Kunststücke 2000 Meter über dem Isarwinkel: Josef Bauer springt aus einem Ballon. foto: hias krinner
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Kunststücke 2000 Meter über dem Isarwinkel: Josef Bauer springt aus einem Ballon. 

Gleitschirmakrobaten aus Lenggries und Gaißach

Mit einem Salto aus dem Ballonkorb

Lenggries/Gaißach - Den Traum vom Fliegen leben Josef Strobl aus Lenggries und Josef Bauer aus Gaißach auf besondere Weise: Sie machen Gleitschirmakrobatik.

Eine ruhige Ballonfahrt über dem Oberland. Die Passagiere genießen den Ausblick aus über 2000 Metern. Da werfen zwei junge Burschen ihre Gleitschirme über den Korb und stürzen sich in die Tiefe – mit einem Salto über den Schirm.

Solche Luftakrobatik ist die Spezialität von Josef Strobl und Josef Bauer. Erst kürzlich absolvierten sie einen Trainingssprung aus einem Ballon. „Ich glaub’, für ein bisschen verrückt haben uns die Mitfahrer schon gehalten“, sagt Bauer (29) und lacht. Ganz unvorbereitet traf diese der Sprung in die Tiefe natürlich nicht. „Sie haben schon gesehen, wie wir unsere Ausrüstung herrichteten.“

Hin und wieder, wenn im Ballon von Bertl Reichart aus Greiling Platz ist, dürfen die Luftakrobaten mitfliegen. Welche Kunststücke sie ausprobieren, „das kommt auf den Piloten an“, sagt Strobl. „Jeder bestimmt für sich selber, was er fliegen möchte.“

Josef Strobl fliegt seit fünf Jahren.

Strobl, 21, fliegt seit fünf Jahren. „Ich bin durch Bekannte dazugekommen. Ich habe die Ausbildung gemacht und bin jede freie Minute in der Luft.“ Dabei hilft sein Hauptberuf: Er ist Fluglehrer in Lenggries, macht nebenbei für Herstellerfirmen Tests und Shootings. Gerade war er in Italien, um Fotos für die neuen Schirme der kommenden Saison zu machen. Durch seine Freunde Josef Bauer und Axel Gudelius stieg er tiefer in die Fliegerei ein. „Wenn man damit anfängt, dann möchte man erst einmal ein Gefühl für den Schirm bekommen“, sagt Strobl. „98 Prozent aller Piloten bleiben dabei hängen, sie möchten nur sicher in der Luft sein und Spaß haben.“ Aber ein paar fühlen sich zur Akrobatik hingezogen. Er sei bestimmt kein „Actionjunkie“, sagt Strobl. „Für mich ist es spannend, die maximale Kontrolle über den Schirm zu haben.“

Für die Luftakrobatik ist ein besonderes Fluggerät nötig. Der Schirm ist kleiner und wendiger. Der Pilot ist zur Sicherheit mit zwei zusätzlichen Rettungsgeräten ausgestattet. „Je mehr Höhe, desto mehr Sicherheit“, sagt Strobl. So hat der Akrobat mehr Zeit, einen möglichen Fehler auszubügeln. „Zuviel Höhe macht aber auch keinen Sinn, denn dann wird die körperliche Belastung zu hoch“, so der 21-Jährige. Beispielsweise beim so genannten „Infinity Tumbling“, bei dem der Schirm quasi unter dem Piloten durchgeschleudert wird. „Da wirkt dann etwa die sieben- bis achtfache Erdanziehungskraft auf den Körper, das muss man erst einmal stemmen“, sagt Strobl. Wichtig sei die richtige Atmung und die Füße anzuspannen, damit das Blut im oberen Bereich des Körpers bleibt. „Außerdem muss man im Kopf fit sein.“

Eine Regel heiße: „Man muss sich selber kennen“, sagt Strobl. „Ich muss einschätzen: Habe ich einen guten oder einen schlechten Tag?“ Beim Trainieren gehe er schon an seine Grenzen, sagt Josef Bauer. „Das muss man auch, wenn man im Weltcup mitfliegen möchte.“ Diese Sprünge finden dann aber über Wasser statt.

Derzeit ist Pause bei den Wettbewerben, an denen sowohl Bauer als auch Strobl teilnehmen. „Im Mai, Juni geht es weiter“, sagt Bauer. Die Spitzenposition haben die Franzosen inne, in Deutschland gibt es eigentlich keine richtige Szene. „Es ist das einzige Land, in dem diese Sportart verboten ist“, sagt Bauer, der bei einem technischen Ausrüster angestellt ist und nebenbei als Tandempilot arbeitet.

Dass Josef Strobl und Josef Bauer aus Ballons springen, ist übrigens eher selten. Auch Sprünge aus Helikoptern, die aufgrund der aufgewirbelten Luft besonders anspruchsvoll sind, absolvieren sie nicht so oft. Meistens gleiten die beiden jungen Männer einfach von einem Berg herab. Oder zeigen ihre Kunststücke bei Showflügen, für die sie gebucht werden. Erste Schritte in die Akrobatik könne jeder Gleitschirmpilot machen, sagt Strobl. „Man kann ja mal mit einem bisschen Schaukeln anfangen.“

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