Selbstbildnis mit alter Voigtländer-Kamera: Der Fotograf Roland Haderlein, der im Alter von 57 Jahren gestorben ist.

Nachruf

Trauer um Fotograf Roland Haderlein

Bad Tölz/Wackersberg - Er war ein Maler mit der Kamera. Der Fotograf Roland Haderlein ist im Alter von 57 Jahren gestorben.

Bad Tölz/Wackersberg –Obwohl der Kurier damals keinen Bedarf an Fotografen hatte, zögerte Redaktionsleiter Gregor Dorfmeister beim Blick auf die Bilder keine Sekunde. Natürlich wollte er die haben. Gute Fotos lehnt man nicht ab. Und Roland Haderlein war ein guter Fotograf. Vielleicht der beste, den der Südlandkreis je hervorgebracht hat. Wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag ist der Oberfischbacher nach schwerer Krankheit gestorben.

Der beste Fotograf? Das Urteil ist wohlbegründet. Der gebürtige Tölzer war eigentlich gelernter Croupier in der Spielbank Bad Wiessee. Wer es einmal erlebt hat, war beeindruckt, wie er in sich ruhte und seine Arbeit am Spieltisch als unbeteiligter, aber scharfer Beobachter souverän und unaufgeregt ausübte. So war er auch als Fotograf. Unfälle hat der Autodidakt so gut wie nie mehr für den Tölzer Kurier fotografiert. Dafür hat er den Alltag, das Leben im Südlandkreis im Bild festgehalten, gemalt muss man eigentlich sagen. Es waren durchkomponierte Gemälde, die das Geschehen nicht nur auf den Punkt brachten, sondern beim Betrachter immer auch unbewusste Assoziationen, Aha-Erlebnisse und, wenn’s sein musste, Lerneffekte auslösten. Unvergessen das Bild von der vom Sockel gestürzten Brückenmadonna von Wolfratshausen. Der Kamerablick ist seitwärts von unten auf Mutter und Kind gerichtet. Die Skulptur rückt fast zwangsläufig in den Hintergrund. Man schaut nur auf das Händchen des Jesukindes, das in eine strahlende Sonne hineindeutet. Auf die Rückseite des Bildes schrieb Haderlein trocken: „Kunst entsteht im Auge des Betrachters.“

Schwarz-Weiß-Bilder schießen und technisch vollkommen zu entwickeln und auszuarbeiten, war seine Passion. „Farbe lenkt ab“, pflegte er zu sagen. Wer seine Fotos in den Büchern über die Leonhardifahrt, die Stadt Bad Tölz und die Stadtpfarrkirche kennt, weiß aber, dass er mühelos auch Farbe konnte. Den 1001 Möglichkeiten der Digitalfotografie stand er zunächst skeptisch gegenüber. „Raum und Tiefe eines Dias erreicht ein Digi-Bild nicht.“ Schließlich machte sich Haderlein auch die neue Technik, anders kann man das nicht sagen, untertan. Auch die Hightech-Kamera blieb in seinen Händen immer nur bloßes Werkzeug. Entscheidend war das Bild, das er im Kopf trug.

Was ihn am meisten auszeichnete, war – neben dem Blick fürs Motiv und die ungewöhnliche Perspektive – der Umgang mit den Menschen. Haderlein besaß die ganz seltene Gabe, sie so zu fotografieren, wie sie sind. Ganz natürlich, ohne Verstellung und mit offenem Blick. Als er vor einem Jahr in einem etwas abgelegenen Kloster in Myanmar eine Gruppe buddhistischer Mönche ablichten wollte, wurde er zunächst streng zurecht- und abgewiesen. Haderlein, der seinem Können stets vertraut hat und sich selten einschüchtern ließ, zeigte dem Ältesten seine bereits gemachten Bilder. Die Fotoserie, die daraufhin mit Einwilligung aller Mönche entstand, wäre eine eigene Ausstellung wert.

Bleiben die Berge zu nennen, zu denen sich der verheiratete Vater eines Sohnes ein Leben hingezogen fühlte. Der frühere Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher, hat Berge einmal als „schweigende Lehrer“ bezeichnet. Roland Haderlein war nicht besonders religiös, aber seine Bilder von der Erhabenheit und Größe der Karwendel- oder Dolomiten-Gipfel hatten fast schon Andächtiges an sich und ließen tief in den gewöhnlich eher schweigsamen Beobachter Roland Haderlein blicken. Da hat einer genau hingehört, was die Berge zu sagen haben. Diese besonderen Antennen werden fehlen, und der Mensch auch.

Christoph Schnitzer

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