„Bloß nicht zu viel wegschneiden“
+
Mit Hingabe, aber bestimmt: So legt Bernhard Schmid vom Garten- und Verschönerungsverein Benediktbeuern beim Obstbaumschnitt Hand an.

Apfelbaumschneiden

Die Obstweisen

Benediktbeuern – Bernhard Schmid und Rainer Kellner machen alte Apfelbäume wieder fit, damit in Benediktbeuern ein Obst- und Gemüse-Gemeinschaftsgarten entstehen kann.

„Alles Dürre und alles, was sich kreuzt, muss raus.“ Das ist keine schräge Wahlkampfkampagne, sondern eine klare Regel beim Apfelbaumschneiden. Bernhard Schmid ruft den Satz aus zweieinhalb Metern Höhe. Mit einer Leiter ist der 69-Jährige hochgeklettert und hängt jetzt zwischen den Ästen und Zweigen des alten, verwilderten Baums. Kollege Rainer Kellner, 77 und nicht minder engagiert, steht unten und erklärt mit fachkundigem Blick: „Frostrisse, Mistelbefall und Faulstellen: Hier haben wir den Prototyp des heruntergekommenen Apfelbaums.“

Kellner und Schmid machen ihn wieder fit – so wie sie das in Benediktbeuern mit sämtlichen Obstbäumen machen, die zu verfaulen drohen oder einfach nur einen sauberen Schnitt brauchen. Für die rigorose Vorgehensweise, die sie an den Tag legen, kommt Kellners Satz überraschend: „Bloß nicht zu viel wegschneiden.“

Die beiden Männer arbeiten ehrenamtlich für die Gemeinde sowie den Garten- und Verschönerungsverein. Hier, direkt neben dem Hotel Friedenseiche, soll irgendwann ein Obstgarten blühen, Imker sollen ihre Bienen ansiedeln, Schulklassen die Ressourcen der Natur und natürlich das Apfelbaumschneiden kennenlernen.

Das ist die Vision. Während Kellner und Schmid mit Hingabe erzählen, kommt Bürgermeister Hans Kiefersauer spontan vorbei. Er deutet auf eine langgezogene Fläche jenseits der Bäume. „Dort können Benediktbeurer Bürger dann Gemüse anbauen. Urban gardening, wie man neudeutsch sagt“, witzelt Kiefersauer, um nachzuschieben, dass „Gemeinschaftsgarten“ die deutlich bessere Bezeichnung sei. „Des war ja no scheena“, kommentiert Kellner. Dann lachen beide. Fest steht: Auf dem Areal des alten Klosterobstgartens, das die Gemeinde gepachtet hat, „wird sich in den nächsten Jahren einiges tun“, verspricht der Bürgermeister. Kellner vermutet, dass es zehn Jahre sein werden, bis man alle Früchte der Arbeit ernten kann.

Zwischen den alten Bäumen, die es aufzupäppeln gilt, pflanzen die Gärtner noch heuer 20 neue an. Das erkennt man an den langen Holzstäben, die in der Erde stecken. Kiefersauer ist froh um seine „junggebliebenen Alten“, wie er Schmid und Kellner liebevoll nennt. Schmid hat das gehört und ruft wieder runter vom Baum: „Wo sind sie denn, die Jungen?“ Kellner erklärt währenddessen die Kunst des Schneidens. Am Telefon ließ er wissen, dass man nichts in fünf Minuten lernen könne, „was wir uns in fünf Jahren angeeignet haben“.

Jetzt, zwischen den Bäumen, ist er bestens aufgelegt – und vor allem kompetent. Einen faulen Baum habe man kürzlich „operiert“. Kellner zeigt das Loch im Stamm, den er beinahe komplett ausgehöhlt hat. „Damit das Regenwasser unten wieder rauslaufen kann.“

Dann schreitet Kellner schon zum nächsten heruntergekommenen Gewächs, um mit der „Schneidegiraffe“ einen dicken Ast abzusägen. „Ein alter Mann ist kein D-Zug“, schreit Kellner mit angestrengter Miene. Sekunden später kracht der Ast doch zu Boden. Kellner: „Jetzt hat er verloren.“

Verloren sind selbst stark angefaulte Bäume nicht so schnell, erklären die beiden Obstweisen. „Die tragen schon noch Früchte, nur halt keine 50 Jahre mehr“, versichert Kellner. Er beherrscht die Kunst des Veredelns, bei der abgeschnittene Triebe in junge Bäume gesteckt werden. Seinem Kollegen Schmid ist es besonders wichtig, dass im neuen Obstgarten alte Apfelsorten wie Herrnhut oder Astrachan eingesetzt werden. „Die sind vom Aussterben bedroht.“

Tobias Gmach

Mehr zum Thema

<center>Flachmann mit Filzhülle, 180 ml</center>

Flachmann mit Filzhülle, 180 ml

Flachmann mit Filzhülle, 180 ml
<center>Flachmann mit Fellhülle, 180 ml</center>

Flachmann mit Fellhülle, 180 ml

Flachmann mit Fellhülle, 180 ml
<center>Memoboard "Kuh Elsa" magnetisch</center>

Memoboard "Kuh Elsa" magnetisch

Memoboard "Kuh Elsa" magnetisch
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Als an Autoscheiben noch Insekten klebten

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine Naturschützer-Allianz möchte im Landkreis die Lebensgrundlage für Vögel und Insekten sichern. Dazu werden Flächen gesucht, wo heimische …
Als an Autoscheiben noch Insekten klebten

Wieder schönes Ausflugswetter in Bad Tölz

Wieder schönes Ausflugswetter in Bad Tölz

Alle zehn Tage schlägt in Tölz ein Radldieb zu

Bad Tölz-Wolfratshausen – Radlfahrer in der Jachenau können beruhigt, in Geretsried hingegen sollten sie vorsichtig sein. Zumindest wenn es nach der Statistik der …
Alle zehn Tage schlägt in Tölz ein Radldieb zu

„Auch ein Bürgermeister ist nur ein Mensch“

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl ist seit 20 Jahren im Amt – so lange wie kein anderer Rathauschef im Landkreis. Ein Gespräch über …
„Auch ein Bürgermeister ist nur ein Mensch“

Kommentare