Gut 5.000 Besucher waren im Moraltpark

Trucker-Treffen in Bad Tölz: Einfach "saugeil"

Bad Tölz - Rund 70 000 PS und gut 5000 Besucher – das erste Oberland Trucker-Treffen am Wochenende im Tölzer Moraltpark war ein voller Erfolg. Ob es eine Neuauflage gibt, ist trotzdem noch unklar.

Da soll noch einer sagen, Trucker seien eher schmuddelige Typen, die nichts von Sauberkeit halten: In viele der 172 Zugmaschinen, die am Wochenende im Tölzer Moraltpark zu bestaunen waren, durften die Besucher nur einen Blick werfen, sie aber nicht mit Straßenschuhen betreten. Schließlich sollten die Führerhäuschen, die mit ihren eleganten Lederbezügen und den heimeligen Schlafkojen eher an Mini-Wohnzimmer erinnerten, nicht schmutzig werden. Die meisten Brummi-Fahrer hatten sogar extra Hausschuhe für ihre „Schätzchen“ dabei.

So wie Johann Melmer aus Imst, Spitzname Giovanni. „Wir sind eben alle ein bisschen verrückt“, sagt der Österreicher mit einem liebevollen Seitenblick auf seinen 600 PS-Truck, den kunstvolle Airbrushings aus dem Pitztal zieren, zum Beispiel eine Marketenderin. Für den Lkw-Fahrer gibt es nichts Schöneres, als auf Tour zu gehen, gerne auch mal zu Trucker-Treffen in England, Holland oder Belgien. „Das ist ein geiles Gefühl, besser als Sex“, findet Melmer.

So weit würden Franz und Uschi Schmatz aus Schwabmünchen zwar nicht gehen. Doch auch das Ehepaar ist schwer begeistert von den Zugmaschinen, die Namen wie „Black Pearl“, „Caesars Palace“, „Madmax“ oder „Black Bastard“ tragen. „Wahnsinn, einfach einmalig“, sagt Franz Schmatz, macht ein Foto nach dem anderen und streicht bewundern über das blitzblank polierte Führerhaus von Melmer. Schmatz war selbst Berufskraftfahrer. „Ich bin allerdings nur 7,5-Tonner gefahren.“ Was genau seine Faszination für die PS-starken Brummis ausmacht, kann Schmatz gar nicht so genau definieren. „Auf jeden Fall die Größe und die kunstvollen Gemälde“, hilft ihm Gattin Uschi, die die Leidenschaft ihres Mannes teilt. „Wäre ich 20 oder 30 Jahre jünger, würde ich heute einen Lkw-Führerschein machen“, schwärmt die 74-Jährige.

Diese Möglichkeit haben sicherlich etliche der geschätzt 5000 Besucher nach einem Rundgang über den Tölzer Festplatz in Betracht gezogen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Stephanie Hörmann, die die Großveranstaltung zusammen mit Peter Frech, Andreas „Andal“ Schubert und Schorsch Schneemann organisiert hat. Die Stimmung sei super gewesen, vor allem am Abend, als alle Lkw-Fahrer ihre Lichter angeschaltet hätten. „Das war einfach mal was ganz anderes und ist bei den Leuten richtig gut angekommen.“

Lediglich die fehlenden Parkplätze waren erneut ein Problem, vor allem für den „Rewe“-Supermarkt. Laut Peter Frech beklagten die Verantwortlichen fehlende Umsätze, weil die Kunden nirgendwo einen Parkplatz gefunden hätten und deshalb lieber woanders einkaufen gegangen seien. Zusammen mit Hörmann will sich der „Jailhouse“-Wirt nun überlegen, ob und in welchem Umfang er im kommenden Jahr erneut solche Großveranstaltungen wie das „Summer Village“ oder das Trucker-Treffen veranstalten will.

Timo Scheufler jedenfalls würde sich freuen, wenn es 2017 eine Neuauflage des Trucker-Treffens geben würde. Der Marburger Transportunternehmer hat drei seiner elf „Schätzchen“ mit nach Bad Tölz gebracht – 530 Kilometer Anfahrt, die Scheufler und sein Spezl Marko Kaiser mindestens genauso genossen haben wie das Fachsimpeln mit Gleichgesinnten, die bewundernden Blicke der Besucher und die beiden warmen Spätsommertage auf dem Festplatz mit Live-Musik, gutem Essen und Trinken. „Wenn der Chrom das Sonnenlicht auf die Straße reflektiert – das ist unbeschreiblich“, schwärmt Kaiser und Scheufler nickt zustimmend. „Wir leben und lieben unseren Beruf“, betont der Unternehmer, der sich auf Kühltransporte spezialisiert hat,

Entsprechend viel Zeit investiert Scheufler in seine Lkw-Flotte. Allein zwei bis dreimal pro Woche wird jeder Brummi gewaschen, poliert, abgeledert und versiegelt. Da ist man schnell bei vier bis fünf Stunden Arbeit. „Dafür muss man schon ein bisschen verstrahlt sein“, gibt Scheufler zu und grinst. Nicht umsonst steht auf den „Bullenfängern“ an der Front der aufgemotzten Trucks: „Völlig sinnlos, aber saugeil“.

Trucker-Treffen im Tölzer Moraltpark

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