfarrer der Altkatholiken, Peter Priller, und dem Tölzer Stadtpfarrer Peter Demmelmair zum Thema „Mariologie“. Vielleicht, sagt Espeel, könne er auch noch einen Vertreter der Freikirchen gewinnen. 

Gemeindefahrten nach Schmalkalden und Coburg sowie Regensburg wird die evangelische Gemeinde Kochel im Luther-Jahr anbieten. Es wird Vortragsabende im Bonhoeffer-Haus Benediktbeuern geben und als besonderen Höhepunkt, wie Pfarrerin Antonia Janßen sagt, sogar einen Kanzeltausch mit dem katholischen Pfarrer Pater Heiner Heim. Ein Wunsch von Pfarrerin Janßen: „Vielleicht können wir zum Reformationsfest 2017 (31. Oktober) unsere neue Orgel einweihen.“ 

Das Reformationsjahr wird in der Lenggrieser Kirchengemeinde schon heuer (6. November) mit einem Orgelkonzert „eingeläutet“, berichtet Pfarrer Stefan Huber. Es werde im Luther-Jahr regelmäßige Konzerte und Themengottesdienste sowie Kinder-Bibeltage geben. Sind die beiden Konfessionen in einer Gemeinde wie Lenggries auf Augenhöhe? Stefan Huber erlebt immer wieder „den Wunsch, ja manchmal sogar Hunger nach Ökumene“ und berichtet von vielen „fruchtbaren Begegnungen auf der untersten Ebene“. Er hat ein Anliegen zum Jubiläumsjahr: „Es wäre wunderschön, wenn wir mal einen ökumenischen Gottesdienst feiern könnten“. Es gelte nämlich im Lutherjahr nicht nur an 500 Jahre Trennung zu denken, sondern auch an das Verbindende.

Christoph Schnitzer

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