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Fast fertig: An der Wilhelmstraße ziehen bald die ersten Bewohner in den Wohnkomplex „Pure“ ein.

Neubauten im Badeteil

„Über Architektur lässt sich streiten“

Bad Tölz - Die modernen Bauten an einer Stelle, wo einst zwei geschichtsträchtige Kurbetriebe standen, taugen zu einem weiteren Symbol für den Wandel des Tölzer Badeteils: An der Wilhelmstraße ziehen bald die ersten Bewohner in den Wohnkomplex „Pure“ ein.

Ein markantes Bauprojekt in Bad Tölz steht kurz vor der Fertigstellung. In eine der fünf neuen Parkvillen an der Wilhelmstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum ehemaligen Alpamare, könnten noch vor Weihnachten die ersten Bewohner einziehen. Das Badeteil verändert mit den mehrgeschossigen Wohnhäusern abermals sein Gesicht in Richtung moderner Architektur. Bauträger und Bürgermeister sehen darin eine Chance.

„Pure“: Unter diesem Namen vermarktet die Firma Klaus Wohnbau die Immobilien. Von den 45 Wohnungen seien aktuell noch vier zu haben, erklärt Geschäftsführer Manfred Ruhdorfer. Bei den bisherigen Käufern handele es sich „nicht durchwegs, aber doch zu einem großen Anteil“ um Menschen der „Generation 60 plus“. Viele von ihnen kämen aus dem Münchner Süden, „zum Teil auch von weiter her“, so Ruhdorfer. „Wir haben auch 5er-Postleitzahlen dabei“, erklärt er – und meint damit Kunden aus Nordrhein-Westfalen. „Das sind Menschen, die Tölz im Urlaub lieb gewonnen haben und jetzt ganz hierherziehen.“

Gerade die Käufergruppe im fortgeschrittenen Alter, die vorher oft im eigenen Haus wohnte, ziehe meist eine Wohnung in den oberen Stockwerken vor – zumal diese alle „stufenlos“ erreichbar seien. Übrig seien nun Erdgeschosswohnungen „mit riesiger Holzterrasse“ und Garten, wie sie klassischerweise für Familien attraktiv sind. „Für junge Tölzer Familien sind diese Wohnungen leider in der Regel nicht erschwinglich“, räumt Ruhdorfer ein. Der Quadratmeterpreis liege um die 4500 Euro, jede Wohnung sei etwa 100 bis 110 Quadratmeter groß. Inklusive der zwei dazugehörigen Tiefgaragenstellplätze komme da eine Summe zusammen, „für die eine Familie mit Nachbarschaftshilfe auch ein kleines Reihenhaus bauen kann“.

Kritik, Wohnbauprojekte wie „Pure“ würden zu einer Überalterung der Stadt beitragen, hält Ruhdorfer nicht für angemessen. „Wenn heute ein 60-Jähriger nach Bad Tölz zieht, ist das noch kein Alter. Dann kann er der Stadt noch eine Menge geben.“ Und wenn eine Klientel mit Kaufkraft zuziehe, dann könne das für den örtlichen Einzelhandel und die Gastronomie „nur gut sein“.

Ebenfalls noch zu haben sind drei Gewerbeeinheiten, nutzbar als Praxen oder Büros. „Die Zielgruppen, Ärzte und freie Berufe, mieten tendenziell eher“, sagt Ruhdorfer – und führt als Argument pro Kauf die aktuelle Niedrigzins-Phase ins Feld.

Auf Vorbehalte stößt bei manchen Tölzern die moderne Architektur der Häuser – gerade im Vergleich zu den 2014 abgerissenen traditionsreichen ehemaligen Kurbetrieben, die an dieser Stelle standen, dem Hotel Hiedl und dem Haus Otto. „Wenn man das Hotel Hiedl angeschaut hat, hat man gesehen, dass das eine Bauruine war“, sagt Ruhdorfer dazu. „In fünf Jahren wäre das Dach eingefallen. Was also ist die bessere Alternative?“ Zudem ist er überzeugt: „Je mehr man sieht, wie die Häuser aussehen, desto mehr Lob ernten wir. Die Diskussion ist eigentlich verstummt.“ Wenn im Badeteil „moderner, hochwertiger Wohnraum“ entstehe, dann sei das „für Bad Tölz eine große Chance“.

Das sieht Bürgermeister Josef Janker ähnlich. „Über Architektur lässt sich genauso trefflich streiten wie über Kunst“, sagt er. Natürlich müssten sich viele Menschen erst einmal an den neuen Anblick gewöhnen – gerade im Vergleich zur ehemaligen Bebauung. Mit der Zeit werde man die Häuser aber sicher mit anderen Augen sehen. Janker führt als Vergleich die „Fontavia“-Villen im Herderpark an. Die seien auch oft kritisiert worden. „Aber sie haben einen Architekturpreis gewonnen. So schlecht kann die Architektur also nicht sein.“

Ihm selbst gefallen die Häuser an der Wilhelmstraße „als urbanes Bauen“, sagt Janker. Der städtische Stil passe gut nach Tölz als städtische Umgebung. Und dass eine Stadt „dem Wandel unterworfen“ sei, sei auch ganz normal. „Wenn man keine Veränderung zulässt, dann wird daraus ganz schnell ein Rückschritt.“

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