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„Den Gipfe vo Elmau braucht koa oide ...“, ist der Titel dieser Formation, bei der Obama mit seinem Hubschrauber beim Benediktbeurer Faschingszug landet.

Faschingszug Benediktbeuern

Tiefe Einblicke und heiße Rhythmen

Benediktbeuern - Nackte Haut, menschliche Tiere und Männer in Frauenkleidung: Die Benediktbeurer Maschkera zogen alle Register. Der Benediktbeurer Faschingszug führte mit einfallsreich gestalteten Wagen durchs Dorf und gefiel den über 6000 Zuschauern.

Frühlingshafte 13 Grad: Für sechs Teilnehmer des Benediktbeurer Faschingszugs kam das besonders gelegen. Sie waren nämlich nackt – bis auf einen plüschigen String, der das Nötigste verdeckte. Was das soll? Sie spielten auf die Nachricht an, dass Papst Franziskus zum Besuch des iranischen Präsidenten nackte Statuen auf dem Kapitol verhüllte. Aus Repekt vor dem Glauben des Muslims.

Die sechs Burschen aus Benediktbeuern hatten ihre Haut mit silberner Farbe bemalt und Efeukränze auf ihren Kopf gelegt. Ihre Unterkörper verdeckte ein junger Mann in roter Papstkutte auf dem Faschingswagen mit Holztüren und enthüllte sie wieder – was angesichts der blanken Aussicht für verzückte Schreie aus dem Publikum sorgte.

Daran gemessen verlief der Benediktbeurer Faschingszug sonst äußerst züchtig, zumindest, was die Bekleidung anging. Da waren Angela Merkel und Barack Obama, deren Darsteller ihre Gesichter gleich komplett mit Gummimasken verdeckten. Sie wechselten zwischen zwei eindrucksvollen Wagen. Auf dem vorderen stießen sie im Biergarten an. Der breit grinsende Obama unterzeichnete das goldenen Buch. Dann eilte er in seinen Helikopter, der an einer Baggerschaufel befestigt war und dadurch während des Zugs tatsächlich „losfliegen“ konnte – nicht aber bevor Merkel Erinnerungsfotos mit dem Selfiestick gemacht hatte.

Dass das Loisachtal Sinn für Rhythmus hat, zeigten neben der Samba-Trommelgruppe die zehn Discotänzerinnen, die als Hommage an 40 Jahre Bonney M. die Bahnhofstraße entlangtanzten. Freilich durften da schwarze Lockenperrücken, Schlaghosen und der mit Lametta geschmückte BMW nicht fehlen, in dessen Kofferraum neben dem riesigen Lautsprecher die Schnapsflaschen kaum noch Platz hatten.

Taktgefühl hatte auch die Fußgruppe, die statt auf eine Bauchtrommel auf vier kleine Pizzakartons einschlug – ein Teil der Delegation, die sich über Bichl lustig machte. „As Bichla Bierzoit is zum schama, statt Hendl gibt’s a Pizza-Drama“, lautete das Motto. Weil beim Bezirksmusikfest das Essen ausging, brachte ein rothaariger Lieferant Pizza mit einem Piaggio – frisch aus dem fahrenden Ofen.

Beim Blick nach Bichl fiel der Spott auch auf Gérard Depardieu, der mit großer Nase und Pumuckl-Haaren wenig Talent beim Brezn-Backen bewies. Die Bäckerei Eberl, die den hohen Besuch im vergangenen Jahr empfing, erklärte es ihm aber geduldig.

Überschattet wurde der Essensduft zum einen vom „Star Schoas“, einem qualmenden und Sägespäne-spuckenden Gefährt in Star-Wars-Aufmachung. Zum anderen von VW-Autos, die die Abgasuntersuchung mit dem geschulterten Staubsauger wohl kaum überstanden haben. Eindruck machte vor allem das US-Mobil in Stars-and-Stripes-Optik mit Hirschgeweih an der Motorhaube.

Tierschutz war ebenfalls Thema beim Faschingszug. So fürchten die Benediktbeurer, dass bei der Tölzer Leonhardifahrt Pferde und Frauen in Tracht Platz tauschen müssen. Das stellten sie mit solchem Einsatz dar, dass ein Mann im Dirndl seine Schuhsohle verlor, als er mit Gleichgesinnten einen Leonhardiwagen mit wiehernden Pferden – Benediktbeurer im Ganzkörperkostüm aus Plüsch – zog. Vier andere Benediktbeurer krochen auf allen Vieren durch die Bahnhofstraße.

Aber nicht nur die Tölzer und die Bichler bekamen gestern Nachmittag ihr Fett weg: Einen kleinen Seitenhieb gab es auch für die Schlehdorfer. Auf einem Wagen machten sich die Benediktbeurer über den dortigen Maibaum lustig, der wegen des schlechten Wetters erstmals in der Geschichte mit einem Kran aufgestellt werden musste. Titel des Gefährts: „D’ Schlehdorfer ham bloß Madln in da Schui, drum riad si beim Maibam ned vui."

Faschingszug in Benediktbeuern

Susanne Weiß

Susanne Weiß

E-Mail:info@merkur.de

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