Mitreißend: Martina Eisenreich, Christoph Müller (Gitarrist), Vlad Cojocaru (Akkordeon), Gregori Makhoshvili (Bass) und Percussionist Wolfgang Lohmeier (nicht im Bild) überraschen bei jedem Auftritt mit einem neuen Stück. Foto: riesenhuber

Ganz aufeinander eingeswingt

Benediktbeuern - Martina Eisenreich begeistert mit ihrem Quintett im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern.

Regelrecht verzaubert haben die Geigerin und Komponistin Martina Eisenreich und ihr Quintett das Publikum bei ihrem Konzert im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern – mit ihrer Musik, mit ihren feinen, humorvollen Moderationen, mit ihrem Temperament. Und zwar so, dass die Menschen, die an diesem nassgrauen ersten Advent gekommen waren, anschließend summend, beschwingt und vermutlich glücklich den Heimweg antraten.

Martina Eisenreich ist, unter anderem, Filmkomponistin mit einem Faible für Musik aus dem Balkan, aber auch für andere weltmusikalische Einflüsse. Und das hört man ihrer Musik auch an. Ein langsam gespielter Tango, klingt, wenn sie ihn mit ihren Musikern spielt, wie die Erinnerung an einen Tango. Es ist Musik, die Emotionen und Bilder weckt.

An Schlagzeug und „Klimbim“, wie Martina Eisenreich es nannte spielte Wolfgang Lohmeier. Sein Instrument, zu dem auch so seltsame Dinge wie eine Art Becken namens Spiral Trash gehören, hatte einen ganz besonderen Klang. Das lag unter anderem daran, dass er die Toms durch zwei arabische Handtrommeln ersetzt hat. Statt der Sticks verwendete er sogenannte Besen, Filzschlegel oder die Hände.

Das Schlagwerk bestehe aus über neunzig Einzelteilen, berichtete Martina Eisenreich, weshalb auch einmal in der Woche eine Probe notwendig sei, um diese im Tourbus zu verstauen. Dafür hätten sie jahrelang mit dem Computerspiel Tetris geübt. Und so spielten sie dem Publikum auch ein Stück mit der Tetrismelodie, die übrigens im 19. Jahrhundert in Russland entstand.

Bei ihren Auftritten lieben die Musiker es, einander immer wieder zu überraschen. „Wir versuchen, in jedem Konzert ein neues Stück zu spielen“, so Martina Eisenreich. Diesmal war es ein Zirkuswalzer des Bassisten Grigori Makhoshvili.

Tatsächlich sei viel von dem, was sie spielen, improvisiert, verriet Schlagzeuger Wolfgang Lohmeier in der Pause. „Die Eckpfeiler der Kompositionen stehen natürlich fest, aber wir swingen uns auf einander ein. Das macht es spannend, und jeder muss auf den anderen achten.“ Im Konzert sah es dann ungefähr so aus: Der Schlagzeuger streicht mit einem Cellobogen an etwas entlang, das aussieht wie das Gerippe eines Lampenschirms und das im Übrigen auch so klingt. Er nennt es Wasserphon, weil sich auch Wasser darin befinden. Dann setzt langsam die Geige ein, wird immer virtuoser und auf einmal klingt es nach Vivaldi. Doch dabei bleibt es nicht. Plötzlich klingt es wie ein russisches Volkslied, dessen Melodie von allen Musikern variiert wird. Man würde sagen feurig und wehmutsvoll, wenn das nicht so abgedroschen wäre.

Denn diese Musik ist alles andere als das. Sie hat Momente, in denen einzelne Teile kunstvoll ineinandergreifen, rhythmisch perfekt und minimal. Aber sie kennt auch die virtuosen Ausbrüche, wenn alles immer schneller und lauter wird und die Musik wie eine Gewitterwolke auf das Publikum zurast.

Bei einem Stück tauschte Martina Eisenreich ihre Geige gegen eine Tin Whistle, eine irische Flöte. Das klang dann nach Urwald und Aufbruch und erinnerte an Bilder aus dem Kinofilm Titanic. Und auch die anderen Musiker haben Kompositionen zum Programm beigetragen. Vom Gitarristen Christoph Müller stammt eine Ballade mit dem Titel If, Vlad Cojocaru spielte ein virtuoses Stück für Akkordeon und Kontrabass und Wolfgang Lohmeier ein Werk, das die mannigfaltigen und immer neuen Klangmöglichkeiten des Perkussionisten so richtig zum Strahlen brachte.

Am Ende ließen Martina Eisenreich und ihre Musiker das Publikum summen, während sie nach und nach die Bühne verließen. Und das Publikum summte weiter und weiter, so als könne es damit die wunderbare Musik festhalten oder die Musiker noch einmal hervorlocken.

Nächster Auftritt

Eine weitere Gelegenheit, Martina Eisenreich und ihre Musiker zu erleben, gibt es am Sonntag, 18. Dezember, im „Kramerwirt“ in Arzbach.

Heribert Riesenhuber

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