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Stacheldraht versperrt den Weg bergab: An dieser Stelle passierte der Unfall.

Landwirt muss Schmerzensgeld bezahlen

Bauer spannt Draht – Radler stürzt

München - Ein Landwirt spannt Stacheldraht über einen Weg. Ein Mountainbiker fährt dort entlang, stürzt und bricht sich die Schulter. Wer hat Schuld? Über diese Frage hat das Oberlandesgericht München entschieden.

Der Unfall passierte bereits vor gut zwei Jahren auf einem Bergweg im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Christian S. (28) aus Penzberg war dort an einem Juli-Morgen mit seinem Mountainbike unterwegs. Der Weg führt vom Blomberghaus, einem Berggasthof, zur Waldherralm – laut Christian S. war er in einem Prospekt ausdrücklich für Mountainbikefahrer empfohlen worden.

Quer über diesen Weg hatte ein Landwirt einen Stacheldraht gespannt, um sein Jungvieh in Schach halten. Damit Wanderer den Stacheldraht nicht übersehen, hatte er etwa 30 Meter davor ein rotes Warnschild an einen Baum montiert. Auf diesem stand: „Vorsicht Weidezaun“. Und trotzdem stürzte Christian S. über den Draht. Er fiel auf die Seite und brach sich die rechte Schulter.

Der Unfall wurde bereits im Juli 2012 vor dem Landgericht München II verhandelt. Die Richter gelangten damals zu dem Schluss, dass der Mountainbiker zu zwei Dritteln Schuld hat: Der Kfz-Mechaniker hätte vorsichtiger und vorausschauender fahren müssen. Das andere Drittel entfiel auf den Bauern: Dieser habe mit dem Schild zwar vor dem Stacheldraht gewarnt. Das sei aber eher für Wanderer als für Radler erkennbar gewesen. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße von 250 Euro, die der Landwirt zahlen musste, eingestellt.

Vor dem Oberlandesgericht München ging Christian S. nun in Berufung. Das handgeschriebene Schild habe er zwar gesehen. Jedoch im allerletzten Moment, zu spät zum Bremsen. Das Tageslicht um kurz vor 9 Uhr sei „diffus“ gewesen, habe ihn geblendet. Der Weg sei außerdem stark abschüssig, große Steine hätten die Fahrt zusätzlich erschwert. Sein Anwalt forderte vom Landwirt 4500 Euro Schmerzensgeld und weitere knapp 4000 Euro für mögliche Folgeschäden der Schulterverletzung.

Der beklagte Bauer sagte vor Gericht zu seiner Verteidigung, dass der Weg in Privatbesitz und seit 2002 für Radler gesperrt sei. Der Mountainbiker hätte deswegen vorsichtiger fahren und jederzeit mit einem Hindernis rechnen müssen. Diese Ansicht teilten auch der Vorsitzende Richter Klaus Fiebig und seine Beisitzer. Damit folgten sie dem Urteil des Landgerichts vom Juli. „Ein Radler muss auch in den Bergen auf Sicht fahren“, sagte Fiebig. „Er muss seine Geschwindigkeit so einrichten, dass er jederzeit bremsen kann.“

Beide Parteien einigten sich schließlich auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro, die der Landwirt an Christian S. zahlen muss. Im ersten Verfahren vor dem Landgericht hatte er bereits 3500 Euro gezahlt – letztlich ging es also lediglich um den Betrag von 1500 Euro.

Von Patricia Kämpf

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