Die Storchenmutter steht im Juni noch mit ihren beiden Kindern auf dem Klosterdach. Inzwischen wurde ein Jungstorch vom Lkw überfahren. Foto: Marion Schmidt

Am Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern

Nur ein Jungstorch hat überlebt

Benediktbeuern - Für die Störche in Benediktbeuern geht ein trauriger Sommer zu Ende: Ein Jungstorch starb im Regen, ein weiterer wurde von einem Lkw erfasst. 

Der Bestand ist aber trotzdem gesichert. Ein Jungstorch hat es geschafft und erkundet die Umgebung.

Der Benediktbeurer Storch ist weit über die Gemeindegrenzen zu beobachten. In seinem Horst ist er tagsüber kaum anzutreffen. Wie das bei Jugendlichen eben so ist, verlässt er morgens das Haus und kommt erst spät am Abend zurück. Von seinen Eltern bekommt er deswegen keinen Ärger: Die sind nämlich schon in ihren Winterurlaub gestartet.

Die Storchfamilie hat einen turbulenten Sommer hinter sich. „Das Ergebnis ist unterm Strich nicht so berauschend, aber wir können zufrieden sein“, lautet die Bilanz von Pater Karl Geißinger, Leiter des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern. Der jüngste Nachwuchs starb, weil er in einer regnerischen und kalten Phase geschlüpft ist. Seine beiden älteren Geschwister hatten da schon Federn. „Sie waren schon über die kritische Phase“, sagt Geißinger.

Einer der zwei Jungstörche hatte trotzdem nur ein kurzes Leben. Ein Lkw erfasste ihn vor etwa vier Wochen auf Höhe der Kläranlage bei Benediktbeuern. Er hatte auf einem Feld an der viel befahrenen Straße Futter gesucht und wollte abfliegen. „So ein schwerer Vogel braucht eine lange Strecke, bis er an Höhe gewinnt. Dem Fahrer macht Geißinger aber keinen Vorwurf. „Da kann man froh sein, wenn einem selbst nichts passiert.“

Schon ein paar Tage zuvor hatte der Jungstorch im Kloster für Aufregung gesorgt. „Ich bekam einen Anruf, dass er unten vor dem Klostercafé rumspaziert“, sagt der ZUK-Leiter. Er sei völlig verängstigt gewesen, weil einige Besucher ihn streicheln und fotografieren wollten. Dadurch kamen die Altvögel auch nicht, um ihn zu füttern. Außerdem schaffte er es nicht, wieder zum Horst zu fliegen. „Er war noch nicht so weit, er ist wahrscheinlich nur runtergeflogen, weil er mit dem anderen Jungstorch gestritten hat“, sagt Geißinger.

Der Benediktbeurer Ornithologe Rudolf Schmidt und seine Frau Marion halfen schließlich, den Strawanzer in einer Ecke mit einer Decke einzufangen. „Wir sind über den Dachboden im Südtrakt durchs Fenster. Der Storch hat die Nacht dann auf dem Dach vor dem Holzgang verbracht – sicher vor Fuchs und Marder“, so Geißinger.

Auch wenn es die zwei Jungvögel nicht geschafft haben – mit dem verbliebenen Weißstorch „ist der Bestand gesichert“, sagt der ZUK-Leiter. Da Störche bis zu 20 Jahre alt würden und gerne einem Brutplatz treu blieben, könne sich eine schöne Kolonie in Benediktbeuern entwickeln, wenn es jedes Jahr Nachwuchs gebe. „Der Storch, den wir vor zwei Jahren beringt haben, müsste eigentlich nächstes Jahr wiederkommen.“

Das Storchenpaar, das heuer auf dem Klosterdach gebrütet hat, war auch nicht zum ersten Mal da. „Einer der beiden hat einen Ring, den wir gut ablesen können“, so Geißinger. Den Jungstorch konnte das ZUK heuer nicht beringen. Dazu gebe es nur eine kurze Zeitspanne, wenn die Störche klein sind. Am Kloster gibt es aber keine Möglichkeit, ins Nest zu schauen.

Damit die Störche künftig besser beobachtet werden können, hat Geißinger beantragt, eine Kamera in ein Schalloch im Turm der Pfarrkirche zu stellen. Das Nestgeschehen könnte so live im Internet zu sehen sein. Das wäre auch eine Attraktion. „Viele Bürger und Feriengäste sind begeistert von den Störchen.“ Sie haben auch schon gespendet, damit das ZUK eine Kamera kaufen kann. Geißinger: „Wenn öffentliches Interesse da ist, sind die Aussichten ganz gut.“

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