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Im Tölzer Farchet, am Rand des Gewerbegebiets, hat Hans Scholz vor mehr als 20 Jahren eine Wildblumenwiese angelegt. Jedes Jahr schaut sie ein wenig anders aus. Für den LBV ist sie ein "Paradebeispiel".

"Blühender Landkreis"

Wunderbare Wildnis

Bad Tölz - Der Landkreis soll aufblühen. Das ist der Wunsch von Landesbund für Vogelschutz, Kreis-Imkerverein und Gartenbauverein. Statt sauber geschnittenem englischen Rasen sollen im öffentlichen Raum, aber auch im privaten Garten künftig Wildblumen das Bild bestimmen. Im Juni gab’s die Auftaktveranstaltung, mittlerweile zeigen einige Gemeinden Interesse.

Ziel des gemeinsamen Projekts „Blühender Landkreis“ ist es, „bunte Meter“ zu schaffen, also Flächen, auf denen heimische Wildblumen blühen. „Wir brauchen dringend Blühwiesen. Hätten wir mehr Artenvielfalt, würde es den Bienen auch besser gehen“, hatte Imkerchef Georg Kellner aus Wackersberg bei der Auftaktveranstaltung im Juni im Landratsamt erklärt. Rund 100 Interessierte – darunter einige Bürgermeister – hatten an dem Vortrag teilgenommen. „Mittlerweile haben auch einige Gemeinden Interesse bekundet, sich an dem Projekt zu beteiligen“, sagt LBV-Kreischef Walter Wintersberger auf Anfrage. Ende Oktober gebe es nun einen Termin mit dem Biologen und Wildpflanzenexperten Reinhard Witt, der bereits einige Kommunen auf dem Weg zum blühenden Landkreis begleitet hat. „Er wird sich die in Frage kommenden Grundstücke anschauen und erklären, wie die Flächen vorzubereiten sind. Die Aussaat erfolgt dann im Frühjahr“, sagt Wintersberger.

Geretsried, Wolfratshausen und Benediktbeuern seien mit im Boot. Bad Tölz werde sogar in größerem Stil in das Projekt miteinsteigen, sagt Wintersberger. Hier wurde bereits eine Landschaftsgärtnerin damit betraut, alle städtischen Grünanlagen unter die Lupe zu nehmen. Sie soll ein Konzept erarbeiten, das aufzeigt, wie die Flächen naturnah umgestaltet werden könnten. Wackersberg habe zudem beschlossen, bei neu anzulegenden Grünflächen Wildblumen anzusäen. „Und auch mit dem Sachsenkamer Bürgermeister habe ich schon telefoniert“, sagt der LBV-Chef. „Bis Ende September müssen wir Bescheid wissen, wer mitmacht. Ich habe schon die Hoffnung, dass sich die eine oder andere Gemeinde noch meldet.“

Wie ein, so Wintersberger, „Paradebeispiel“ einer Wildblumenwiese ausschaut, kann man im Tölzer Farchet sehen. Am Rand des Gewerbegebiets hat Hans Scholz (80) am Straßenrand ein blühendes Paradies für Bienen & Co. geschaffen. Gelbe Ochsenaugen, Leinkraut, lila Flockenblumen, Salbei, blaue Natternköpfe und gelbe Klappertöpfe werden von Bienen und Hummeln umschwärmt genauso wie von Schmetterlingen. „Der Klappertopf ist ganz wichtig, weil diese Pflanze den Boden karg macht“, hat Scholz festgestellt. Und es ist genau dieser magere Standort, den die Wildblumen brauchen, um zu gedeihen. „Letztendlich ist das einfach nur Isarkies mit ein bisschen Erde drauf“, erklärt der 80-Jährige. Damit der karge Untergrund erhalten bleibt, darf bei dem Tölzer auch der wuchernde Giersch, dem Hobbygärtner sonst oft den Kampf ansagen, stehen bleiben. „Der macht den Boden dicht“, erklärt Scholz. „Überhaupt gibt es für mich kein Unkraut.“

Vor über 20 Jahren hat der ehemalige Schreiner damit begonnen, der Artenvielfalt auf seinen Grundstücken die Oberhand zu lassen. Denn längst ist die Wildnis auch in seinem privaten Garten auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingezogen. „Schon als Bub habe ich Blumenwiesen schön gefunden“, erzählt er. Das Projekt Artenvielfalt sieht alles andere als ungepflegt aus, sondern vor allem bunt. Überall summt und schwirrt es. „Auf einer Buddleja habe ich einmal 20 Schmetterlinge gezählt“, sagt Scholz bei einem kleinen Rundgang. „Die wichtigste Pflanze überhaupt“ sei aber die Brennnessel. „Ich habe gelesen, dass mehr als 60 Tierarten von ihr leben.“ Generell sei er aber „kein Experte“, betont er. Er mache einfach alles so, wie es ihn seine langjährige Erfahrung gelehrt habe.

Die Samen für seine Wildblumenmischung hat der Tölzer übrigens eigenhändig zusammengesammelt. „Immer wenn ich irgendwo hingefahren bin und am Wegesrand eine interessante Blume gesehen habe, habe ich mir den Standort gemerkt.“ Sobald die Samen reif waren, kehrte Scholz zurück, nahm ein paar mit und verstreute sie auf den eigenen Wiesen. So macht er es übrigens immer noch – nur jetzt eben für andere: Gerade hat er ein kleines Metalleimerchen mit Samen von „seinen“ Blumen gefüllt, um es Walter Wintersberger zu geben.

Was Scholz ein bisschen wurmt, ist, dass öfters Leute zur Wiese kommen und einfach Blumen abreißen. Das sei nicht Sinn der Sache. Ansonsten freut er sich jedes Jahr darüber, dass die Wiese immer ein wenig anders aussieht als im Vorjahr. Und auch im Laufe der Monate verändert sie sich, Pflanzen blühen und vergehen, neue kommen auf, alte sterben. „Je näher es dem Herbst geht, desto brauner wird die Wiese.“ Am Ende wird ein einziges Mal gesenst – und im Frühjahr bekommt die Wildnis dann eine neue Chance.

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