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„Das hätt ich wohl besser nicht gepostet“: Medienfachmann Jörg Kabierske bei seinem Vortrag in Gaißach. 

Mediensicherheit an der Schule

Die NSA hört in Gaißach mit

Gaißach - Was hat WhatsApp mit dem Strafgesetzbuch zu tun? Und können harmlose Mails Ermittler interessieren? Jugendliche meinen, den Umgang mit Instagram, Snapchat oder Youtube zu beherrschen, aber der Medienexperte Jörg Kabierske belehrte sie an der Mittelschule Gaißach eines Besseren.

Facebook, WhatsApp, Instagram, Snapchat oder Youtube – viele Jugendliche nutzen diese Kanäle zur Selbstdarstellung, ohne über Konsequenzen nachzudenken. Jörg Kabierske, selbst ehemaliger Personalchef eines mittelständischen Unternehmens, erinnerte sie daran, dass mögliche Arbeitgeber ihre Spuren im Internet suchen. Kabierske schilderte einen persönlichen Fall: „Ich fragte den jungen Mann damals unter vier Augen, ob er wirklich noch Pornostar werden wolle.“ Das sei alles nicht ernst gemeint gewesen, habe der Jugendliche beteuert. „Aber das Internet, speziell die Wolke oder Cloud, vergisst nie“, ermahnte der IT-Experte. Die „digitale Wolke“ sichert Daten auf mehreren Speichern, verschleiert das aber.

Dass man ins Visier der NSA gerate, liege im Bereich des Möglichen, sagte Kabierske. „Aber ich schreibe doch nur harmlose Sachen“, meinte eine 16-Jährige. Durch die Datenansammlung der Geheimdienste und Verknüpfungen von „Kontakten“ könne das eigene Profil auch noch nach Jahren ins Visier von Ermittlern geraten.

Der letzte Vormittags-Vortrag war auf die Neunt- und Zehntklässler zugeschnitten. In den vorangegangenen Stunden hörten sich die unteren Klassen altersgerechte Informationen an. Für Schulleiterin Ute Hübner lautete das durchgängige Thema: „Mobbing“. Kabierske berichtete über zwei Mobbingopfer aus den USA, die Selbstmord begangen hatten, ein Mädchen mit 15, ein Bub mit 13 Jahren. „Deutsche Schulleiter haben mir von fünf Selbstmorden erzählt“, sagte der Regensburger IT-Fachmann und Kinderschutztrainer, der seit zehn Jahren an Schulen referiert. „Passt auf, wie ihr miteinander umgeht, und regelt es von Angesicht zu Angesicht“, appellierte der Regensburger. Denn auch Fehlverhalten im Internet habe straf- und zivilrechtliche Konsequenzen. Beleidigung könne mit einem Jahr Haft bestraft werden, Verleumdung (absichtliche Lügen) mit zwei Jahren Freiheitsentzug – und das bereits „ab 14 Jahren“, so Kabierske.

Nicht das Empfangen, aber das Weiterleiten oder Teilen von Bildern und Texten im Internet könne strafrechtlich geahndet werden. Für den Inhalt, der selbst verschickt werde, bestehe keine Garantie, dass er nicht in ungewollten Kanälen lande. „Ihr sollt erst nachdenken, bevor ihr etwas postet oder sendet“, sagte der Medienfachmann. „Fragt euch zuerst: Hab ich ein Problem damit, wenn diese Fotos oder Texte mal öffentlich werden?“

Die rege Teilnahme durch Fragen und Beiträge der Schüler sowie der laute Schlussapplaus bewiesen, dass Kabierskes Vortrag auf offene Ohren gestoßen war. „Ohne den Förderverein und die Unterstützung der Sparkasse wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen“, freute sich Schulleiterin Hübner.

Weitere Infos zu Vorträgen von Jörg Kabierske gibt es unter www.klicksalat.de.

Birgit Botzenhart

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