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Ist und bleibt umstritten: Der geplante Supermarkt im Norden von Bichl. 

Nahversorgung

Bichler Supermarkt ohne Bäckerei?

Bichl -  Die Geschichte um den Bau eines Supermarkts in Bichl ist um ein Kapitel reicher.

Dem Gemeinderat lag am Dienstagabend ein Antrag von Projektentwickler Ratisbona vor. Die Firma möchte, dass die Anlieferungszeit um eine Stunde nach vorne verlegt wird, damit die Bäckerei zum Verkaufsbeginn des Markts (7 Uhr) schon fertige Waren anbieten kann. Die Abstimmung im Gemeinderat endete mit sieben zu sieben – das bedeutet: Weil sich keine Mehrheit fand, ist der Antrag abgelehnt.

Zum Hintergrund: Im Bebauungsplan wurde festgeschrieben, dass die Anlieferung nur zur Öffnungszeit erfolgen darf, also werktags zwischen 7 und 20 Uhr. Ratisbona forderte jetzt, den Bäcker schon um 6 Uhr beliefern zu können. Das geplante Café in der Bäckerei darf laut Bebauungsplan sonntags von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein. Ratisbona forderte hier auch eine Anlieferung ab 6 Uhr morgens.

Vor dem Gemeinderat hatte schon der Bauausschuss darüber diskutiert. Dort war man zu folgender Lösung gekommen: Eine Lieferung könnte montags bis sonntags ab 7 Uhr möglich sein, aber nur mit kleineren Transportfahrzeugen bis maximal 7,5 Tonnen.

Doch die Gemeinderäte konnten sich damit nicht anfreunden. Das Gremium ist in Sachen Supermarkt nach wie vor gespalten. Die Diskussion war folglich intensiv und kontrovers und wurde von rund 15 Zuhörern, in der Mehrzahl Supermarkt-Gegner, verfolgt. „Natürlich muss eine Bäckerei vor Betriebsbeginn angeliefert werden, dass ist doch bei anderen Firmen im Dorf auch so“, sagte Dritter Bürgermeister Kilian Streidl. Dieser Ansicht ist auch Bürgermeister Benedikt Pössenbacher.

Michael Knestel war anderer Meinung. „Wir hatten vor einem Jahr eine große Besprechung samt Architektin. Da haben wir über alle Details gesprochen, und es hieß, ,so würde es passen‘. Ich sehe keine Notwendigkeit, jetzt zu handeln“, sagte Knestel. „Wenn der Supermarkt um 7 Uhr aufmacht, dann kann doch der Bäcker auch erst um 7.30 Uhr mit dem Verkauf beginnen“, argumentierte Leonhard Peschl. „Damit stärken wir unsere örtlichen Betriebe.“ Helmut Oppel sagte, er habe gehört, dass Netto mit „den Pächtern massive Verträge“ abschließe. Auch er könne sich deshalb nicht mit der Idee anfreunden, die Anlieferungszeit auszuweiten.

Letztlich stimmten Helmut Kolbeck, Franziska Waldherr, Leonhard Peschl, Helmut Oppel, Xaver Bauer, Michael Knestel und Andreas Zander gegen eine Vorverlegung der Anlieferungszeit. Die anderen sieben (Benedikt Pössenbacher, Kilian Streidl, Markus Geißler, Xaver März, Georg Schöffmann, Hubert Waldherr und Thomas Schäfer) waren dafür. Michael Eberl (Supermarkt-Gegner) fehlte entschuldigt. Nach der Abstimmung gab es auf den Zuschauerplätzen spontanen Applaus.

Die Abstimmung bringt die Firma Ratisbona in eine Bredouille. „Diese Entscheidung ist in unserem Haus nicht nachvollziehbar“, sagte Matthias Haßler, Leiter der Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage. Es könnte jetzt sein, dass der Supermarkt ohne Bäcker betrieben werde.

Das Landratsamt hatte Ende Oktober den Bebauungsplan genehmigt (wir berichteten). Erst nach dieser Genehmigung wollte die Firma Ratisbona dem Vertrag zum Grundstückskauf endgültig zustimmen. Eigentlich wäre das eine reine Formsache. Aber: Es ist bisher noch nichts passiert, sagte Bürgermeister Benedikt Pössenbacher auf Nachfrage unserer Zeitung. Ratisbona habe schon damals angekündigt, die Widerspruchsfrist (vier Wochen) abzuwarten. Die Firma selbst möchte sich dazu nicht äußern.

Wer die Bäckerei übernehmen will, war gestern nicht zu erfahren. Laut Ratisbona muss hierzu Netto Auskunft geben – die Pressestelle ließ eine Anfrage unserer Zeitung jedoch unbeantwortet. Die lokalen Bäckereien Eberl und Lugauer machen es jedenfalls nicht.

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