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Am Hauptstamm der Königskerze sind alle Blüten fest verschlossen. Für Sepp Haslinger (74) ist das ein klarer Hinweis auf einen schneearmen Winter.

Benediktbeurer liest die Königskerze

Sepp Haslingers Wetterkerze: Was seine Prognose für den Winter verheißt

Benediktbeuern -  Wetterprophet Sepp Haslinger setzt weiter auf Naturbeobachtung – und lässt sich von Zweiflern nicht aus dem Konzept bringen.

Diesen Winter ist so gut wie gar kein Schnee zu erwarten. Das behauptet Sepp Haslinger, nachdem er die Blüte der Königskerze analysiert hat. Dass der Benediktbeurer zuletzt mit seinen Prognosen öfters daneben lag, dass er auf Faschingszügen verspottet wurde und Naturwissenschaftler seine Methode rundweg zurückweisen, ficht den 74-Jährigen nicht an. Denn er weiß: Er hat trotz allem deutschlandweit seine Anhänger. Und er freut sich, dass er mit seinen Auftritten immer wieder Werbung für altüberliefertes Wissen und die Beobachtung der Natur macht.

Rund um Mariä Himmelfahrt ist traditionell die richtige Zeit, um anhand der Blüten der Königskerze den Verlauf des Winters abzulesen. Heuer hat sich der ehemalige Hüttenwirt schwergetan, geeignete Exemplare zu finden. Das Bild, das sich ihm nun in einem Benediktbeurer Garten bietet, ist eindeutig. Etwa ein halbes Dutzend Königskerzen steht dort. Und bei allen sind fast sämtliche Knospen entlang dem Blütenstand geschlossen. So gut wie kein gelber Punkt blitzt an den Hauptstämmen der Pflanzen auf – die jungen Nebenäste zählen ebenso wenig wie die nachgewachsenen Spitzen.

Haslinger traut sich wieder zu wetten

Haslingers Schlussfolgerung: Keine Blüten, kein Schnee. „Im November könnte es mal ein bisserl kalt werden,im Dezember fällt etwas Schnee, aber der geht schnell wieder weg“, deutet er die Zeichen der Natur. Hoffnung auf weiße Weihnachten gebe es nur, wenn der wenige Schnee bis dahin liegen bleibe. Im Januar und Februar komme kein Schnee dazu, allenfalls gegen Ende des Winters – aber immer spärlich.

Eine aufmerksame Zuhörerin hat Haslinger in Kerstin Leipner. „Es ist fantastisch, dass es dieses alte Wissen noch gibt, und ich hoffe, dass es weitergetragen wird“, sagt die Urlauberin aus dem Südschwarzwald. Das Leben habe ihr beigebracht, auf die Natur zu hören. „Ich sammle Heilpflanzen und kommuniziere mit ihnen. Ich frage sie, ob ich sie pflücken darf“, sagt sie. Von einer Bekannten vom Chiemsee und an der Heilpflanzenschule habe sie von Haslinger und der Königskerze gehört. Daraufhin hat sie sich eigens den Landkreis als Urlaubsziel ausgesucht, um den Wetterpropheten kennenzulernen. Auch als Person beeindruckt er sie – sodass sie ihm verzeiht, als sie hört, dass sein Prognose im vergangenen Jahr schief ging.

Da sagte er voraus, dass sich die Leonhardifahrer in Benediktbeuern durch tiefen Schnee würden kämpfen müssen. Doch Leonhardi war ein sonniger, trockener Tag. Haslinger nimmt’s mit Humor. Er habe sich eben von Medienvertretern verleiten lassen, den Blütenstand der Königskerze zu spät abzulesen, weit nach Mariä Himmelfahrt. Und von den Rosserern, die ihn hernach mit seinem Fehlgriff aufzogen, habe sich ja keiner getraut, sein Wettangebot anzunehmen. Die „halbe Sau“ musste er daher keinem ausgeben. Um die traut er sich übrigens wieder zu wetten. 

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