+

Anfrage aus dem Landtag

Nur 19 geförderte Wohnungen in zehn Jahren

Bad Tölz-Wolfratshausen - In den vergangen zehn Jahren ist in Sachen geförderter Mietwohnraum im Landkreis kaum etwas passiert. Das kritisiert Landtagsabgeordneter Florian von Brunn (SPD). Tatsächlich wurde wenig gebaut, doch das ändert sich gerade.

Bürger, die im Raum Bad Tölz-Wolfratshausen eine bezahlbare Wohnung suchen, tun sich schwer. Vor allem an Orten mit öffentlicher Verkehrsanbindung herrscht Wohnungsnot. Das hört Florian von Brunn immer wieder. „Ein mittleres Einkommen reicht teilweise gar nicht mehr, um die Mieten zu bezahlen“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. „In den letzten zehn Jahren hat die Staatsregierung kaum Mietwohnungen gefördert. Die CSU lässt die Mieter schlichtweg im Regen stehen“, kritisiert von Brunn. Aus einer Anfrage des Abgeordneten geht hervor, dass der Freistaat seit 2006 1784 Quadratmeter Mietwohnfläche im Landkreis gefördert hat. „Wenn man die durchschnittliche Wohnungsgröße in Bayern von 93,5 Quadratmetern zugrunde legt, dann waren es landkreisweit in Bad Tölz-Wolfratshausen gerade einmal 19 neue Wohnungen, die in den letzten zehn Jahren gefördert wurden“, sagt von Brunn.

Das zuständige Staatsministerium rechtfertigt diese Zahl damit, dass sie die Projekte nicht selbst in Auftrag gibt. „Die staatliche Mietwohnraumförderung des Bayerischen Wohnungsbauprogramms richtet sich insbesondere an kommunale und sonstige Wohnungsunternehmen, Wohnungsgenossenschaften sowie private Investoren“, sagt Kathrin Fändrich, stellvertretende Pressesprecherin, auf Nachfrage.

Isarwinkler Genossenschaft baut auch ohne Förderung

Die Wohnungsbaugenossenschaft Isarwinkel hat in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich keine Förderungen in Anspruch genommen, aber trotzdem 15 Wohnungen gebaut. „Wir haben sie frei finanziert, weil wir dann nicht in der Vergabe der Wohnungen eingeschränkt sind“, erklärt Vorstandsvorsitzender Gustav Straubinger. Dem Vorwurf, dass der Freistaat in den vergangenen zehn Jahren untätig war, will Straubinger nicht zustimmen. „Bayern ist im bundesweiten Vergleich federführend. Es stehen viele Förderungen zur Verfügung.“

So sieht das auch Maria Haubner von der Baugenossenschaft Lenggries. „Die für Sozialwohnungen von der Regierung angebotenen Darlehen und Konditionen sind gut“, sagt sie. Doch durch die derzeitige Zinslage sei das Bauen auch möglich, ohne öffentliche Gelder in Anspruch zu nehmen. Was allerdings fehlt, um neuen Wohnraum zu schaffen, seien in erster Linie die Grundstücke, sagt Haubner.

Auch die Wohnungsbaugenossenschaft Isarwinkel kann nur noch bauen, indem sie bestehende Grundstücke verdichtet. „Hier sollte man auf die Kommunen einwirken, dass sie Grundstücke günstiger zur Verfügung stellen“, so Straubinger. Außerdem sorgen die baurechtlichen Vorschriften wie Energieeinsparung, Feuerschutz und Stellplatzverordnung für immer höhere Kosten. „Da bewegt sich zum Beispiel München unendlich auf die Baugenossenschaften zu“, sagt Straubinger. Hier wünsche er sich Druck von den Landtagsabgeordneten. Denn: „Die Nachfrage ist da.“

48 Wohnungen sind in Tölz geplant

Mit seiner Anfrage will Florian von Brunn öffentlich machen, wie wenig passiert ist, sagt er. „Ich glaube, die Staatsregierung hat die Mieter aus dem Blick verloren.“ Allerdings wurde im Oktober 2015 der Wohnungspakt Bayern zwischen Staat, Gemeinden, Kirchen und Wohnungswirtschaft beschlossen, durch den neue Projekte angestoßen wurden. „Davon profitiert auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen“, sagt Sprecherin Fändrich. Heuer seien 53 Mietwohnungen eingeplant und nächstes Jahr 104. Im kommunalen Wohnraumförderungsprogramm seien außerdem 54 in Vorbereitung. Dementsprechend greift die Stadt Bad Tölz 18 neue Wohnungen an der Osterleite und 30 auf der Flinthöhe an. Außerdem will die Stadt mit dem Entwicklungskonzept zukunftsorientierte Bodennutzung (ZoBoN) bei großem Bauland ein Drittel kauft und beispielswiese für sozialen Wohnungsbau nutzen. Allerdings räumt Bürgermeister Josef Janker ein, dass die Prioritäten in den vergangen zehn Jahren woanders lagen. „Wir haben die Schulen saniert und den Sportplatz gebaut. Man kann nicht alles auf einmal machen“, sagt er. Die Diskussion um eine vermeintliche Wohnungsnot ärgere ihn oft. „Wir haben 18 Obdachlose, das hat aber einen ganz anderen Hintergrund.“ Alle anderen hätten eine Wohnung. „Nur nicht die Wunschwohnung.“ Aber das, so Janker, sei auch gar nicht möglich. „Das wäre volkswirtschaftlicher Unfug, denn dann hätten wir auch großen Leerstand.“

Die Stadt Geretsried betreibt seit Langem erstmals wieder sozialen Wohnungsbau. „In den letzten Jahren hätte man sicher mehr machen können“, sagt Bürgermeister Michael Müller. Allerdings sei das für Investoren einfach nicht interessant gewesen. „Es klafft eine Lücke, die wir unbedingt schließen müssen. Es wird immer schwerer für Normalsterbilche, bezahlbaren Wohnraum zu finden.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Mittwochabend

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Mittwochabend

Familienschmuck landet versehentlich auf Flohmarkt

Schlehdorf/Murnau - Auf dem Murnauer Flohmarkt ist der Schmuck einer Schlehdorfer Familie gelandet. Aus Versehen. Nun hofft sie auf die Ehrlichkeit des Käufers. Denn mit …
Familienschmuck landet versehentlich auf Flohmarkt

Telekom tauscht Antennen aus

Bad Tölz - Einige T-Mobile-Kunden auf der Tölzer Flinthöhe haben in diesen Tagen Probleme mit dem Telefonieren beziehungsweise Surfen im Internet.
Telekom tauscht Antennen aus

Kommentare