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Schockierender Vortrag: Bettina Kelm (li.) vom Verein „One Earth – One Ocean“ berichtete unter anderem, wie die Weltmeere mit Plastik verseucht sind. Bis sich eine PET-Flasche auflöst, dauert es 400 Jahre.

Fastenzeit

Besser leben ohne Plastik

Benediktbeuern – Es ist Fastenzeit. Die Menschen im Landkreis verzichten auf Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten. Einige von ihnen wollen ab sofort vier Wochen auf Plastik verzichten und so der Umwelt etwas Gutes tun. Zur Auftaktveranstaltung am Samstag im Kloster Benediktbeuern waren vor allem Familien gekommen.

Die Bilder waren schockierend: Verendete Albatrosküken voller Plastik im Magen. An Plastiktüten erstickte Meeresschildkröten. Delphine und Wale, die von wild entsorgten Fischernetzen stranguliert worden waren. Bei der Auftaktveranstaltung von „Plastik-Fasten“, zu der das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern eingeladen hatte, zeigte Referentin Bettina Kelm vom Verein „One Earth – One Ocean“ zunächst einen Film über die katastrophalen Auswirkungen von Plastikmüll auf Tiere und Umwelt.

Auch Alexandra Stein aus Bichl (Foto links) wird mit ihrer Familie beim Plastik-Fasten mitmachen. Der Tölzer Kurier wird die Familie mit Papa Martin Schumann und den beiden Söhnen Jorin (zwei, Foto) und Raoni (acht Jahre alt) vier Wochen lang begleiten. Auf was können sie leicht verzichten? Wo fällt es schwer, im Alltag Alternativen zu Plastikverpackungen und Co. zu finden? Und wo ist Plastik vielleicht unumgänglich? Darüber wird die Heimatzeitung mit der 33-Jährigen, ihrem Mann und den beiden Söhnen regelmäßig sprechen.

Sichtlich betroffen lauschten die Zuhörer, die zum Teil eigens aus entfernten Orten wie Grafenaschau, Schäftlarn oder Egling gekommen waren, den schockierenden Zahlen: Laut Kelm treiben aktuell 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren, und jedes Jahr kommen acht Millionen Tonnen dazu. Besonders schlimm: „Plastik löst sich nicht einfach auf.“ So habe eine PET-Flasche eine Lebensdauer von 400 Jahren, ein Fischernetz gar von 600 Jahren. Der Plastikmüll gelangt zu über 80 Prozent vom Land ins Meer – zum Beispiel über Flüsse und Wind.

Auch viele bayerische Seen und Flüsse sind laut der Referentin bereits durch Mikro-Plastikteile belastet. Diese kleinen Teilchen befinden sich etwa in Duschgels oder Zahnpasta. Sie werden über die Kläranlagen eingetragen und können bis ins Grundwasser gelangen. Für Kelm und die Zuhörer war klar: Der Plastikmüll – der mitunter auch Giftstoffe enthält – muss reduziert werden. Der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe.

Eifrig sammelten Erwachsene und Kinder Ideen, wie sie in den kommenden Wochen Plastikmüll vermeiden können. „Ich kaufe die Seife am Stück statt Duschgel“, schlug ein Mann vor. „Ich kaufe loses Obst und Gemüse und keines, das in Plastik verpackt ist“, sagte eine Frau. Einkaufen wollen die Teilnehmer ab sofort nur noch mit der Stofftasche. Milch und Sahne wollen sie in Glasflaschen statt im Plastikbecher kaufen und Geschenke nicht mehr in Folie verpacken. Ihre Kosmetikprodukte werden sie auf ihre Plastik-Inhaltsstoffe hin überprüfen. Weitere Ideen: Den Metzger bitten, gekaufte Wurst in mitgebrachten Boxen statt in Plastik zu verpacken, und für den Coffee-to-go eine Thermoskanne dabei haben.

Schnell war eine beachtliche Liste an Vorschlägen zusammengekommen. Sie ist nun die offizielle „Plastikfasten-Erklärung“, die die Teilnehmer sodann feierlich unterzeichneten. Die Abschlussveranstaltung findet am 12. März um 15 Uhr im ZUK statt.

Franziska Seliger

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