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Radfahren in der Tölzer Marktstraße ist verboten. Das hält viele aber nicht davon ab. 2012 gab es für einige Wochen eine versuchsweise Öffnung für Radler. Der Probebetrieb wurde aber wieder beendet. 

Tölzer Marktstraße

Nur die rasenden Radler sind ein Problem

Bad Tölz - Das Pflaster der Tölzer Marktstraße ist umkämpft: Fußgänger fühlen sich durch die Radler gefährdet, die dort verbotenerweise unterwegs sind. Für Radler ist das Verbot nicht nachvollziehbar. Der Stadtrat soll sich noch einmal mit einer zeitweisen Öffnung der Marktstraße befassen.

Radfahren ist in der Marktstraße verboten. Das Problem: Die Weitläufigkeit der Straße lädt zum Durchfahren ein, und der Königssee-Radweg führt durch die Fußgängerzone. Längst nicht alle Radfahrer steigen daher in der guten Stube der Stadt ab.

Problematisch ist das vor allem an den Engstellen. Eine davon ist zwischen Eisdiele Garda und dem Restaurant „Bei Enzo“. Hier stehen sich die Tische und Stühle der beiden Gaststätten gegenüber. Dazwischen bleibt nur wenig Platz. „Wenn wir Essen oder Getränke auf Tabletts raustragen, pesen die Radfahrer direkt an uns vorbei“, sagt Donato Caggiano, Mitarbeiter im Restaurant Enzo. Er fordert mehr Kontrollen durch die Polizei in der Fußgängerzone. Auch um die Kinder der Gäste sorgt er sich. „Die kommen manchmal alleine von der Eisdiele drüben rüber“, so Caggiano – und liefen Gefahr von einem Radfahrer angefahren zu werden.

Ivan Martin sieht das genauso. Der Inhaber der „Gelateria Garda“ klagt: „Besonders die Jungs fahren da runter wie Rennfahrer.“ Seine Gäste seien oft entsetzt. „Wenn die Radfahrer an die Situation angepasst fahren würden, wäre es okay“, sagt Martin. Schritttempo könne er tolerieren. Gerd Albrecht trinkt gerade seinen Kaffee in der Eisdiele und klinkt sich ins Gespräch ein. Mehr Kontrollen fände er auch gut. „Ich erinnere mich noch an früher, da gab es in der Marktstraße einen Polizisten mit einer Pfeife, der die Radfahrer anhielt“, erzählt der 79-Jährige.

„Für einen eigens in der Marktstraße abgestellten Beamten hat die Tölzer Polizei keine Kapazitäten mehr“, sagt Josef Mayr. „Wir kontrollieren schon immer wieder, aber wir können die Raser ja auch nicht festhalten, wenn die runterheizen“, erklärt der Hauptkommissar. Er sei nur froh, dass durch die Weitläufigkeit der Marktstraße bisher nichts passiert sei.

Vorbildlich verhält sich Erika Meier (64). Sie schiebt ihr Rad durch die Markstraße. „Ich hab’s zwar auch eilig, aber ich schiebe, weil es einfach nicht gut ist zu fahren, zum Beispiel wegen der herumlaufenden Kinder.“ Sie habe darüber auch schon mit ihren Freundinnen diskutiert, „und wir sind alle der Meinung, dass man schieben muss“. Der 13-jährige Bub, der gerade mit seinem Radl am Tengelmann hält, sieht das anders. „Ich fände es besser, wenn das Radfahren erlaubt wäre – so lange man langsam fährt.“

Dass vor allem das Rasen ein Problem ist, räumt Grünen-Ortsvorsitzender Andreas Wild ein. Ihn ärgert aber, „dass Radfahren in der Marktstraße nicht einmal vor und nach den Ladenöffnungszeiten zulässig ist“. Pendlern und Schülern müsse erlaubt sein, durch die Marktstraße zum Bahnhof oder zur Schule zu fahren. „Da wird argumentiert, dass der Zulieferverkehr eine Gefährdung darstellt. Dass ein Kind auf dem Weg vom Badeteil zur Jahnschule durch den Straßenverkehr gefährdet ist, ist scheinbar nicht relevant,“ so Wild.

Auch Camilla Plöckl ist mit der jetzigen Lage nicht zufrieden. „Ich bin viel unterwegs und gucke, wie das in anderen Gemeinden läuft“, sagt die SPD-Stadträtin und Sprecherin des Arbeitskreises Radeln. „Es ist nicht unklug, die Durchfahrt während der Lieferzeiten zu öffnen“, ergänzt sie. Dass sei gut für die Schüler. Plöckl: „Wir werden das im Winter noch einmal besprechen. Für mich ist das Thema im Stadtrat noch lange nicht ausdiskutiert.“ Nora Linnerud

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