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Der Bichler Hof liegt auf einer Anhähe hinter der Buchbergklinik.

Umstrittenes Bauprojekt

Viele Fragen um Bichler Hof

Bad Tölz – Das Projekt „Bichler Hof“ habe „keinen Einfluss auf den Inhalt der ZoBon“ gehabt. Das versuchte Bürgermeister Josef Janker am Montag bei einem Infoabend im „Kolberbräu“ klarzustellen. Bei den rund 30 Bürgern, die der Einladung gefolgt waren, blieben offenbar dennoch Vorbehalte.

Zum Hintergrund: Für den Fall einer Umwandlung von Grün- in Bauland hat sich die Stadt mit der „Zukunftsorientierten Bodennutzung“ (ZoBon) selbst Regeln auferlegt. Der Grundbesitzer soll der Stadt dann ein Drittel des Grunds zum Grünlandpreis verkaufen, damit die öffentliche Hand dort die Infrastruktur verbessern oder sozialen Wohnungsbau betreiben kann. Erstmals kommt die „ZoBon“ nun bei einem Vorhaben von Hubert Hörmann und seiner Familie zur Anwendung. Sie will den „Bichler Hof“ auf einer Anhöhe hinter der Buchbergklinik zu einem 80-Betten-Hotel sanieren. Zur Querfinanzierung möchte Hörmann 18 Doppelhaushälften unterhalb des Hofs errichten.

Die Stadt ist bereit, das nötige Baurecht zu schaffen. Doch auf den Grundankauf verzichtet sie. Das ist laut „ZoBon“ möglich, falls das Bauprojekt einem anderweitigen „städtebaulichen Ziel“ dient. Und das sei beim „Bichler Hof“ durch das Hotel gegeben, so Janker: „Das liegt im vitalen Interesse der Stadt.“

Nun stellen sich aber einige Bürger die Frage, ob die Ausnahmeregelung eigens auf Hörmanns Projekt zugeschnitten wurde. Dies wollte Janker mit einer Chronologie der Ereignisse entkräften. Ab dem Frühjahr 2015 habe eine Arbeitsgruppe (AG) aus den Stadträten Jürgen Renner (SPD), Michael Lindmair (FWG), Franz Mayer (Grüne) und Ludwig Janker (CSU) sowie Bauamtsleiter Christian Fürstberger die „ZoBon“ ausgearbeitet. Die finale Fassung – die nun auch die Ausnahme-Regel enthielt – legte Fürstberger den AG-Mitgliedern am 28. Dezember 2015 vor. Sie stimmten zu, und der Stadtrat beschloss die „ZoBon“ am 26. Januar – „ohne Widerspruch oder Ergänzung“, so Josef Janker.

Das Projekt „Bichler Hof“ war in der Zwischenzeit insofern bekannt, als Hörmann die drei Bürgermeister und die Stadtverwaltung bei einem Ortstermin über seine Hotelpläne am Bichler Hof informiert hatte. Der Tölzer Kurier berichtete tags darauf, dass Hörmann das Areal von Eon gekauft hatte und sich dort eine Hotel-Nutzung vorstellen könne.

Im „ZoBon“-Arbeitskreis „ist das Thema Bichler Hof laut den Mitgliedern aber nicht thematisiert und diskutiert worden“, sagte Josef Janker. Eine offizielle Anfrage Hörmanns, sein Hotelprojekt mit Wohnbebauung querzufinanzieren, sei dann im Februar bei der Stadt eingegangen und den Stadträten bei einer Klausurtagung im Mai vorgestellt worden.

Franz Mayer, der in der AG mitarbeitete, betonte am Montag, er habe im Dezember 2015 nichts von den Wohnbauplänen Hörmanns gewusst. „Ich hätte der neuen Variante der ZoBon so niemals zugestimmt“, sagte Mayer. Er sei davon ausgegangen, dass die Ausnahme nur dann zum Tragen komme, wenn die Stadt kein Geld habe oder anderweitig „soziale Zwecke“ verwirklicht würden – aber nicht für einen Hotelbau. Die „Stadtspitze“ und namentlich Bürgermeister Josef Janker dagegen hätten sehr wohl Hörmanns Projekt „im Hinterkopf“ gehabt.

Mayer plädierte dafür, dass die Stadt dennoch auf den Kauf eines Teils der Fläche besteht, um dort „Familien, die nicht ganz so betucht sind“, das Bauen zu ermöglichen. Dies schloss Janker kategorisch aus. Es liege bereits ein Stadtratsbeschluss vor. Außerdem könne man nicht Variante 1 und 2 der „ZoBon“ gleichzeitig anwenden.

Zuhörer Thomas Höder bezweifelte, dass die Sanierung des Bichler Hofs tatsächlich so viel koste, dass dafür der ganze Gewinn aus dem Verkauf von 18 Doppelhaushälften benötigt werde. „Der Bauwerber sagt, dass der Erlös aus den Häusern nur die Grundfinanzierung für das Hotel wäre und er den Rest privat finanziert“, antwortete Janker.

„Wie sicher ist es, dass das Hotel auch gebaut wird?“, fragte Waltraud Haase. „Nur wenn hinreichend sicher ist, dass das Hotel gebaut wird, darf er auch die Wohnhäuser bauen“, versicherte Christian Fürstberger.

Diana Meßmer, Mitarbeiterin beim Bund Naturschutz, beklagte, dass „ein schöner Außenbereich zugebaut wird, den wohl auch die Hotelgäste gern genießen würden“. „Warum muss es gerade diese Wiese sein?“, fragte Anselm von Huene. „Gibt es nicht auch Grundstücke im innerstädtischen Bereich?“ Die Fläche am Bichler Hof gehöre dem Bauwerber nun einmal, antwortete Janker.

Melchior Sappl erntete Beifall, als er forderte, „die von der Topografie her schöne Situation unbedingt freizuhalten“. Wenn erst Wohnhäuser dort stünden, „werden sich andere Dinge entwickeln. Man macht sich da für die Zukunft viel kaputt.“

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