Nordspange: „Mich wundert die Heftigkeit der Vorwürfe“

Gaißach/Bad Tölz – Herbe Kritik an der Nordspangen-Planung des Staatlichen Bauamts Weilheim wurde am Dienstag im Gaißacher Gemeinderat laut (wir bericheten). Die Behörde wundert sich.

Stein des Anstoßes ist die Kreuzung der Gaißacher Ortsverbindungsstraße und der Tölzer Umgehung. Dort soll das Linksabbiegen verboten werden. Wer Richtung Bad Heilbrunn will, der muss nach rechts abbiegen und auf einem dann neu gebauten Kreisverkehr wieder umdrehen. Für die Rechtsabbieger wünschen sich die Gaißacher, dass eine Einfädelspur gebaut wird. Doch das Bauamt habe den Vorschlag „abgeschmettert“, beklagte Bürgermeister Stefan Fadinger. Im Gemeinderat war von einem „Willkürakt“ und „Schildbürgerstreich“ die Rede. Michael Kordon, Chef des Staatlichen Bauamts, ist überrascht von der Vehemenz der Kritik.

Herr Kordon, warum kann die von Gaißach gewünschte Einfädelspur nicht gebaut werden?

Michael Kordon: Die Entscheidung liegt bei der Regierung von Oberbayern. Beim Erörterungstermin zur Nordspange vergangene Woche hat die Gemeinde Gaißach ihr Anliegen vorgetragen, und wir haben unsere Argumentation dargelegt. Die Regierung hat nun beides abzuwägen.

Michael Kordon, Chef des Staatlichen Bauamts

Und wie ist Ihre Argumentation?

Kordon: Unsere Erfahrung ist, dass eine Einfädelspur problematisch ist, wenn sie zu kurz ist. Natürlich ist es klar, dass die Fahrzeuge an dieser Stelle, wo es auf den künftigen Kreisel zugehen wird, langsamer fahren werden. Trotzdem bräuchte die Einfädelspur einfach eine gewisse Länge, für die an dieser Stelle kein Platz ist. Die ganze Gemeindestraße in Richtung Bad Heilbrunn zu verlegen, um diesen Platz zu schaffen, wäre eine erhebliche Änderung und würde in Privatgrund eingreifen. Fakt ist dagegen, dass es bereits eine verkehrssichere Lösung gibt. Von Gaißach kommend fährt man an die Kreuzung, bleibt stehen, schaut nach links und wartet eine Lücke ab. Das finde ich nicht ganz unplausibel. Offenbar ist es uns nicht gelungen, diese Lösung so zu kommunizieren, dass sie verstanden und akzeptiert wird. Aber dass so vehement und emotional Kritik geäußert wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Im Gaißacher Gemeinderat wurde generell kritisiert, dass das Staatliche Bauamt nicht für Argumente anderer zugänglich sei. Zu Recht?

Kordon: Beim Erörterungstermin sind wir drei Tage auf die Einwendungen gegen unsere Planung eingegangen. Da kann ich den Vorwurf, wir würden nicht mit den Leuten reden und sie nicht ernst nehmen, nicht verstehen. Wir haben uns große Mühe gegeben, die Planung mit 3D-Visualisierungen und fotorealistischen Darstellungen zu erläutern. In diesem Fall haben wir eine andere fachliche Meinung als die Gemeinde Gaißach. Mich wundert die Heftigkeit der Vorwürfe. Da wird der Boden der Sachlichkeit verlassen.

Der Bürgermeister zieht jetzt sogar eine Klage in Erwägung. Was bedeutet das für das weitere Verfahren?

Kordon: Alle Betroffenen können ihre rechtsfähigen Interessen vor Gericht geltend machen. Im Fall von Gemeinden wären das ihr Wegenetz und ihre gemeindliche Entwicklung. Es fällt mir schwer, einen Grund für eine Klage der Gemeinde Gaißach zu finden. Denn ihr Wegenetz bleibt voll funktionsfähig, es wird keine Verbindung geschlossen.

Auch der Greilinger Gemeinderat ist mit der Nordspangen-Planung unzufrieden, bezeichnete sie als dilettantisch.

Kordon: Hier geht es ums Thema Hochwasserschutz, das natürlich sehr emotional ist. Hier führt die Nordspange aber sicherlich zu keiner Verschlechterung der Lage. Wir werden noch einmal mit der Gemeinde reden. Wir sind immer am Überlegen, wie wir unsere Planung verständlicher und transparenter darstellen können.

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