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Plötzlich stehen Interessenten vor der Tür

Betrüger bieten online Tölzer Wohnungen an - die nicht frei sind

Bad Tölz - Tölzer sind von einer internationalen Betrügermasche betroffen. Ihre Wohnungen werden im Internet angeboten, obwohl sie überhaupt nicht ausziehen wollen. Interessenten bezahlen falsche Kautionen, die Polizei ermittelt.

Andreas Zimmert hat eine Frau und zwei kleine Töchter, die eine zehn, die andere sechs Jahre alt. Und er hat fremde Menschen vor der Haustür. Die Zimmerts möchten demnächst nicht ausziehen. Doch genau davon gehen die fremden Menschen aus. Sie schleichen um das Reihenhaus, klingeln und rufen bei den Zimmerts an. Die Tölzer Familie hat in den Sommerferien rund zehnmal Besuch bekommen, berichtet Andreas Zimmert. 

Sogar ein Mann aus Wien wollte das Haus besichtigen. Auch ein Pärchen aus dem Isarwinkel bat um Einlass. Schließlich hätte es die geforderte Kaution von 1200 Euro bereits gezahlt. Geld, das die beiden so schnell nicht mehr sehen werden. Denn zu allen Besuchern musste Zimmert sagen: „Es handelt sich hier um Betrug.“ Nach folgender Masche: Wohnungen oder Häuser wie das der Zimmerts werden auf Immobilienportalen im Internet zu günstigen Mietpreisen angeboten. In der Beschreibung heißt es oft, dass der Vermieter im Ausland lebe und eine Besichtigung daher schwierig sei. Wer als Sicherheit eine Kaution überweise, bekäme allerdings den Schlüssel zur Immobilie.

„Die Betrüger nutzen den angespannten Wohnungsmarkt für sich. Sie schreiben real existierende Immobilien aus. Das ist das Hinterhältige“, sagt Andreas Loeffler, Hauptkommissar bei der Tölzer Polizei. Nach dem Motto: Schnell zugreifen, nur ein, zwei Monatsmieten überweisen – sonst kommt der Nächste. „Viele Leute schlagen da sofort zu“, sagt Loeffler. Aktuell ermitteln die Tölzer Beamten in einem der sogenannten Vorkassen-Betrugsfälle – aber nicht im ersten. 

"Kein Tölzer Phänomen – sondern eine internationale Masche"

Loeffler: „Die Täter agieren meist aus dem Ausland. Das ist kein Tölzer Phänomen – sondern eine internationale Masche.“ Viele Fälle kämen gar nicht zur Anzeige. Die Ermittler forschen nur da nach, wo ein Schaden entstanden ist, konkret also, wo Geld überwiesen wurde. Andreas Zimmert suchte die Tölzer Polizei auf, um Hinweise zu geben. Seine Familie erlitt zwar keinen finanziellen Schaden, hatte aber viele ungebetene Gäste. „Ich habe dann die entsprechende Internetseite angeschrieben“, berichtet der 40-Jährige. Das Hamburger Immobilienportal Immonet habe die Anzeige, die mit genauer Adresse und falschen Fotos versehen war, umgehend gelöscht. Ein Wohnungssuchender aus Bamberg habe Zimmert auf das Portal aufmerksam gemacht. Geld auf englische oder griechische Konten im Voraus überweisen? Das war ihm nicht ganz geheuer. 

Beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd sind zwei Fälle (einer im Bereich Tölz, einer in Weilheim) bekannt, die über die Seite Vermietungsplattform „Airbnb“ abgewickelt wurden, wie Pressesprecher Anton Huber berichtet. Interessenten würden dort zunächst eine vermeintliche und gefälschte Airbnb-Bankverbindung angezeigt bekommen und dann die Meldung erhalten, dass der Geldtransfer nicht funktioniert habe und sie deshalb auf ein anderes Konto überweisen müssten. Airbnb teilt auf Nachfrage mit, dass die Kunden deutlich darauf hingewiesen werden, Übernachtungen nur auf der eigenen Webseite zu bezahlen. Kürzlich habe man neben jedem Nachrichtenverlauf zwischen Gast und Gastgeber eine entsprechende Warnmeldung installliert. 

Auch bei Immobilienscout24, mit sieben Millionen Besuchern pro Monat Marktführer der deutschen Netzportale, kennt man die Vorkassenmasche. Eine Sprecherin berichtet, dass deshalb technische Filter und abfragen installiert seien, „mit denen wir neu eingestellte Objekte überprüfen“. Unseriöse Angebote sollten anhand eines zweifelhaften Preis-Lage-Verhältnisses oder „E-Mail-Adressen mit wirren Zahlen- und Buchstabenkombinationen“ identifiziert werden. Nutzer hätten die Möglichkeit, unglaubwürdige Anzeigen zu melden. Die Sprecherin räumt aber ein, dass die Sicherheitsmaßnahmen zu einem „Katz-und-Maus-Spiel“ führen. Weil die Betrüger ihre Strategien daran anpassen.

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Tobias Gmach

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