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Der Tölzer Archäologe Stephan Möslein referierte beim Kreisbildungswerk.

Studiengang "Kultur, Geschichte, Heimat"

Von zerstörten Schätzen der Geschichte

Bad Tölz - In einem Vortrag beklagt der Tölzer  Archäologe Stephan Möslein  die Vernichtung von Bodendenkmälern im landkreis und erläutert spannende Details zum „Winzerer“-Skelett in der Stadtpfarrkirche.

Was verbindet das Skelett vor der Winzerer-Kapelle in der Stadtpfarrkirche mit einem alten Panzer? Die Archäologie. Detailreich und anschaulich brachte der Tölzer Stephan Möslein nun im Vortrag „Archäologische Denkmalpflege in Bayern am Beispiel zweier Grabungen in Bad Tölz“ den Zuhörern sein Fach nahe. Eingeladen hatte ihn das Kreisbildungswerk für die Studienreihe „Kultur, Geschichte, Heimat“. Knapp 30 Zuhörern im Sparkassen-Center gewährte der Archäologe einen spannenden Einblick in die Aufgabe der archäologischen Denkmalpflege.

Zwischen Gaißach und Greiling liegt ein Grabhügelfeld – oder, besser gesagt, es lag. Ende der 1980er-Jahre war Möslein bei Ausgrabungen zur Dokumentation vor Ort. Gefunden wurden Knochen- und Gefäßteile sowie Grabbeigaben. „Heute führt eine Leitungstrasse quer durch das Grabhügelfeld, das dadurch zerstört wurde“, sagte der Experte.

Eine weitere Zerstörung eines Bodendenkmals habe am Nockherplatz stattgefunden. Nach dem Abbruch des alten Oberbräus seien alte Grundmauern eines Badegebäudes freigelegt – und dann für den Neubau zerstört worden, so Möslein. Lediglich eine Aufnahme des Tölzer Kurier könne als Dokumentation herhalten.

Kurios waren Mösleins Ausführungen über die Bergung eines Panzers aus dem Greilinger Weiher: „Auch das ist Archäologie“, sagte er.

Die Altstadt von Tölz mit Kalvarienberg- und Klosterkirche stellen ihm zufolge ein Bodendenkmal dar. Das bedeute, dass bei jeglichen Grabungen, auch Kanalarbeiten, eigentlich ein Archäologe neben dem Bagger stehen müsste, so der Experte. „Es geht um die Dokumentation.“

Er wundere sich, dass das Landratsamt als untere Denkmalschutzbehörde nicht mehr Auflagen mache. Das Problem liege in der Struktur des Amtes, fügte er hinzu: „Die fachliche Kompetenz liegt in München, nicht bei den Verwaltungsbehörden wie dem Landratsamt.“

Möslein wurde bei der Renovierung der Stadtpfarrkirche erst für die Winzerer-Kapelle hinzugezogen. Ausführlich erklärte er das Skelett mit Schwert nahe der WinzererKapelle. Es ist in die Fundamente des Vorgängerbaus eingelassen. Der Archäologe hat zum Skelett eine besondere Beziehung. „Das Ordinariat bestand darauf, den Fund innerhalb weniger Tage wieder zu bestatten, weil er aus geweihtem Boden kam“, so Möslein. Der Tölzer brachte alle Überreste des Grabes kurzerhand selbst nach München, wo die heutigen bekannten Daten festgestellt wurden. Die Textilienfunde liegen heute noch in einem Münchner Gefrierschrank, denn ihre Untersuchungen seien sehr kostenaufwändig.

Aber Dank Mösleins Recherchen weiß man unter anderem: Der Mann war zwischen 50 und 60 Jahre alt und bis zu 1,75 Meter groß. Neben ihm sind zwei Schädel und wenige Knochen umgebettet worden. Diese Menschen müssen verwandt gewesen sein. Aber ob es sich bei den dreien um die Tölzer Winzerer handele, sei immer noch nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall ist das große Grab eine Besonderheit. „Diese Art von Gräbern von Adeligen mit Schwert und Sporen zu dieser Zeit (um 1500, Anm. d. Red.) in einer Kirche ist selten, sie kommen in ganz Mitteleuropa nur rund 60-mal vor“, referierte der Tölzer.

Als gelungenes Beispiel einer Renovierung führte Möslein den Umbau des Geschäftshauses Krätz an der Römergasse an. „Hier war ein Architekt am Werk, der um Bau- und Bodendenkmalpflege wusste“, lobte Möslein. So konnten ältere Bauphasen dokumentiert werden. In einem Kellerraum seien Einbauten gefunden worden, mit denen möglicherweise das Grundwasser abgeleitet werden sollte.

Birgit Botzenhart

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