Vierjähriger im Krankenhaus

Nach Badeunfall in Benediktbeuern: „Es geht allen sehr, sehr nahe“

Benediktbeuern - Der schwere Badeunfall im Benediktbeurer Freibad bewegt derzeit viele Menschen im Tölzer Land. Auch unter den Schwimmbad-Mitarbeitern in anderen Gemeinden ist die Betroffenheit groß. Die Polizei versucht weiter zu klären, wie es zu dem Unfall kommen konnte.

Ein Bub (4) wurde am Sonntag bewusstlos im Nichtschwimmerbecken des Alpenwarmbads entdeckt. Großen Anteil an der Rettung hat laut Polizei ein Mädchen (7), das auf das Kind aufmerksam wurde. Der Vierjährige wird im Klinikum Großhadern intensivmedizinisch betreut.

Am Sonntag waren rund 1200 Personen im Freibad, berichtet Benediktbeuerns Bürgermeister Hans Kiefersauer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Freibad war gut besucht, aber nicht überfüllt.“ Die Kommune hat heuer die Anzahl der Bademeister aufgestockt, nämlich von zwei auf drei. Alle drei, zwei Männer und eine Frau, befanden sich am Sonntag im Bad. Als sie auf den Vierjährigen aufmerksam wurden, habe „die Kette der Notfall-Alarmierungen vorbildlich geklappt“, sagt Kiefersauer.

Der Vorfall sei für die Angestellten eine große psychische Belastung. „Es geht ihnen sehr, sehr nahe“, sagt der Bürgermeister. Er habe ihnen angeboten, sich eine Auszeit zu nehmen. Das hätte auch bedeutet, das Bad für einige Tage zu schließen. „Aber sie haben gesagt, sie möchten weiterarbeiten.“

Nach wie vor ist unklar, wie genau es zu der Situation kommen konnte. Die Polizei hat am Dienstag Augenzeugen vernommen.

Nach dem Online-Bericht unserer Zeitung meldeten sich einerseits bestürzte Bürger zu Wort, die dem Vierjährigen baldige Genesung wünschen. Andererseits gab es vor allem auf Facebook auch heftige Kritik an der generellen Arbeit von Bademeistern.

Diese macht das wütend. „So eine Situation kann so schnell entstehen“, sagt zum Beispiel Lorenz Demmel, Badeaufsicht im Lenggrieser Naturfreibad. „Man braucht sich nur einmal kurz umzudrehen.“ Der Vorfall in Benediktbeuern sei auch ihm sehr unter die Haut gegangen. „Ich weiß, wie sich jetzt Bad-Mitarbeiter und Eltern Vorwürfe machen.“

An Becken die Aufsicht zu führen, habe oberste Priorität, sagt Reinhard Oberleitner. Der Schwimmmeister ist Leiter der Tölzer Freizeitbetriebe und im Sommer im Naturfreibad Eichmühle tätig. In seiner Berufslaufbahn hat er schon fünfmal Menschen aus dem Wasser gezogen. Wenn man einmal etwas übersehe, sagt Oberleitner, mache man sich sein Leben lang Vorwürfe.

In der Eichmühle sind in Doppelschichten zwei Bademeister im Einsatz. Wenn an schönen Tagen mehr als 1000 Badegäste kommen, hole man sich vom Hallenbad noch eine dritte Aufsichtskraft herüber. An Spitzentagen seien schon mal 1500 Leute in der „Oach“. „Wenn es aber noch mehr werden, lassen wir keine mehr mehr rein“, sagt Oberleitner.

Ähnlich ist es auch in anderen Freibädern. Die Regeln sind individuell und beziehen sich auf konkrete Situationen, Wetter und generelle Erfahrungen. Auch in Benediktbeuern wird bei Überfüllung kein Besucher mehr eingelassen. Und der Fünf-Meter-Turm zum Beispiel ist nur dann geöffnet, wenn ein Bademeister unmittelbar daneben steht. „Dann darf man für zirka zehn Minuten springen, und dann wird der hohe Turm wieder geschlossen“, berichtet der Bürgermeister.

Auch im Naturfreibad in Bichl gelten bestimmte Regeln. Hier steht eine Badeaufsicht zur Verfügung, die bei der Obergrenze von 500 Gästen die Kasse schließt, berichtet Bürgermeister Benedikt Pössenbacher. Sei ein Beckenbereich trüb und nicht einsehbar, werde diese Stelle auch mal kurzfristig gesperrt. „Die Leute haben eigentlich immer Verständnis dafür.“

Generell gilt: Wer ein Schwimmbad besucht, sollte immer die Augen offen halten, was neben ihm passiert. „Man kann nie ein ganzes Becken bis in den kleinsten Winkel immer im Auge behalten“, sagt Brigitte Pirchmoser, Betreiberin des Freibads in Arzbach. „Ich glaube, die Vorurteile gegen Bademeister entstehen deshalb, weil man halt einfach am Beckenrand steht und schaut. Für viele impliziert das Nichtstun.“

Der letzte größere Badeunfall im Südlandkreis ereignete sich Ende Februar im Kochler Trimini. Ein Mädchen war im Wasser bewusstlos geworden, wurde von einer zufällig daneben stehenden Mutter aus dem Wasser gezogen und von einem Retter der Wasserwacht reanimiert (wir berichteten). Im Trimini arbeiten drei Rettungsschwimmer in drei Schichten, zusätzlich ist am Wochenende je ein Ehrenamtlicher der Wasserwacht im Einsatz.

Jeder, der zum Schwimmen gehe, trage auch Eigenverantwortung, sagt Lorenz Demmel vom Lenggrieser Naturfreibad. „Das gilt sowohl für den See als auch für das Bad.“ Es sei schön, wenn man sehe, dass die Badegäste auch untereinander aufpassen.

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