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Recycling der anderen Art: Aus leeren Getränkedosen lässt sich eine Wand bauen, wie Gudrun Jäger demonstriert.

Recyceltes als Baustoff

Tölzerin baut in Spanien ein Haus aus Müll

Bad Tölz - In einem Haus, erbaut aus Recycling-Materialien, wohnt in Spanien die Tölzerin Gudrun Jäger – ohne fließendes Wasser, ohne Strom aus der Steckdose. Trotzdem erfüllt sie das Leben dort mit großer Zufriedenheit.

„Bayerische Staatsbeamtin stöbert in spanischen Müllhalden.“ So stellt sich Gudrun Jäger die Überschrift des Artikels über ihr jetziges Leben in Spanien vor. Und tatsächlich: Die Gymnasiallehrerin im Ruhestand verbringt viel Zeit mit der Suche nach Recycling-Material. Sie braucht es für ihr Projekt „Zero Unlimited“. Im Hinterland der Costa Blanca in Ostspanien baut sie – salopp gesagt – ein Haus aus Müll.

Trautes heim: Idyllisch wohnt Gudrun Jäger in der Nähe der Costa Blanca. 

„Die Grundidee war, ein ,Earth Ship‘ zu bauen“, sagt die Tölzerin, die früher am Gymnasium Geretsried unterrichtete. Ein „Earth Ship“ – zu Deutsch: Erdschiff – ist ein autark funktionierendes, also sich selbst versorgendes Haus aus Recycling-Material. Der amerikanische Architekt Michael Reynolds entwickelte diese Bauweise in den 1970er-Jahren. Als Materialien verwendete der Architekt Autoreifen, Dosen und Alt-Glas. Gudrun Jäger verbaut auf ihrem Grundstück auch PET-Flaschen und Sperrmüll vom Straßenrand. „Ein Recycling der anderen Art“ nennt sie das. Denn so etwas wie ein Pfandsystem gebe es in Spanien nicht.

„Die Bauphase ging 2012 los“, berichtet die 66-Jährige. Damals sei ihre Tochter zusammen mit einer Gruppe Isarwinkler Burschen und Mädchen zur „Grund-Reifen-Legung“ gekommen. „Die haben die erste Mauer aus Reifen hochgezogen, die mit verdichteter Erde gefüllt wurde.“ Damals waren die Hänge und Terrassen des Grundstücks noch überwuchert, die Mandel- und Olivenbäume nicht nutzbar und das Gelände bis auf eine Holzhütte unbebaut. Inzwischen haben sich zwischen Kräuter- und Gemüsebeeten zur Holzhütte und zum – nun verputzten – Reifenhaus eine Außenküche, zwei Toiletten, ein aus Dosen gemauertes Vorzelt für einen Wohnwagen und ein blumenumranktes Dusch-Häuschen gesellt.

Gib Gummi: Gudrun Jäger (2.v.li.), ihr Lebensgefährte Miguel Ángel Ordonez Henao und freiwillige Helfer benutzten auch alte Autoreifen als Baustoff.

„Nichts auf diesem Gelände kann man vorplanen, alles wächst organisch“, sagt Jäger. „Durch Sonne und Regen verändert und entwickelt sich alles.“ Dadurch kam auch der Name für das Projekt zustande: „Zero Unlimited“ – übersetzt in etwa: „Null grenzenlos“. „Ich war selbst oft am Nullpunkt, weil durch Regen oder Sturm alles weggeschwemmt oder weggerissen wurde. Dabei habe ich gemerkt, dass mir an diesem Punkt immer wieder alle Wege offen stehen.“

Jägers Traum ist ein unabhängiges Leben nah an der Natur. Morgens nach dem Aufstehen holt sie erst einmal kaltes Wasser aus der Zisterne und füllt es in große Flaschen um, die mittels Sonnenenergie über den Tag erwärmt werden. „Für die warme Dusche am Abend. Das Duschwasser fließt dann wieder in die Blumenbeete.

Tagsüber hämmern, mauern und verschönern Jäger, ihr Lebensgefährte und immer wieder Freiwillige aus aller Herren Länder das Grundstück. Einen Stromanschluss, fließendes Wasser oder Internet gibt es in der kargen Bergregion nicht. Mittels Solarpanel und portablem Modem ermöglicht sich Jäger aber zumindest das E-Mail-Schreiben – um Kontakt nach Deutschland zu halten, wo sie weiterhin eine Zirkusschule betreibt.

Die innere Ruhe, die sie in ihrem recycelten Kleinod spürt, will sie weitergeben: „Die Menschen sollen hierherkommen, wenn sie in diesem einfachen Leben Erfahrung sammeln und in der Einfachheit, Stille und Natur wieder zu sich finden wollen.“ Dazu gibt es immer gute Gespräche zum Thema: „Was brauche ich wirklich?“

Nora Linnerud

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