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Klarer Fall: An der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen ist der Gehweg für Radfahrer freigegeben. Sie können ganz nach dem eigenen Geschmack den Radweg benutzen – oder auf der Straße bleiben.

Aufreger im sozialen Netzwerk Facebook

Radeln auf der B11: Darf das sein?

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Benutzung von Radwegen ist ein heikles Thema. Das zeigt die Reaktion auf einen Facebook-Post

„Liebe Radrennfahrer. Wenn es an der Seite einen Radweg gibt und ihr nicht Lance Armstrong seid, dann verschwindet von der Bundesstraße.“ Die Resonanz auf diesen kleinen sechszeiligen Appell auf der Facebook-Seite des Geretsrieder Merkur ist gewaltig. 389 Mal wurde er kommentiert, 773 Mal geteilt. Und 3609 „Gefällt mir“-Angaben gibt es auch nicht alle Tage. Eine Umfrage bei Behörden und Radsportlern im Landkreis bestätigt den Eindruck: Die Benutzung von Radwegen ist ein heikles Thema.

Georg Fischhaber, Straßenverkehrs-Chef im Landratsamt, findet klare Worte, wenn es um das „Verkehrszeichen 240“ geht: „Für diese Radwege gilt eine Benutzungspflicht. Ob es Radfahrern gefällt oder nicht.“ So seien beispielsweise die Radwege zum Sylvensteinspeicher, zwischen Eurasburg und Beuerberg sowie zwischen Wolfratshausen und Egling in einem „perfekten Zustand“ und damit auch für Rennradfahrer problemlos nutzbar.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Etwas anders sei die Situation innerorts, räumt Fischhaber ein: „Wir sind gerade dabei, an einigen Stellen die Nutzungspflicht zu überprüfen.“ Gefährlich können beispielsweise Radwege sein, die von Ausfahrten gekreuzt werden. Manche Radwege erfüllen auch nicht die baulichen Mindest-Anforderungen: „Wenn eine Frau mit ihrem Kind auf einem Radweg geht, der nur einen Meter breit ist, kann es mit dem Radfahren schnell vorbei sein.“ An solchen Stellen könne es sinnvoller sein, wenn die Radfahrer einfach mit dem Straßenverkehr mitschwimmen, „weil sie dann von den Autofahrern gesehen werden“. In solchen Fällen kommt es laut Fischhaber auf gegenseitige Rücksichtnahme an, doch daran hapert es oft: „Die Leute arrangieren sich nicht, sondern pochen auf ihr Recht – oder Unrecht.“

Toni Lechner, von der Wolfratshauser Polizei warnt jedoch vor Verallgemeinerungen. Es gebe viele Rennradler-Gruppen, die sich vorbildlich verhalten. Ebenso gefährde nicht jeder Autofahrer automatsch Radfahrer: „Es gibt in jeder Gruppe einzelne, denen Regeln wurscht sind.“ Es kommt immer wieder mal vor, dass Lechner Radfahrer auffordern muss, die Radwege zu benutzen. Größere Probleme gebe es in Wolfratshausen mit Radlern, die unerlaubt die Gehwege befahren. „Das ist unerträglich“, pflichtet Fischhaber bei.

Gefährliche Lücke auf dem Radweg nach Bad Tölz

Christian Mangstl, beim RSC Wolfratshausen für Touren zuständig, empfiehlt eine differenzierte Sichtweise. „Es ist ein Unterschied, ob eine Hausfrau mit Schutzblech auf einem Radweg fährt – oder ein sportlicher Rennradfahrer mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von über 30 Stundenkilometern.“ Der Touren-Experte beklagt: „Man muss wegen den Fußgängern oft anhalten und wird dann von ihnen nicht immer freundlich angesprochen. Wenn man fünf Stunden unterwegs ist, kann das sehr nervig sein.“ Es gebe daher viele Rennradfahrer, die sich lieber von Autofahrern anhupen lassen. Erschwerend komme hinzu, dass das Radwegnetz im Oberland schlecht ausgebaut sei. Immer wieder fehlen laut Mangstl wichtige Radweg-Teilstücke, wie etwa im Bereich um die Tattenkofener Brücke: „Nach Einöd Richtung Bad Tölz gibt es ein drei Kilometer langes Radwegloch – das ist sehr gefährlich“, sagt Mangstl. Kaum besser sehe es in der entgegengesetzten Richtung nach Ascholding aus. Es gebe aber auch positive Beispiele, wie etwa den Radweg zwischen Penzberg und Beuerberg: „Der ist vorbildlich und auch für Rennradfahrer problemlos zu befahren.“

Eine andere Sichtweise auf die Dinge hat die Geretsriederin Josefine Hopfes, die beim Fahrrad-Club ADFC für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sie selbst bezeichnet sich als Genuss-Radlerin und sagt lachend: „Wir sind keine Freunde des Rennradelns. Das ist eine komplett andere Spezies.“ Privat meidet sie Straßen mit viel Autoverkehr wie der Teufel das Weihwasser, weicht lieber auf Waldwege und kaum befahrene Nebenstraßen aus.

Wenn immer es irgendwie möglich ist, fahren die ADFC-Gruppen mit ihren Touren-, Trekking- und E-Bikes auf Radwegen. Der ADFC lasse es ganz gemütlich angehen: „Wir fahren 80 oder 90 Kilometer – Strecken, die man locker an einem Tag schaffen kann.“ Vor den Touren werden den Teilnehmern die Verhaltensregeln erläutert: Hopfes: „Es hat da noch nie ein Problem gegeben.“

Patrick Staar

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